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(c) Pester Lloyd / 17 - 2010  BUDAPEST 28.04.2010

 

Nostalgieschwelle

MÁV Nosztalgia - Zu Besuch im Bahnhistorischen Park von Budapest

Zugegeben, schon eine Überlandfahrt mit den regulären Zügen der ungarischen MÁV versprüht mitunter nostalgischen Charme. Wer jedoch die wirklich alten Exemplare bestaunen möchte, kommt um einen Besuch im Bahnhistorischen Park Budapest nicht herum. Der nach eigenen Angaben größte Eisenbahn Skansen Europas lockt auf 70000 m² Parkfläche mit über 100 historischen Schienenfahrzeugen aller Art.

Der im Jahr 2000 gegründete Park befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Bahnbetriebswerks des Budapester Westbahnhofs und liegt daher etwas Abseits der touristisch stark frequentierten Zentren der Innenstadt. Das mag einer der Gründe sein, warum  selbst an diesem wunderschönen sonnigen Samstag Nachmittag nur eine überschaubare Zahl von Besuchern den Weg in den „Vasúttörténeti Park“ gefunden hat. Überwiegend junge Familien sind gekommen, um eine Zeitreise in die Geschichte der Eisenbahn zu unternehmen.

Historisches zum staunen...

Das Herzstück des Parks bildet ein 1911 erbauter Rundlokschuppen mit Lokdrehscheibe, welcher die besonderen Exemplare der hier ausgestellten Eisenbahngeschichte beherbergt. Von der ältesten Dampflokomotive Ungarns aus dem Jahr 1870, bis hin zu verschiedensten, zum Teil aus Wien oder Berlin stammenden Dieselloks und Schienenautos, lässt sich die  Entwicklung der frühen Eisenbahntechnik nachvollziehen.

Verglichen mit heutigen Zügen, strahlen diese schwarzen Ungetüme eine ganz eigene Erhabenheit aus. Fast schon andächtig bestaunt man daher die aus unzähligen Kolben, Druckventilen und Gewinden bestehenden ehemaligen Wunder der Technik. Kleine Schrifttafeln geben dabei jeweils Auskunft über die wichtigsten technischen Daten wie Höchstgeschwindigkeit, Gewicht und Dampfdruck. Bei vielen Exponaten handelt es sich  sogar um noch verkehrstüchtige Lokomotiven, mit denen die MÁV Nosztalgia GmbH regelmäßig Nostalgiefahrten quer durch Ungarn organisiert.

Wer jedoch, neugierig geworden, mehr über die Hintergründe der Ausstellungsstücke erfahren möchte, wird enttäuscht. Die erklärenden Texte erschließen sich leider nur demjenigen, der des Ungarischen mächtig ist. Hier verspielt der Bahnhistorische Park durchaus Potential, denn unweigerlich möchte man mehr über die Geschichte der  teilweise mehr als 130 Jahre alten Lokomotiven erfahren. Das ist bedauerlich, zumal sowohl die Homepage des Parks als auch sämtliche Überschriften an den Ausstellungsstücken  in Deutsch und Englisch vorhanden sind.

Der hintere Teil des Parks ist den nachfolgenden Eisenbahngenerationen gewidmet. Hier findet sich, neben begehbaren historischen Passagierwagen, eine Vielzahl von speziellen Schienenfahrzeugen wie Dampfkräne und Schneepflüge.

...und zum selber ausprobieren

Großen Wert legt man im Bahnhistorischen Park offenbar auf Interaktivität, denn teilweise lassen sich die Fahrzeuge auch selber ausprobieren. Ob Schienenfahrrad, Draisine oder Lok-Simulator, besonders für Kinder bietet sich hier eine willkommene Abwechslung. Dass dabei für jede Benutzung Beträge zwischen 300 und 800 Forint fällig werden, lässt sich verschmerzen da der Parkeintritt für Kinder bei recht günstigen 400 Forint liegt.

Da sich der Bahnhistorische Park auf ehemals regulär genutztem Bahngelände befindet, besitzt das Areal durch die Schienenstränge und den schotterbedeckten Boden  viel typischen Bahnhofs-Charme. Teilweise sind die historischen Lokomotiven und Wagons deshalb allerdings nur über unebenes Gelände zu erreichen. Mit Kinderwagen oder Rollstuhl wird die genaue Betrachtung einzelner Exponate somit eventuell zu einem schwierigen Unterfangen.

Loks und Wagons zwischen Flieder und Tulpen

Daneben ist jedoch zu spüren, dass bei der Neugestaltung des Geländes viel Wert auf Begrünung gelegt wurde. Liebevolle Bepflanzungen und ein großer Spielplatz für Kinder laden zum längeren Verweilen ein und schaffen in Verbindung mit den überall parkenden Zeugen der Eisenbahngeschichte eine einzigartige Atmosphäre.

Zusammenfassend gestaltet sich der Besuch im Bahnhistorischen Park von Budapest daher durchaus als ein empfehlenswertes Vergnügen. Auch ohne ausgeprägte Eisenbahnaffinität kann man hier seine Freude haben und ganz ungezwungen zwischen den  Loks und Wagons umher spazieren. Näher kommt man diesen historischen Riesen aus Metall vermutlich selten.

Der technisch interessierte, nicht ungarisch sprachige Besucher vermisst jedoch unter Umständen genauere Hintergrundinformationen  zu den einzelnen Loks und Wagons. Ebenfalls wünschenswert wäre eine Aktualisierung der deutschen und englischen Version der Internetseite des Parks. Die dort angegebenen Preise sind nicht mehr aktuell und haben sich jeweils um 100 bis 200 Forint erhöht.

Gregor Schemmel

www.mavnosztalgia.hu
Bahnhistorischer Park Budapest
H-1142 Budapest, Tatai út 95.
Tel.: (+36 1) 238-0558, 238-0658
Fax: (+36 1) 238-0559
 

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