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(c) Pester Lloyd / 14 - 2010  GESELLSCHAFT 10.04.2010

 

Ein Fünkchen Hoffnung

Ein Ansatz von Dialog am Welttag der Roma in Ungarn

„Ändert euch!“ ist der kurze und präzise Aufruf Zoltán Balogs von einer kleinen bürgerlichen Stiftung. Er gilt nicht in erster Linie den Roma, sondern der ungarischen Gesellschaft in Bezug auf den Umgang mit der größten ethnischen Minderheit des Landes. Zum Welt-Roma-Tag versammelten sich Bildungsbürger wie Romavertreter, leider nur zu einer Nischenveranstaltung, und versuchten wenigstens einen Dialog über das Mögliche und das Notwendige.

Bildung als Schlüssel

Über realistische Perspektiven für die rund 8% der Bevölkerung zählende Gruppe sprachen gestern Roma-Politiker und Vertreter der Bildungsschicht auf einer Art Konferenz. Es ging ihnen darum, einen gesellschaftlichen Dialog zu ermöglichen, doch dazu muss eben erst einmal – auch von Seiten der Roma – zugehört werden. Auf Bildungsebene betont man die Wichtigkeit eines Schulabschlusses für Roma-Mädchen; selbst wenn es nur die achte Klasse ist. Mit Blick auf das Studium, welches bisher den Wenigsten vorbehalten bleibt, hebt man das „Roma-Fachkolleg“ hervor, das neben finanzieller Unterstützung auch die eigene Identität fördern soll, während die Roma in das ungarische Studentenleben einbezogen werden.

Dass dieses Einbeziehen als essentieller Integrationsbestandteil insbesondere im Schulsystem noch sträflich missachtet wird, zeigt die Tatsache, dass trotz Maßnahmen zur Abschaffung des separaten Schulunterrichts für Roma-Kinder nach wie vor in zirka 170 Gemeinden gesonderte Schulen für sie existieren. Auch die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, meist finanziert aus Regierungs- bzw. EU-Geldern greifen zu kurz. Sie sind oft zeitlich begrenzt, ökonomisch sinnlos und haben keinen nachhaltigen Effekt. Manche sind in sich - ungewollt - rassistisch veranlagt. Den Roma von vornherein nur Korbflechter- und Teppichknüpfkurse anzubieten, wie es oft geschah, hat etwas vom nordamerikanischen Reservatsgedanken...

Intoleranz und fehlende Emphatie

Die größte ethnische Minderheit Ungarns ist nach wie vor am Rande der Gesellschaft im Teufelskreis von Armut und Bildungslosigkeit gefangen. Dazu gesellt sich im Umgang mit ihnen neben wachsender Intoleranz vor allem mangelnde Solidarität, die eng mit der schwierigen sozialen und prekären wirtschaftlichen Lage Ungarns verbunden ist. Roma sein, das heißt hier vor allem mangelnden Zugang zu Bildung, medizinischer Versorgung, Wohnraum und Beschäftigung zu haben. Dies ging auch wieder aus dem aktuellen Report Amnesty Internationals zur Menschenrechtslage in Ungarn hervor. Wenn man diesen gerade nicht zur Hand hat, braucht man nur die Augen im aktuellen Wahlkampf offen zu halten. Zu den stumpfen, doch überaus gefährlichen Parolen der rechtsradikalen Partei Jobbik zählt unter anderem auch der Kampf gegen die sogenannte „Zigeunerkriminalität“. Von rechtsterroristischen Anschlägen gegen die Minderheit distanziert man sich jedoch scheinheilig. Allein in den letzten zwei Jahren starben dabei acht Menschen, etliche wurden verletzt.

Der Andrang hielt sich in Grenzen... Foto: M.W. (c) PL

Das Treffen in Budapest, der Versuch eines gesellschaftlichen Dialogs also, ist ein Funken Hoffnung. Doch ein kleiner, denn man fragt sich, was auf einer solchen Veranstaltung der seltsame Programmpunkt „Die Chance der Roma ist Christus“ zu suchen hat, der auf das Integrationspotential der Kirche verwies, wie auf eine Missionarsstation im Südamerika des 16. Jahrhunderts. Auch die Ausrichtung durch eine kleine Spilttergruppe ist, bei allem löblichen Engagement der Leute, keine glückliche Wahl, hatte aber etwas bezeichnendes.

Auf dem Arbeitsmarkt sollen Unternehmen der Minderheit mehr Chancen bieten, doch Zoltán Balog betont auch, dass sich die Mentalität der Roma ändern muss. „Ihr müsst es wollen“, fordert er sie auf. Es bleibt vor allem zu hoffen, dass sie es auch können. Angesichts des bevorstehenden Regierungswechsels kann einem angesichts der rassistischen Hetze des Wahlkampfes Angst und Bange werden. Dass aus Worten ganz schnell Granaten werden können, hat man in Ungarn nicht nur einmal gesehen. Ein offener Dialog auf viel breiterer gesellschaftlicher Ebene als es diese Nischenveranstaltungen war, ist dringend und dauerhaft nötig, um die Lage der ungarischen Roma und damit die ganze Gesellschaft nachhaltig zu verbessern.

Matthias Wahsner

Zum Thema:

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