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(c) Pester Lloyd / 14 - 2010 KULTUR 10.04.2010
Drahtseilakt zwischen den Kulturen
Deutschtürken und Ungarndeutsche spielen in Pécs Theater
Grenzgänger und Heimkehrer, Aufbrecher und Entdecker, Erklärer und Verschwörer – jugendliche Deutschtürken und Ungarndeutsche, junge Menschen,
sozusagen mit zwei Herzen in einer Brust, versuchen spielend bei einer Theaterwerkstatt in der Kulturhauptstadt Pécs zu erklären, was es bedeutet mit
verschiedenen und vielleicht manchmal unvereinbaren Wurzeln aufzuwachsen.
Zwei Heimaten, wobei schon der Versuch der Pluralbildung streikt, können
widerstreitend miteinander im Eintakter schlagen. Jugendliche unter professioneller Anleitung oder besser künstlerischer Begleitung von Dramaturg und Regisseur Boris
Friedewald und der Tanzpädagogin Sermin Kayik interpretieren ihre Emotionen neu, anders oder realistisch genau.
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Am Ende des 12 tägigen Workshops, der bereits am Ostermontag begann, steht ein
fertiges Theaterstück, welches am 17. April um 19 Uhr im Müveszetek és Irodalom Háza in Pécs zu sehen sein wird. Das Ergebnis ist die jeweilige persönliche
Auseinandersetzung von jungen Erwachsenen aus verschiedenen Lebenswelten kommend, mit unterschiedlichsten Erinnerungen und Gedankenschubladen und vielleicht
nur einer einzigen Gemeinsamkeit, die in diesen zwei Wochen im Mittelpunkt stehen soll: Heimat in zwei Kulturen, in zwei Welten. Drahtseilakt zwischen Identitäten und
Bedeutungen. Den Schauspielern, die vielmehr ihre eigene Lebensgeschichte öffentlich auf die Bühne bringen als eine inhaltslose Rolle anzunehmen, steht Sprache und damit
ist die verbindende deutsche Sprache gemeint, Tanz und Musik als Ausdruck intimer Befindlichkeiten zur Verfügung.
Die Aufführung findet statt im Rahmen des „Off - Programms“ und ist Teil der
kulturellen Ereignisse in Pecs. Organisiert wird der Workshop und der anschließende Auftritt von der Gemeinschaft Junger Ungarndeutscher in Kooperation mit ifa –
Kulturmanagerinnen und dem deutschen Kulturforum für Osteuropa. Das Konzept des Stücks ist beruhigend offen und erstaunlich wenig vor- und durchkonzipiert. Keine
vorangestellte Interpretation der bedrohlich hoch angesetzte Definition von Zwei-Welten-Gängern. Was feststeht, ist vielleicht emotionale Zerrissenheit oder auch
nur die Gewissheit von etwas anderen Geschichten. Und auch wenn vielleicht nicht die Lösung des Multikulturalismus im Herz gefunden wird, so ist ein intimer Dialog zwischen
dem Redner und dem Publikum und damit eine multikulturelle Annäherung zwischen den drei Kulturhauptstädten 2010 möglich.
Katherin Wagenknecht
17. April 19.00 Uhr Müvészetek és Irodalom Háza, Pécs
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