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(c) Pester Lloyd / 15 - 2010 KULTUR 12.04.2010
Bass und Verklärung
Jewgenij Nesterenko gastierte im Palast der Künste Budapest
Die Nationalen Philharmoniker unter der exzellenten Leitung von Generalmusikdirektor Zoltán Kocsis gehen immer mehr dazu über, ihren Konzerten
ein durchgehend thematisches Profil zu geben. So auch am vergangenen Samstag im Großen Konzertsaal im Budapester Palast der Künste (MÜPA): Der Tod und das
Leben danach, standen im Mittelpunkt der ausgewählten Werke.
Mit der Sinfonischen Dichtung „Tod und Verklärung“ von Richard Strauss leitete man
ein, setzte mit den vier „Liedern und Tänzen des Todes“ von Modest Mussorgsky fort. Und beendete mit der 6. Sinfonie, der so genannten „Pathétique“ von Peter Tschaikowski den gar nicht traurigen Abend.
Bereits bei Strauss konnte das große Orchester seine Reife für derart anspruchsvolle
Werke unter Beweis stellen. Hier überzeugten insbesondere die Harmonie und Eleganz bei den Blechbläsern in den herausfordernden Passagen dieser aufwühlenden Musik.
Zum Abschluss des Konzertes konnte sich das Orchester noch einmal in der Tschaikowski-Sinfonie - nicht nur im dritten Satz bei den Holzbläsern – steigern. Auch
im letzten Satz wurde das Werk als ein „Requiem“ auf Tschaikowskis Leben voller Tiefschläge dem thematischen Anspruch des Konzertabends gerecht, wie uns der
ungewöhnliche Adagio-Schlusssatz mit dem h-moll Akkord am Ende des Werkes deutlich machen will.
Zwischen diesen beiden gekonnt interpretierten Werken
gab der weltberühmte russisch-ukrainische Bassist Jewgenij Nesterenkow mit seinen nunmehr 72 Jahren die Mussorsky-Lieder mit Charme, Ausstrahlung und prononciertem Gestaltungswillen. Nur an der einstigen
stimmlichen Qualität, dem Volumen und der davon abhängenden Dramatik fehlte es in allen vier Liedern vom Tod, der bei Mussorsky singend hinweg getanzt wird.
Bei allem Jubel, die dem großartigen „Boris Godunow“
von einst auch am Samstag von seinen ergrauten Fans mit viel Blumen und rhythmischen Applaus entgegengebracht und sein Bass verklärt wurde: Alles hat seine Zeit. Auch Stimmen haben ihr Verfallsdatum.
Tenöre wissen das – und singen weiter. Auch eine Bass-Stimme wird mit dem Alter nicht in jedem Falle besser. Nesterenkow hat seinen
stimmlichen Glanzpunkt bereits hinter sich gelassen. Dieser Auftritt des einst großartigen Bassisten im MÜPA passte dann bedauerlicherweise auch irgendwie zum Themen-Abend der Nationalen Philharmoniker...
g.b.s.
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