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(c) Pester Lloyd / 16 - 2010  KULTUR 21.04.2010

 

Die großen Drei

Anima Eterna gastiert mit Mozart-Sinfonien in Budapest

Am 27. April gibt das Originalklang-Orchester Anima Eterna aus dem belgischen Brügge sein Debüt in Budapest. Unter der Leitung des Gründers und Chefs, Jos van Immerseel, werden im Palast der Künste die letzten drei Sinfonien von Wolfgang Amadeus Mozart zu hören sein, bei denen es besonders spannend wird zu verfolgen, wie hier die historisch recherchierte Vermutung "Originalklang" umgesetzt wird.

Das Orchester Anima Eterna Brugge, dessen Wurzeln in Flandern, einer der Wiegen der historisch-informierten Aufführungspraxis, liegen wurde 1987 gegründet. Der Pianist und Dirigent Jos van Immerseel formte aus dem Klangkörper, das als kleines Barockensemble begann, rach eines der wichtigsten Originalklang-Ensembles Mitteleuropas. Dirigent und Ensemble streben nach einer epochengetreue Rekonstruktion des barocken, klassischen, romantischen Repertoires und der Musik bis 1940. Immer auf historischen Instrumenten. Mit der im Februar veröffentlichten CD mit Werken von Hector Berlioz sorgte das Ensemble für Furore in der Musikwelt.
 

Genauer hinhören lohnt sich gerade hier

Die letzten drei Sinfonien Mozarts stellen einen besonders faszinierenden Kosmos im Werk dieses wohl größten Genies der Musikgeschichte dar. Man könnte sie auch als These, Antithese und Synthese der musikalischen Welt und seiner Perspektiven am Ende des 18. Jahrhunderts titulieren. Besonders die große G-Moll-Sinfonie (Nr. 40) und die Jupiter-Sinfonie erfreuen sich in den Konzertsälen einer fast inflationären Beliebtheit. Dabei lohnt es gerade bei diesen vielgespielten Werken wieder genauer hinzuhören und die teils extravaganten Besonderheiten in ihnen zu entdecken. Mozart folgte mit ihnen keiner Mode, sondern ging in ihnen ganz als Erschaffer "absoluter Musik" auf, was Produkte entstehen ließ, die das Publikum der damaligen Zeit oft überforderte und Mozart zum Schluss durchaus einen Ruf als anstrengender Modernist einbrachte. Das heutige Publikum neigt dagegen eher zu hitmäßigen Reduzierung, die vor allem auch bei Mozarts Werken einer sündhaften Verschleuderung gleichkommt.

Historische Aufführungspraxis: Befreiung oder Homöopathie?

Wie das Ensemble Anima eterna den ständigen Kompromiss des vermeintlichen "Originalklanges", angeht, wird spannend sein zu beobachten. Denn wie etwas im Original klang, können wir nicht wissen und beschränkt sich daher immer auf eine historisch recherchierte Vermutung, die uns zwar immerhin vom überbordenden Sound vor allem der Spätromantik abgebracht, aber auch verschiedene Auswüchse musikantischer Homöopathie vor allem in der eigentlich sehr fleischlichen Barockmusik hervorgebracht hat, die zum Teil das gleiche Unverständnis produziert wie ein Veganer im Steakhaus. Anima eterna geht, wie den vielen Einspielungen zu entnehmen ist, einen vitalen Zwischenweg und stellt die Lust am Musizieren zumindest auf die gleiche Stufe wie historische Genauigkeit und Notentreue.

Ein Tag zuvor, am 26. April zeigt sich das Orchester von einer ganz anderen Seite, Werke von Fauré und Ravel stehen im Bartók-Konzerthaus in Szombathely auf dem Programm.

-red. / ms.

26. April, Bartók Saal, Szombathely
27. April 2010, Palast der Künste (MüPa), 20.00 Uhr

www.mupa.hu
www.animaeterna.be
 

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