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(c) Pester Lloyd / 17 - 2010 WIRTSCHAFT 30.04.2010
Der Strippenzieher
Bankchef Csányi zu Politik, Wirtschaft und Fußball
Mit dem Machtwechsel in Ungarn hat er keine Probleme, mit Machtwechseln hatte Sándor Csányi, OTP-Chef und Großindustrieller, offenbar noch nie ein Problem.
Denn er ist selbst eine Macht. Für Fidesz sieht er eine "historische Chance" gekommen und äußert sich zur Arbeitsmarkt- und Steuerpolitik. Mit seiner Bank
will er in Osteuropa auf Einkaufstour gehen, die Zahl der Schweineschlachtungen will er verdoppeln und zu guter Letzt hat er sich selbst zum Präsidenten des Ungarischen Fußballverbandes erkoren.
Sándor Csányi ist ein Multiplayer. Er ist Chef und Miteigner der größten
Bank des Landes, der OTP (Sparkasse) und mischt - sozusagen im Nebenerwerb - als regelrechter Tycoon im ungarischen Lebensmittelgeschäft mit. Er erwarb die Traditions-Salamimarken Pick
und Herz, stellt Joghurt und Pudding unter Mizo her, sicherte sich den quarkigen Kultriegel "Túró Rúdi", Ungarns stärkste Marke und leistet sich ein Weingut, dass den Namen
der berühmten Grafenfamilie Teleki trägt.
Mit seiner Bank möchte er sich "aktiv
an der Konsolodierung im mittelosteuropäischen Bankenwesen" beteiligen, zu Deutsch: er will zukaufen. Vor allem Länder, in denen noch großes Entwicklungspotential auszumachen
sei, stehen auf der Wunschliste von Csányi, u.a. Rumänien (siehe unsere gestrige Meldung), Kroatien, Serbien, aber auch die Slwoakei sowie "ein anderes Land", dass er aber noch nicht
benennen wollte. In einem Interview mit der Tageszeitung Népszabadság betonte er die finanziell stabile Lage seiner Bank und dass er die neuen Bedingungen nach Basel III im
Laufe des Jahres locker erreichen kann (es geht vor allem um die Kapitalausstattung und das Risikomanagement im Kreditbereich).
Kurzfristige Defiziterhöhung für mittelfristige Erfolge sind in Ordnung
Die Machtübernahme durch die nationalkonservative Partei Fidesz begrüßte Csányi
ausdrücklich, sei es doch nun möglich, "die notwendigen Reformen im Bereich der lokalen Verwaltungen und im Gesundheitswesen" umzusetzen. Seiner Meinung nach,
gibt es in Ungarn zu viele Krankenhäuser und vor allem viel zu viele eigenverantwortliche Gemeinden (über 3.000). Fidesz habe nun die "historische
Chance" Entscheidungen in Dimensionen zu treffen, wie noch nie eine Partei zuvor. Auch die Märkte hätten die Wahlentscheidung der Ungarn entsprechend goutiert. (in
Wirklichkeit macht der Forint seit Tagen eine lustige Zick-Zack-Fahrt, Anm.). Es sei zwar möglich, "dass Fidesz Schritte unternimmt, die zu einem höheren Haushaltsdefizit
führen", doch, so Csányi, könne man dies Investoren gut erklären, weil sie mittelfristige abrechenbare Ergebnisse erbringen.
Generalüberholung des Steuersystem notwendig
Als "tragisch" kennzeichnete der Bankenchef und Großindustrielle die "extrem hohe
Arbeitslosigkeit", an der vor allem die hohen Nebenkosten Schuild seien und sagte, dass eine Knappheit an qualifizerten Arbeitskräften der größte Hemmschuh für Wachstum
sein würde. Seine Forderungen für das Steuersystem decken sich mit den Vorstellungen der kommenden Regierung. "Das Steuerregime muss dringend generalüberholt werden.
Ausnahmen müssen gestrichen, die Steuerbasis erweitert und Steuersätze wie Abgaben müssen insgesamt gesenkt werden." Dass Csányi eher ein Anhänger des konservativen
Lagers ist, obwohl er das im Wahlkampf ständig vom Fidesz propagierte Feindbild vom "Oligarchen" wie kein Zweiter verkörpert, ist eines der vielen Paradoxi ungarischer
Gesellschaftsarchitektur. Auch hinderte ihn sein konservatives Grundrauschen nicht daran, auch unter den "Sozialisten" seine Strippen zu ziehen wie es ihm beliebte.
Befragt nach seinen Nebentätigkeiten, u.a. seiner Beteiligung an Ungarns größtem
Fleischverarbeiter Pick in Szeged, sagte Csányi, dass er die Schlachtkapazitäten dort gerne bald von derzeit einer halben auf eine Million Schweine pro Jahr verdoppeln will
und er dazu eine Investition in eine neue Anlage plane, "wenn es dazu eine ausreichende EU-Förderung" gibt.
Bereits gestern kolportierte ein anderes Medium, dass Csányi gern Präsident des
Ungarischen Fußballverbandes werden möchte. Er warte, so das Gerücht, lediglich auf die entsprechende Einladung seitens des Verbandes, die er dann anzunehmen gedenke.
Die Generalsversammlung des Fußballverbandes ist für Ende Mai geplant.
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