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(c) Pester Lloyd / 16 - 2010  KULTUR 23.04.2010

 

Grabenorchester über Tage

Dreimal Mozart mit dem Staatsopernorchester in Budapest

Mozarts B-Dur-Sinfonie (KV 319) begann noch etwas schwerfällig-akademisch. Konzertmeister János Rolla mühte sich zwar vom ersten Pult aus, das von Franz Erkel gegründete Opernorchester (ähnlich wie in Wien gleichzeitig die Philharmonische Gesellschaft) in Schwung zu bringen, was ihm dann auch im Allegro assai-Finale der Sinfonie dieses damals 24jährigen Komponisten endlich gelang.

Im D-Dur Violinkonzert (KV 272/a) riss die erst 19jährige Geigerin Júlia Pusker – ein Name, den man sich merken sollte – nicht nur das Orchester, sondern auch das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin. Technisch sauber, mit einer eleganten und dennoch nicht zaghaften Tongebung überzeugte sie insbesondere im dritten Satz. Die außerordentlich begabte Pusker kann noch auf keine all zulange künstlerische Karriere zurückblicken, aber sie dürfte eine große vor sich haben.

Quasi zum Mitsingen der bekannten Sequenzen intonierte nach der Pause der inzwischen temperamentvoll aufspielende Klangkörper Wolfgang Amadeus Mozarts g-moll Sinfonie (KV 550), die so genannte „große“ g-moll. Und dass hier etwas musikalisch Großartiges geschieht, davon konnte man sich am vergangenen Montag in diesem Staatsopernkonzert überzeugen. János Rolla gelang es, sehr differenziert, dramatisch und gefühlvoll mit dem immer besser werdenden Orchester zu musizieren. Neben bekannten Melodien zum Mitpfeifen, überrascht immer wieder die Nähe zum Orchesterklang eines „Don Giovanni“. Sowohl die Leichtigkeit als auch die Dramatik klingen hier in verkürzter, aber um so prägnanter Weise aus der ein Jahr zuvor in Prag uraufgeführten Oper nach. Neben einem satten Streicherklang überzeugten die wenigen Bläser, die zusammengeschrumpft auf ein Quintett (nur Fagott und Horn sind doppelt besetzt) allesamt ihre teilweise solistischen Aufgaben ausgezeichnet darboten.

Das Publikum war derart begeistert, dass man das Menuett aus dem 3. Satz wiederholen musste. Ein toller Erfolg für einen Klangkörper, den man sonst fast nur als Begleitorchester für das Bühnengeschehen aus der „Wanne“ kennt. Und zu dem noch ein viel beschäftigtes Orchester. Einen Tag später hatte es dann in großer Besetzung fast vier Stunden den „Rosenkavalier“ zu begleiten. Darunter mit wundervollen Geigensoli, die vom Konzertmeister János Rolla meisterlich interpretiert wurden.

g.b.s.
 

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