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(c) Pester Lloyd / 17 - 2010  KULTUR 30.04.2010

 

Beseelte Ewigkeit

Anima Eterna aus Belgien gastierte mit Mozart im Palast der Künste in Budapest

Am vergangenen Dienstag fand wieder einer jener Abende im Palast der Künste (MÜPA) statt, die das Publikum im ausverkauften Haus faszinierte und an dem es jeder gespielten Note mit gebannter Aufmerksamkeit nachhing. Die Voraussetzung war die Interpretation von Mozarts G-moll und Jupiter-Sinfonie sowie dem Klavierkonzert KV 271 durch das Ensemble Anima Eterna aus dem belgischen Bruegge unter seinem Dirigenten Jos van Immerseel, mit dem wir vor dem Konzert ein Gespräch führten.

Das inzwischen zahlenmäßig gewachsene Kammerorchester hat sich 1987 gegründet, um in verschiedenen Zusammensetzungen dem Anspruch originaler Aufführungspraxis nahe zu kommen. Letzteres gelang um so besser, weil der Dirigent und Gründer vorher bereits mit dem Ensemble Collegium Musicum Erfahrungen bei der Interpretation von Renaissance- und Barockmusik sammeln konnte und er selbst als namhafter Solist an Klavier, Orgel und Cembalo Preiseträger in wichtigen Wettbewerben war und nunmehr das Kammerorchester Anima Eterna auch den reichen historischen Instrumentenschatz des Vleeshuis-Museums in Antwerpen nutzen kann.

Auf dem Programm im großen Bartók-Saal des MUPA stand dreimal Mozart. Fast auf den Tag genau wurde das Haus vor fünf Jahren im Mozartjahr mit Werken des Meisters eröffnet. Diesmal erklangen die beiden letzten Sinfonien Mozarts von 1788, drei Jahre vor seinem Tod komponiert. Jene „Große g-moll-Sinfonie” mit ihrer beeindruckenden und bekannten Melodik und den dramatischen Kontrasten. Danach die nach „Jupiter” benannte in C-Dur, einer der Höhepunkte seines genialischen Schaffens.

Vom Dirigenten wurden die Werke mit sehr konzentrierten und präzisen Fingerzeigen dirigiert. Es gelang die arteigene Mischung und Verbindung herzustellen zwischen größter Aufmerksamkeit und Spielfreude der Stimmgruppen. Besonders mit den schwierig zu blasenden historischen ventillosen Hörnern und Posaunen, den alten Holzblasinstrumenten und den sehr unterschiedlich klingenenden Streichinstrumenten kommt eine Art Individualeffekt zustande, der vielleicht jenen Anklang an Originalität der Mozartzeit in dieser Interpretation erzeugte.

Das hatte hier ganz und gar nichts zu tun mit leider oft zu hörender manirierter Spielweise, wenn es um historische Aufführungspraxis geht. Der Dirigent spürte mit Lust der reichen Mozartschen „Disonantik” nach, die der Interpretation die Differenzierung und innewohnende Dramatik verlieh. Nach der Pause folgte Mozarts letztes Klavierkonzert aus seiner Salzburger Zeit, seinerzeit geschrieben für die französische Pianistin Louise Victoire Jenamy (1749-1812) und bis 2004 fälschlich als „Jeunehomme” bezeichnetes Konzert, KV 271. Jos van Immerseel spielte den Solopart, der eigentlich wie ein privilegiertes Orchesterinstrument komponiert wurde, auf seinem eigenen Hammerklavier.

Der solistische Ausdruck im Zusammenklang mit dem wunderbaren Orchester erzeugte eine selten vernommene Innigkeit und Präzision, ja Eleganz. Immerseels genußvoll zelebrierte Verzögerungen oder Verlangsamung von Passagen, gab Mozart die Schönheit der oft volksliedhaften Motive zurück, die häufig zu tändelnder, deshalb zu leicht dahin gespielter Interpretation verführen. Das Hammerklavier entfaltete unter dem Pianisten Immerseel kraftvolle Zartheit und sorgte für entschiedenen Nachdruck der Komposition Mozarts, die durch das Spiel und nicht die Lautstärke des Instruments hervorgerufen wird.

Mozarts Werk merkte man dessen Animiertheit, die Hingabe für eine begabte Kollegin zu schreiben, genau so an wie er die großen letzten Sinfonien für Salieris Akademien oder die Bläserpassagen für den berühmten Stadler adressierte. Besonders sei der Flötist und die Bläsergruppe insgesamt genannt, die dem Abend -neben dem ausgezeichnet spielendem Streicherensemble - den unüberhörbar Charakter gaben und dem Klangkörper den verdienten Namen Anima Eterna.

Vor dem Konzert hatte der Pester Lloyd Gelegenheit, mit Prof. Jos van Immerseel zu sprechen, der gerade aus Szombathely, einer Station auf der umfangreichen Tornée von Anima Eterna, kam:

Was hat Sie inspiriert, 1987 dieses Ensemble zu gründen? Gab es einen Mangel an historischer Aufführungspraxis?

Ich habe zunächst Klavier studiert, dann Orgel und später Cembalo, was wirklich noch einmal etwas Anderes war, dazu Orchesterleitung bei ziemlich strengen Lehrern. Durch meine eigene Lehrtätigkeit und die Beziehungen zum nahen Museum für historische Instrumente in Antwerpen entstand das Bedürfnis, Musik zu gestalten, die die einzelnen Stimmen im Klang ihrer Enstehungszeit wieder hörbar werden lässt. Das gelingt am besten, wenn nur so viele Musiker wie nötig und nicht, wie in den aufgeblähten Großorchestern der 60er Jahre, Klänge erzeugt werden, bei denen die Violinisten die Bläser nicht mehr hören können.

Ist das Minimalismus?

Nein, für Mozart oder auch für die Barockmusik braucht man zwischen zwei bis maximal acht Geigen, und auch die großen Komponisten wie Brahms oder Mahler, sind für ihre Orchester wieder zurück gegangen auf 40-60 Musiker. Unsere Absicht war es, mit diesen wunderbaren alten Instrumenten die gesamte Literatur zu spielen: Renaissance, Barock, - von Mozart haben wir alle Klavierkonzerte aufgenommen - dann Beethoven, aber auch die Romantik bis zu Ravel und Debussy und Liszt. Wissen Sie, wir leben in einer demokratischen Zeit und da soll man die Musiker als Solisten wahrnehmen. Dazu entwickelt man eine besondere Liebe zu den historischen Instrumenten. Ich besitze inszwischen eine Reihe hervorragender Cembali und Hammerklaviere. Das Instrument, auf dem ich heute spiele, ist ein Nachbau aus der frühen Beethovenzeit.

Welche Beziehung haben Sie zur ungarischen Musik?

Während meines Studiums habe ich Bartók-Klaviermusik erarbeitet, später mit dem neu gegründeten, hervorragenden Festivalorchester unter Iván Fischer konzertiert, in Sopron Meisterkurse für Klavier und Cembalo gegeben und nun freuen wir uns, Ungarn in der Tournée zu haben. Übrigens sind wir ein international aufgestelltes Ensemble und haben fünf Ungarn im Orchester und im Antverpener Konservatorium hatte ich im Laufe der Zeit viele Studenten aus Ungarn.

Eveline Figura

Wer das Orchester „Anima Eterna“ in Deutschland erleben will, hat dazu am 24. Mai 2010 in Regensburg Gelegenheit.

www.animaeterna.be
www.mupa.hu
 

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