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(c) Pester Lloyd / 18 - 2010 KULTUR 08.05.2010
Antike Dame im Pool
Eine grandiose Elektra in herausfordernder Regie in Budapest
War die Premiere der Strauss-Oper vor zwei Jahren schon ein riesiger sängerischer, aber insbesondere musiktheatralischer Erfolg für das Budapester
Opernhaus, so konnte die Elektra-Aufführung am vergangenen Mittwoch diesen Eindruck noch weiter verstärken.Anlässlich des Maifestes der Oper sang die Dänin Eva Johansson die Titelpartie.
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Eine Elektra, für die sie bereits bei ihrem Debüt in Zürich Beifallsstürme erntete. Mit
der Johansson haben wir eine ausgereifte Wagner-Sängerin gehört (u.a. Senta, Elsa, Freya, Siglinde, Isolde, Elisabeth), die an keiner Stelle dieser schwierigen und
exponierten Partie auch nur die geringste Schwäche zeigte. Ihren hochdramatischen Sopran wusste sie über die zwei Stunden Bühnenpräsenz sehr ökonomisch einzusetzen.
Zartester Wohlklang wechselte gekonnt mit aggressiven Passagen. Noch hörbares Pianissimo schwang sich über ein atemreiches Crescendo zu einer stimmlichen Explosion
auf. Immer dann, wenn man meinte, sie habe ihre stimmlichen Grenzen erreicht, setzte die Dänin noch einen unglaublichen Höhepunkt.
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Aber sie überzeugte nicht nur mit ihrer Stimme, sondern auch durch ein
ausdrucksstarkes Spiel. Eine besondere Leistung schon deshalb, weil die Regie die antike Dame die gesamte Zeit in einem leeren Schwimmbecken zwischen
Zementsäcken, einem Baum, einem Beil und einem Hochzeitskleid agieren lässt. Bei allem modernen Rationalismus handelt es sich jedoch insgesamt um eine sehr gescheite
Regie, die sich Balázs Kovalik hat einfallen lassen. Die beiden Aktionsflächen machen das Oben und Unten deutlich und geben der Hauptrolle enorme Möglichkeiten einer
dramatischen Entwicklung auf genau diesem Weg.
Neben der grandiosen Gesamtleistung von Eva Johansson ist
die hervorragend gesungene und gestaltete Chrysthemis der Éva Bártori unbedingt zu erwähnen. Hatten wir sie neulich als überzeugende Marschallin
im „Rosenkavalier“ erlebt, so konnte sie hier ihren Sopran in noch dramatischere Höhen jagen. Zurecht wurde die Bártori mit vielen Bravo-Rufen bedacht, die nur noch
von denen für die Johansson überboten wurden. Ebenso durften sich Annamária Kovács (Klytaemnestra) und Béla Perencz (Orest) über lautstarke Zustimmung aus dem
Publikum freuen. Beide tiefe Stimmen spielten und sangen souverän ihre Partien und waren so ebenbürtige Partner für die überragende Dänin.
Eine ganz hervorragende Leistung vollbrachte auch diesmal wieder das gewaltige
Strauss-Orchester (Orchester der Staatsoper) unter der präzisen und vollblütigen Leitung von János Kovács. Es ist nicht hoch genug einzuschätzen, welche Knochenarbeit
hier sowohl von den Musikern und erst recht von Dirigenten abverlangt wird. Kovács gelang es, sowohl feinnervig als auch stürmisch, das Geschehen auf der Bühne nicht nur
schlechthin zu begleiten, sondern zur Einheit von Musik und Bühnengeschehen wesentlich beizutragen. Und noch etwas ist uns positiv aufgefallen: Nicht nur die
deutsche Sprache der Eva Johansson kam gut artikuliert über die Rampe, auch bei den anderen Protagonisten war eine sprachliche Qualifizierung in Richtung
Konsonantenverstärkung zu bemerken, was ein zusätzliche Bravo für diese grandiose Elektra verdient hat.
g.b.s.
Weitere Vorstellungen, siehe www.opera.hu
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