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(c) Pester Lloyd / 18 - 2010  KULTUR 05.05.2010

 

Beim Ohr des Hermes

Nichts für schwache Nerven: Musik als multimedialer Inspirator - Ausstellung in Budapest

Die noch bis zum 30.Mai geöffnete Ausstellung „Hermész Füle“ thematisiert die Visualisierung akustischer Signale und den Prozess des Hörens in verschiedenen Medien. Dass die Ausstellung trotz des musikalischen Themas stellenweise nichts für Zartbesaitete ist, zeigte ein Besuch in der Piros Fekete Galerie des Millénaris Parks.

Ein lautes Fiepen und Pfeifen begrüßt den Besucher beim Eintritt in die rot-schwarze, in warmes Licht getauchte Galerie. Die Quelle der akustischen Beschallung ist schnell ausgemacht. Eine Installation aus Sonnenkollektoren und Miniaturlautsprechern des Niederländers Paul Panhuysen stimmt mit einem kleinen Willkommenskonzert auf die folgende halbe Stunde ein, welche ganz dem menschlichen Ohr und seinem Wahrnehmungshorizont gewidmet ist.  23 internationale Künstler stellen hier ihre Werke aus und nähern sich dem Thema auf unterschiedlichste Weise.  So wird aus einem Pilzgericht in der Assoziation des Betrachters ein Teller voller Ohren, während auf einem anderen Kunstwerk, in Form einer Art pseudowissenschaftlicher Kollage, die Hörorgane berühmter Komponisten mit denen gewöhnlicher Menschen verglichen werden.

Nichts für schwache Nerven

Vermeintliches Highlight der Ausstellung ist die Videoaufzeichnung eines Selbstversuchs des australischen Performance Künstlers Stelarc. Das Video zeigt wie dieser sich ein künstliches Ohr in den Arm implantieren lässt, welches über ein Mikrofon mit dem Internet kommunizieren kann. Ist das noch unter Kunst zu verbuchen oder lediglich geschmacklose Effekthascherei? Das wird jeder Besucher individuell für sich entscheiden. Zumindest hinterlassen die Bilder einen bleibenden Eindruck bei denen, die sich nicht dafür entscheiden mit gesenktem Blick zum nächsten Exponat überzugehen.

Ein weiterer Teil der Ausstellung besteht aus ebenfalls recht ungewöhnlichen Leihgaben des slowakischen Rosenbergmuseums, welches einer gleichnamigen, wohlgemerkt fiktiven Streicherdynastie  gewidmet ist und sich passender Weise in einem kleinen Dörfchen namens Violín befindet. Die Palette reicht hier von einer doppelhalsigen Violine für Siamesische Zwillinge bis hin zum 16-Saiter für besonders virtuose Spieler. Auch ein Modell mit Flügeln darf selbstverständlich nicht fehlen und reiht sich nahtlos in die Reihe der anderen Kuriositäten ein.

Ideenvielfalt trifft gemalte Akustik

Der besondere Reiz dieses Sammelsuriums  an teilweise recht ausgefallenen Ideen besteht in der unterschiedlichen Herangehensweise der Künstler an das Thema der visuellen Darstellung von Musik. Die Grundidee hinter jedem Werk ist klar, lässt darüber hinaus jedoch viel Assoziationsspielraum für eigene Gedanken und Interpretationen des Betrachters.

Dass die Werke den subjektiven Kunstgenuss dabei ganz unterschiedlich stark bereichern, liegt sicherlich an den verschiedenen Stilen und Umsetzungsformen welche in die Ausstellung eingeflossen sind. Gerade diese künstlerische Bandbreite macht einen Besuch der kleinen Ausstellung für Interessierte jedoch empfehlenswert.

Gregor Schemmel

Öffnungszeiten: noch bis zum 30. Mai, Mi bis So 1-19 Uhr
Ort: Piros Fekete Galerie im Teátrum des
Millenáris Parks.
Der Eintritt ist frei

 

 

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