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(c) Pester Lloyd / 15 - 2010 WIRTSCHAFT 16.04.2010
Stabil aber verletzlich
Für die Nationalbank ist die Kreditklemme in Ungarn eine Realität
Die Ungarische Nationalbank zeichnet in ihrem aktuellsten Stabilitätsbericht ein geteiltes Bild des heimischen Finanzmarktes. Während sich die Kapitallage der
Banken stetig verbessert, es weniger Pfändungen von in Not geratenen Häuslebauern gibt und sich die Qualität der Kreditportfolios nur noch langsam
verschlechtert, erkennt man endlich das Problem der Kreditklemme an. Diese stabilisiere derzeit zwar die Banken, würde die wirtschafltiche Erholung aber langfristig beeinträchtigen.
"In Anbetracht der langsamen
wirtschaftlichen Erholung, haben sich die Risiken für die finanziele Stabilität des Marktes spürbar verringert. Dennoch, die hohe Staatsverschuldung und der immer noch hohe Anteil von
Fremdwährngskrediten in Privathaushalten machen die ungarischen Ökonomie angreifbar." heißt es in dem Papier. Daher ist "die Fortsetzung der disziplinierten
Haushaltspolitik besonders wichtig," heißt es, auch als Wink an die zukünftige Regierung. Zukünftiges Wachstum sollte überwiegend aus eigenen Reserven bestritten werden, nicht mehr aus ausländischen
Finanzquellen.
Eingeschränkte Kreditvergabe und geringere Nachfrage haben es vor allem für
Unternehmen schwieriger gemacht an Kredite zu kommen, erst recht, da ihre Kreditwürdigkeit in der Krise in den Augen der Banken gelitten hat. Das gestiegene
Risikobewußtsein der Banken schließt immer mehr Unternehmen von der Kreditvergabe aus, heißt es in dem Bericht kritisch. Dies würde die Erholung der ungarischen
Wirtschaft stärker und langfrsitig beeinträchtigen.
Statt den Bausparern ihre kleinen Häuschen unter dem Hosenboden wegzupfänden, um
dabei ohnehin ein Minusgeschäft zu machen, bemühten sich die ungarischen Banken in letzter Zeit lieber um Geduld und dehnten u.a. die Rückzahlungen aus, auch durch
Reduzierung der Tilgunsraten, lobt die Nationalbank in ihrem aktuellen Bericht, muss aber auch zugeben, dass sich der Zustand der Kreditportfolios, egal ob privater oder
geschäftlicher Natur, weiter verschlechter hat, wenn auch "nicht so stark wie befürchtet".
Der Anteil der notleidenden Kredite liege bei ungarischen Banken derzeit bei rund 10%
bei den Firmen- und 8% bei den Privatkrediten (Zahlungen über 90 Tage in Verzug und höhere Rückstände als das dreifache des Mindestlohns). Diese Zahlen halten viele für
geschönt, da die Banken über genügend Instrumente der kreativen Buchhaltung verfügen, diese Zahlen zu schönen, ohne dabei die Bilanzgesetze zu verletzen.
Realistischere Schätzungen gehen von einer Rate zwischen 13 und 15% aus.
Die Kapitalausstattung der Banken sei im letzten Quartal wiederum deutlich besser
geworden, mittlerweile verfüge man über einen Eigenkapitalanteil von durchschnittlich fast 13%, vor einem Jahr waren es gerade 11%. Diesen Wert erreichte man durch die
Umverteilung von Gewinnen in Reserven, statt der Auszahlung an die Eigentümer, weiterhin durch Kapitalerhöhungen seitens der Muttergesellschaften und "durch einen Rückgang der Verleihung".
Die Gewinne der in Ungarn bilanzierenden Banken lagen 2009 bei insgesamt 306
Milliarden Forint (1,16 Mrd. EUR) und damit 5% höher als 2008 und sogar "viel besser" als die Schätzung der Zentralbank. Allerdings reslutierten viele Gewinne aus
Einmaleffekten durch "Finanzoperationen". 2010 werde man dieses Profitlevel nur halten, wenn man das Kreditgeschäft sprürbar ausweitet oder: die Zinsen erhöht. (die
Finanzaufsicht PSZÁF überprüft übrigens gerade bei 30 Instituten, ob die Banken, dem Leitzins gemäß, die Zinsen überhaupt ausreichend gesenkt haben).
Im übrigen hätte ein "Stress-test" gezeigt, dass die Barreserven der Banken
"ausreichend sind, sogar wenn verschiedene Faktoren zusammentreffen, wie signifikante Finanzmarktturbulenzen, Abzug von Spareinlagen und ein Schock der
Aktienmärkte." Lediglich eine Finanzierungslücke von knapp 200 Mio EUR habe der Stresstest noch aufgedeckt, dessen genaue Parameter jedoch Betriebsgeheimnis der Zentralbanker bleiben.
Mit der Machtübernahme der Fidesz-Regierung wird ein baldiger Wechsel an der Spitze
der Nationalbank erwartet. Der jetzige Gouverneur, András Simor, gilt dem Fidesz als typischer Vertreter der "Gurcsány"-Ära. Ihm wurden private, geschäftliche Aktivitäten
über eine Gesellschaft in Zypern zum Vorwurf gemacht. Es könne nicht sein, so Fidesz,
dass der oberste Banker des Landes sich über eine Off-Shore-Gesellschaft vor dem Zahlen von Steuern drückt, während das Volk unter der unsozialen Sparpolitik der Regierung leide.
Zum Thema:
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