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(c) Pester Lloyd / 14 - 2010 WIRTSCHAFT 06.04.2010
Verlustreicher Luftkampf
Malév machte im letzten Jahr 94 Mio EUR Verlust, Piloten drohen mit Streik
Der derzeitige Kollektivvertrag für die Malév-Mitarbeiter wurde von seiten des Managements gekündigt, ein neuer Vertrag soll ausgearbeitet werden, der den
Sparanforderungen des Unternehmens Genüge tut. Die Antwort der Piloten auf diesen Schritt ist eine erneute Drohung mit Streik. Derweil erhöhen sich die
Verluste der gerade rückverstaatlichten Fluglinie dramatisch. Hunderte Millionen Euro Steuergelder werden nötig sein, Zweifel an der Preispolitik des Managements werden laut.
Für die kommenden Zeiten braucht die Malév mehr als einen Schutzengel, Foto: malev.com
Ende 2009 wurde ein Streik der Malév-Piloten kurzfrsitig zu Gunsten weiterer
Verhandlungen abgesagt. Das Einsparziels des Managements von rund 6 Milliarden Forint im Jahr könne jedoch nicht allein zu Lasten des Personals gehen, findet Tamás Óvári,
Chef der Politenvereinigung HUNALPA. Er hält die einseitige Aufkündigung des schwer errungen Kollektivvertrages für unverantwortlich, ein Streik, noch im April, ist für ihn
jetzt eine realistische Option. Man habe keine besondere Lohnforderung gestellt, erwarte viel mehr ein Angebot vom Management. Darin solle jedoch zumindest der
Realeinkommensverlust der letzten vier Jahre Berücksichtigung finden. Auf dieser Basis hätten die Malév-Piloten in den letzten vier Jahren rund 40% Einkommen eingebüßt.
Derweil vermehren sich Verluste und Schulden der gerade wieder aus den Händen
russischer Investoren rückverstaatlichten Airline dramatisch. Der Verlust nach Steuern betrug 2009 25 Milliarden Forint (mehr als 94 Mio EUR), 2008 betrug dieser "nur" 14
Mrd. Forint. Neben den allgemeinen Schwierigkeiten der Branche wegen der weltweiten Krise, wird auch die extrem aggressive Preispolitik der Malév für die hohen Verluste
verantwortlich gemacht. Der Kampf um Marktanteile und Passagiere hat derzeit gegenüber der Wertschöpfung offenbar eindeutigen Vorrang.
Malév konnte, im Gegensatz zu fast allen anderen Airlines der Region, 2009 Passagiere
hinzugewinnen - zu einem sehr hohen Preis, wie nun zu sehen ist. Ob sich diese Strategie auszahlt, wenn die Zeiten besser werden, ist mehr als fraglich. Experten
beziffern den Anteil der Verluste durch reinen Preiskampf auf 10-12 Mrd. Forint, also fast die Hälfte. Andere Marktbeobachter meinen hingegen, durch ihr aggressives
Auftreten hätte die Malév überhaupt den Winter überstanden.
Die Rückverstaatlichung (unser Beitrag unten) ist derzeit noch ein Fall für die Brüsseler
Wettbewwerbshüter, denn in der Übernahme von 95% der Anteile gegen Schulden und Verbindlichkeiten durch den ungarischen Staat kann man auch eine unlautere staatliche
Beihilfe sehen, vor allem, wenn der Übernahmepreis weit unter dem Unternehmenswert liegen sollte und das einzige Ziel der Übernahme die Rettung zum
Zwecke der Suche nach einem neuen Investor gewesen sein sollte. Dadurch könnte eine Wettbwerbsverzerrung eintreten, die gegen die Regeln des EU-Binnenmarktes
verstösst. Einige Airlines beklagen genau das und sagen, ohne die Staatsübernahme wäre Malév längst pleite.
Auch in den nächsten Jahren braucht die Malév enorm viel Geld, jetzt Steuergeld. Allein
für die Sanierung und die Aufrechterhaltung des operativen Geschäftes könnten binnen 24 Monaten über 130 Millionen EUR fällig werden, weitere rund 60 Mio EUR für Tilgung und Bedienung von Altschulden.
Zum Thema:
Dünne Luft (Mär 2009)
Massiver Stellenabbau und weitere Sparpläne bei der wieder staatlichen Malév
Von VEB zum VEB (Mär 2009)
Die ungarische Airline Malév wurde rückverstaatlicht
Fliegen am seidenen Faden (Dez 2009)
Die Eigentümer machen der Malév mehr zu schaffen als die Wirtschaftskrise
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