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(c) Pester Lloyd / 14 - 2010 WIRTSCHAFT 08.04.2010
Lockmittel
Ungarischer Staat vergibt Fördermilliarden an Daimler, Bosch & Co.
Deutsche Unternehmen schneiden bei der Vergabe von Staatshilfen in Ungarn derzeit am besten ab. Gleich drei Töchter großer deutscher Konzerne führen die
Förderliste an. Die Daimler AG kann sich über großzügige Staatshilfen für das neue Werk im ungarischen Kecskemét freuen, obwohl gegen das Unternehmen
gleichzeitig wegen Korruption ermittelt wird. Bosch erhält einen Zuschuss für den Ausbau seiner Forschungsabteilung und die Continental-Tochter Temic Telefunken
Beihilfen für den Ausbau der Autoelektroniksparte für Hybridmotoren.
Für Investitionen tut er alles: Ungarns Regierungschef Gordon Bajnai, 2. v. r. bei der kürzlichen
Grundsteinlegung des neuen Daimlerwerkes in Kecskemét
Ob die staatlichen Beihilfen gerade für die Großkonzerne wirklich ökonomisch
notwendig und sinnvoll sind und nicht besser in der Kleinunternehmer- und Mittelstandsförderung veranlagt wären, sei dahingestellt, sie sind jedenfalls Teil des
Investitions-Basars geworden, auf dem sich die an den Investitionen der Multis interessierten Länder gegenseitig mit Benefizangeboten überbieten müssen, andernfalls
könnten es sich die Unternehmen auch anders überlegen. Diese treffen ihre Standortentscheidungen zwar ohnehin aus strategischen Überlegungen, aber mit dem
Argument der Schaffung von Arbeitsplätzen, konnte man noch immer lohnend hausieren gehen.
Rund ein Zehntel der Investitionssumme von geschätzten 800 Mio EUR für das neue
Werk in Kecskemét wird dem Daimler-Konzern in Form von Steuernachlässen bis zu 22,15 Mrd. Forint erstattet (ca. 83,5 Mio EUR). Laut einem Beschluss der Europäischen
Kommission, dürfte Ungarn für dieses Projekt bis zu 111,5 Mio EUR (29,7 Mrd. Ft.) geldwerte Förderungen ausreichen. Die Gewährung der Beihilfe ist an den Fortgang der
Arbeiten in Kecskemét gebunden und zunächst auf fünf Jahre daran gebunden. Gleichzeitig wird, auf Anweisung des Regierungschefs, gegen Daimler wegen des
Verdachts der Korruption bei einer Ausschreibung im Jahre 2005 ermittelt. Dabei soll sich die damalige DaimlerChrysler AG schuldig gemacht haben, mit bis zu 300.000 EUR
staatliche und lokale Entscheidungsträger sowie Manager geschmiert zu haben, um einen Auftrag bei der staatlichen Regionalbuslinie Volánbusz zu erhalten. - Mehr zum Thema
Der deutsche Autobauer wird bereits in diesem Jahr mehr als 300 Menschen für das
neue Werk einstellen. Dabei handelt es sich in erster Linie um technisches Personal der höheren Qualifikationsgrade. Diese werden in Deutschland geschult und dann als
Schlüsselpersonal bei der Einarbeitung und Leitung der bis zu 2.500 Mitarbeiter fungieren, die hier ab 2012 die Produktion der neuen Modellreihen umsetzen sollen.
Weitere Staatsbeihilfen gingen an die Robert Bosch Kft. (1 Mrd. Ft bzw. 3,77 Mio EUR)
für den Ausbau dessen Foschungs- und Entwicklungszentrums in Budapestund die Aufstockung der Mitarbeiter um rund 200. 300 Mio Forint, ca. 1,2 Mio EUR, gehen an
die ungarische Continental-Tochter Temic Telefunken für eine 7 Mrd. Forint (26,5 Mio EUR)-Investition in die Herstellung von Elektronikbauteilen für Hybridmotoren und modernste ABS-Technik. () Das Unternehmen für Eneuerbare Energien PCP Zöldenergia
erhält 160 Mio Ft. für eine 5 Mrd. Ft. teure Kunststoffverwertungsanlage und die Szemes Invest Kft 300 Mio Ft. für eine 24 Mrd. Investition in einen Tourismus- und
Dienstleistungskomplex am Balaton in Balatonszemes.
Zum Thema:
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