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(c) Pester Lloyd / 18 - 2010  KULTUR 08.05.2010

 

Der Pseudoosten

Die CEE-Kunstmesse Viennafair in Wien

114 nationale und internationale Galerien, darunter 33 aus dem östlichen Mitteleuropa sowie ein Rahmenprogramm aus Diskussionen, Performances, Vernissagen und Preisverleihungen umfassten die diesjährige Viennafair, eine Kunstmesse, die sich vor allem den zeitgenössischen Galerien aus osteuropäischen Ländern widmen wollte. Doch die zeitgenössische Kunst in Osteuropa ist weit von dem merkantil-imperialen Gehabe der Wiener entfernt.

Die Viennafair fand vom 6. bis 9. Mai in der Halle A der Messe Wien statt. Dass von 126 Ausstellern, trotz des betonen CEE-Schwerpunktes nur 33 aus der Zielregion angereist sind (was gleichwohl ein neuer Höchststand der noch relativ jungen Veranstlatung ist), zeigt wie schwierig es ist, Kontakte und praktische Zusammenarbeit zwischen den etablierten Kunstmärkten im Westen und den entstehenden Märkten im Osten zu entwickeln. Der Osten macht die Kunst, der Westen will sie vermarkten, doch die echte Szene versperrt sich dankbarerweise diesem Mechanismus.

 

Ein Förderprogramm der Erste Bank machte es einigen Galerien überhaupt erst möglich, die Kosten für eine Messeteilnahme zu stämmen. Man stelle sich nur vor, wie es ohne dieses Sponsoring aussähe. Noch dazu sind einige der Teilnehmer aus Ableger westlicher Mutterhäuser (z.B. polnische Filialen Berliner Galerien, bzw. mittlerweile sogar umgekehrt), die Protagonisten anderer Teilnehmer haben schon seit längerem ein Standbein in Wiener Häusern, so dass keine große Logistik für die Anreise zur Viennafair notwendig wurde.

Ziel der Messe war es vor allem, als Kontaktbörse für den CEE-Kunstmarkt für Zeitgenössisches zu dienen, der, so sehr man sich auch anstrengt, ein heterogener bleiben wird, was gut für die Vielfalt der Kunst, schwierig für die Schaffung von "Vermarktungskanälen" und anderem Messezweck ist.

Die Entstehung bezahlbarer und deshalb lebendiger Galerienviertel in einer multikulturell offenen Gesellschaft - siehe London, Berlin, Barcelona oder Prag - ermöglicht da ein durchaus natürlicheres Wachstum, auch ohne das Geld von Banken, als die Abgeschiedenheit einer Messehalle in Wien, das zwar immer laut vorgibt, der Nabel des “nahen” Ostens zu sein, über dessen imperial-museales Gehabe und die xenophobe Manipulation seiner Einwohner die Zeit und die Kunst längst hinweggeschritten sind, auch wenn das die Veranstalter naturgemäß völlig anders darstellen müssen. Auch der anachronistische Superlativismus ihrer Selbstdarstellung ist Teil dieses Problems. Man schuf sich einen Osten als Wille und Vorstellung, den es so gar nicht gibt. Wien ist vielleicht ein Markt, die Kunst aber ist ganz woanders, wofür die Viennafair ein glänzendes Beispiel überdrehter Provinzialität abgab, weil sie mehr vorgibt zu sein als sie überhaupt sein kann.

www.viennafair.at

ms.
 

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