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(c) Pester Lloyd / 15 - 2010 KULTUR 12.04.2010
Augen nach Osten
Das Filmfestival goEast feiert in Wiesbaden sein zehnjähriges Jubiläum
Ende der Achtziger beauftragte die Bundesregierung das Deutsche Filminstitut dazu, bundesweit osteuropäische Filmwochen auszurichten, um Blicke hinter den
Eisernen Vorhang zu ermöglichen. Die Veranstalter entwickelten mit dem goEast-Filmfestival daraus einen echten kulturellen Dialog. Ab dem 21. April jährt
es sich in Wiesbaden bereits zum zehnten Mal und bietet diesmal neben neuen Filmen auch ehemalige Preisträger. Man kann dort den Osten entdecken, ohne ihn betreten zu müssen...
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Es wird wieder Zeit, den Blick auf die Leinwand der Caligari Filmbühne zu richten, um
sich den Geschichten und Mythen unserer östlichen Nachbarn zu öffnen. „goEast“ – das Festival des mittel- und osteuropäischen Films – wartet diesmal mit einem speziellen
Jubiläumsprogramm auf. So lädt das Deutsche Filminstitut (DIF) osteuropainteressierte Kinoliebhaber dazu ein, Preisträgerfilme der letzten Jahre nochmal zu sehen oder sich
den aktuellen Werken ehemaliger Gewinner, wie zum Beispiel Alexej German Jr. oder Jirí Vejdelek, zu widmen.
Kurzschluss und „Süße Dinge“
Zur Eröffnung kommt es gleich zu einem „Kurzschluss“ der cineastischen Art, wenn der
gleichnamige Episodenfilm Statements über das Verliebtsein setzt. Vier der fünf Regisseure, die ihn gedreht haben, wurden schon früher bei goEast ausgezeichnet und
gelten heute als Aushängeschilder der jungen russischen Filmszene. Deshalb steht das Festival auch eng mit der Entdeckung des neuen russischen Kinos in Verbindung, worauf
Swetlana Sikora als künstlerische Leiterin besonders stolz ist.
Unter dem Motto „Was ist aus ihnen geworden?“ wird im Rahmen des
Festivals auch über das Fußfassen und den Alltag im Filmgeschäft diskutiert. Dazu kommt es zu einem Wiedersehen mit den ehemaligen Preisträgern Evi Goldbrunner, Simon Rauh und Gregor
Schubert, deren Gewinnerfilme vorab nochmal gezeigt werden.
Im Doppelprogramm mit Jirí Vejdeleks
„Süsse Dinge“, der 2001 den Publikumspreis im goEast- Hochschulwettberweb abräumte und anschließend auch in Cannes lief, ist sein neuerer Film „Roming“ (Foto)
zu sehen. Der tschechische Kassenschlager des Jahres 2007 erzählt von einem Roma, der seinen Sohn verheiraten will, was mal wieder leicht an Emir Kusturicas „Schwarze Katze, weißer Kater“ erinnert.
Für Prominenz ist gesorgt
Natürlich erwartet man auch prominente Gäste. Als
Ehrengast der Jubiläums-Matinee begrüßt man Liselotte Pulver, die international vor allem für ihre Rolle als Fräulein Ingeborg in Billy Wilders Komödie „Eins, zwei, drei“ (USA 1961) bekannt ist. Auf
einem Bühnenstück von Ferenc Molnár basierend, dreht der Streifen Kommunisten, Ex-Nazis und Kapitalisten gleichermaßen durch den Fleischwolf des Humors. Interessant dürfte auch sein, wie
Claudia Dillmann – DIF-Direktorin und Gründerin des Festivals – in den Film einführen wird. Mit "Ich denke oft an Piroska" aus den 50er Jahren landete
Pulver nicht nur einen weiteren großen Kinoerfolg der Trivialschiene, sondern zementierte geradezu alle bis heute gängigen Klischees über Ungarn.
Nach der Preisverleihung am 27. April soll Wladimir
Kaminer mit seiner „Russendisko“ für einen gebührenden musikalischen Abschluss des Ganzen sorgen. Dazu verlegt er sie für einen Abend extra aus der Hauptstadt in den Kulturpalast Wiesbaden.
Über das vielseitige Programm kann man sich ausführlich auf der Website http://www.filmfestival-goeast.de/ informieren.
Matthias Wahsner
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