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(c) Pester Lloyd / 18 - 2010 KULTUR 05.05.2010
Keine Gnade für Titus
Mozarts "La Clemenza di Tito" beim Maifest der Oper in Budapest
Für die Titelrolle einer der letzten Opern Mozarts hatte man in Budapest einen Landsmann des Komponisten verpflichtet: der sonst so gefeierte Tenor Herbert
Lippert aus Wien überzeugte diesmal aber nicht und handelte sich sogar Buh-Rufe – eine Rarität hierzulande - ein. Dafür wurde Ruxandara Donose aus Rumänien als Sextus stürmisch gefeiert.
Es ist eine sehr gute Idee von der Budapester
Staatsoper, die Repertoire-Opern im Rahmen des Maifestes mit internationalen Gästen zu garnieren. Bei den meisten Vorstellungen handelte es sich dabei auch um eine wirkliche künstlerische Bereicherung
und eine Aufwertung des 125jährigen Hauses an der Andrássy-Straße. Was wir allerdings am Sonntag teilweise im „Titus“ erleben mussten, gehört nicht in
diese Erfolgsserie der letzten fünf Musiktheater-Jahre dieses Hauses.
Vermutlich kam die Oper am 6. September 1791 im
Prager Ständetheater moderner auf die Bühne als das, was wir in der verstaubten Inszenierung von Daisy Boschán über uns ergehen lassen mussten: Ein phantasieloses Bühnenbild, eine verkrampfte
Lichtregie, keine musik-theatralischen Regungen auf den Brettern, dafür statuarisches Gehabe bei Chor und Solisten, schwerfällige Bewegungsabläufe nach dem Prinzip „bildet schöne Gruppen“ - also purer
Rampengesang, der nicht etwa als besonderer zeitbezogener Regieeinfall daher kam, sondern als inszenatorische Unfähigkeit.
Bleibt also nur, sich auf die Stimmen zu konzentrieren: Allen voran und zurecht mit viel
Bravos bedacht die Mezzosopranistin Ruxandra Donose aus Bukarest, die mit ihrer samtig-warmen aber auch in der Höhe strahlenden Stimme bereits eine internationale
Karriere in Angriff genommen hat, die ihren Ausgangspunkt an der Wiener Volksoper hatte. Ihr Sextus bildete nicht nur gesanglich eine positive Ausnahme (hervorragend im
Duett mit der schönen, geschmeidigen Stimme von Éva Várhelyi als Annius), sondern auch in der Darstellung der Figur. Gleich gefolgt von der Italienerin Eva Mei, die mit
ihrem Sopran eine elegant singende und mit sparsamen, aber durchaus dramatischen Bewegungen ausgestattete Vitellia gab.
Es handelte sich allerdings nur um einen Achtungserfolg, zumal die Erwartungen an die
Stimme, die in den wichtigsten Opernhäusern der Welt zu Hause ist, größer war, als die Versprechungen gehalten wurden. Insbesondere in den hochdramatischen Passagen
hatte sie mitunter Mühe, dem Orchester stimmlich überlegen zu sein, was nicht an der ausgezeichneten Leitung des Staatsopernorchesters durch Ádám Fischer lag. Das
weibliche Solisten-Ensemble dieses Hauses verfügt über Sopranistinnen, die es mit der Stimme der Mei – auch in dieser Partie – durchaus aufnehmen können.
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Gleiches trifft auch auf die Titelpartie zu: Mindestens zwei ungarische Tenöre der
Staatsoper wären in der Lage, der Partie des Titus Stimme und Gestalt zu verleihen, die eine Besetzung mit dem Gast aus Wien (auch aus ökonomischer Sicht) überflüssig
gemacht hätte. Wer nach der ersten Arie im 1. Akt sich ohne Applaus von der Bühne schleichen muss und nach der zweiten Arie mit ein paar mitleidigen Klatschern sowie
am Ende sogar mit einigen Buh-Rufen bedacht wird, der hat möglicherweise seinen einst strahlenden tenoralen Zenit überschritten. Herbert Lippert, (Foto oben, Mitte)
singt mittlerweile mit drei in sich gebrochenen Registern, deren Knackpunkte selbst der ungeschulte Hörer vernehmen kann. Die Secco-Recitative weisen Brüche zwischen voller
Tongebung und Sprechgesang auf, Mordente – jene musikalischen Zuckergüsse – werden unsauber geboten, die einst stabile Höhe wirkt mitunter angeschlagen, überfordert –
abgesungen. Ähnlich angegriffen wirkt auch die Bass-Stimme von Tamás Szüle, die besonders vom C aufwärts hohl und roh klingt. Hier kann es eventuell durch eine
gezielte Stimmbildung zu mehr Eleganz in der Tongebung führen.
Gänzlich unmöglich ist allerdings der „Regieeinfall“, einen alternden Mimen (András
Bálint) mit mangelnder Sprecherziehung in ein Toga zu kleiden und als römischen Geschichtenschreiber (A történetíró – laut Programmzettel) dem Publikum in
ungarischer Sprache von Zeit zu Zeit die Handlung erklären zu lassen. Und damit auch die Ausländer in diesen überflüssigen „Genuss“ kommen, erscheinen am oberen
Bühnenrand (dort, wo das Titus-Italienisch in ein András Kürthy-Ungarisch eingeblendet wird) die Worte der Figur, die weder von Mozart noch von seinem Librettisten
vorgesehen war, dann auch noch in englischer Sprache! Das schaut zwar alles irgendwie nach Internationalität aus, diese einfallslose Titus-Inszenierung bleibt aber weit hinter
dem eingeschlagenen produktiven Weg der Staatsoper zu einem europäischen Musik-Theater und gegenüber den hervorragenden anderen Produktionen mit Weltstars anlässlich des Maifestes der Oper zurück.
g.b.s.
Nächste Vorstellungen: 14. und 16. Mai 2010
www.opera.hu
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Fotos: Ungarische Staatsoper
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