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(c) Pester Lloyd / 13 - 2010  KULTUR 29.03.2010

 

Kennedy-(De)Montage

Thalia-Theater Hamburg gastierte in Budapest

Im Rahmen des 10. Budapester Frühlingsfestivals kam das renommierte Hamburger Thalia-Theater am Samstag mit seiner neuen Produktion, „Die Wahrheit über die Kennedys“ in das neo-eklektizistische Budapester Nationaltheater. Die zenische Chronologie über familiäre Machtkonstruktionen und medialen Voyerismus lebt von exzellenten Darstellern, die das Publikum die vier Stunden andauernde Wahrheitsfindung im halbdunklen Bühnenlicht aushalten lassen.

Der Autor und Regisseur des Werkes, Luk Perceval, hatte seinem Vater ein Buch über „Joe“ Patrick Kennedy geschenkt, das er aber es vorher selber las. Dabei kam ihm die Idee, die Kennedy-Story für die Bühne zu bearbeiten. Daraus ist eine vierstündige Montage – und Demontage – der Kennedy-Familie aus so genannten Botenberichten entstanden. Eine chronologische Abfolge von Monologen, Dialogen, Chören, Gesängen, Geschrei, Gekreische und Getanze auf einer sich immer währenden drehenden Bühne beleuchtet das Drama in der Art eines überlange Dokumetarfilmes. Ein Drama, das durchaus sowohl an große antike Stoffe erinnert, aber ebenso den Vergleich zu aktuelle Tragödien ermöglicht, die den Machterhalt um nahezu jeden Preis zum Gegenstand haben und dabei vor Lügen, Intrigen, Gier und Mord nicht zurückschrecken.

Besonders überzeugend ist dabei in der Hamburger Aufführung die Funktion der Medien herausgearbeitet, so dass sich Analogien zwischen den Kennedys und den Obamas durchaus herstellen lassen und vom Autor dieser beeindruckenden Kennedy-Demontage auch gewollt scheinen. Hatten die Kennedys zu ihrer Zeit schon eine manipulierende Medienvielfalt zur Verfügung, so potenzierte sich diese zu Obamas-Zeiten noch um das grenzenlose Intrnet. Wie zutreffend dafür das Zitat von Friedrich Nietzsche im aussagestarken Programmheft: „Alle Wahrheit ist krumm, die Zeit selbst ist ein Kreis“.

Die szenische Chronologie von „The truth a baout the Kennedys“ lebt nur von den Darstellern, und die vier Stunden im Zuschauerraum sind nur durch die zur Schau gestellte Wahrheit dieser Familie zu überstehen. Das Schauspielensemble ist durchweg großartig besetzt. Die Textpassagen sind ausgesprochen kompliziert konstruiert und durch sprachliche Überlagerungen sowie synchroner Sprechweise noch zusätzlich erschwert.

Ohne diese herausragenden darstellerischen und und z.T. auch sprachlichen  Leistungen wären die Texte höchstens ein mittelmäßiges Buch, dass man kaum verschenken würde. Luk Perceval, der Dramaturgie und dem Hamburger Ensemble ist es mit dieser Montage gelungen, den Mythos um die Kennedys so weit zu demontieren, dass ein großer Teil der Wahrheit – nicht nur dieser familiären Machtkonstruktion ans Licht geholt wurde, wenn auch zunächst nur ins halbdunkle Bühnenlicht...

gbs

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