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(c) Pester Lloyd / 19 - 2010  KULTUR 14.05.2010

 

Schauerorgie in Schwarz-Gold

„Don Carlos“ mit italienischen Gästen als erfolgreicher Abschluss des Maifestes der Oper Budapest

Norma Fantini, die derzeit an der Münchner Staatsoper engagiert ist und an fast allen Opernhäusern der Welt die großen Sopranpartien singt, gab am vergangenen Dienstag im Budapester Opernhaus die Königin Elisabeth in Verdis „Don Carlos“. Vermutlich war dies der künstlerische Höhepunkt des mit internationalen Gästen bestückten und sehr erfolgreichen Maifestes der Oper.

Eine derart differenzierte Stimmbehandlung bekommt man selten zu hören. Fantinis Elisabeth überzeugte sowohl in den leisen, fast gehauchten Tönen, ebenso wie in ihrer enormen, hochdramatischen Kraftentfaltung. Sie war somit eine ebenbürtige Partnerin zum Tenor Attila Fekete in der Titelrolle. Dessen strahlender Tenor zwar alle Höhen problemlos und wohlklingend meisterte, jedoch in manchen Passagen (z.B. Duett Posa-Carlos, 1. Akt) für zu leicht befunden wurde. Ein ausgezeichneter Lenski muss in dieser Partie des spanischen Infanten nicht in gleicher Weise überzeugen. Überzeugt hat dagegen wiederholt Bernadette Wiedemann, die als Eboli stimmlich und darstellerisch eine ausgezeichnete Figur machte.

 

Als Marquis Posa hörten wir Mihály Kálmándi mit einem ausgewogenen Bariton sowohl in der Mittellage als auch in der Tiefe. In der Höhe allerdings scheint er das gleiche Problem zu haben, wie es immer wieder von vielen tiefen Männerstimmen (außer Fokanow, der hat offenbar eine andere Gesangsschule durchlaufen) am Budapester Opernhaus vernommen wird: Die Stimme von Kálmándi klingt ab C aufwärts zu roh, teilweise hohl und damit glanzlos. Auch eine Bass- oder Baritonstimme kann in der Höhe metallen strahlen, wenn man dafür nicht die gleich Registertechnik anwendet, die für die tiefen Töne gebraucht wird.

Dass es auch etwas anders geht, konnte an der Stimme des umjubelten König Philipp vom 61-jährigen Italiener Ferruccio Furlanetto studiert werden, wenn auch bei ihm in der Höhe kleine Abnutzungserscheinungen zu hören waren. Dennoch: Auch er einer der ganz großen in der Bass-Opern-Welt. Großartiges Bellcanto, strömende Cantilenen, satte Tiefen und ein souveränes Spiel. In der Einstudierung von Máté Sipos Szabó sang und agierte der Chor des Opernhauses in bewährter Weise. Schade nur, dass die Spielfreude des ansonsten agilen Chores und des Solistenensembles durch eine allzu rampenorientierte Regie (András Mikó, 1968) nicht zur Entfaltung kommen konnte. Die Inszenierung von 1968 ist in Budapest eine inszenatorische Ikone, eine spanisch-katholische Schauerorgie in schwarz-gold, die man dennoch erlebt haben sollte.

Wenn man von den wenigen Unausgewogenheiten bei den Hörnern zu Beginn des 1. Aktes absieht, war auch diesmal wieder ein ausgezeichnet disponiertes Opernorchester unter der psychologisch-einfühlsamen und musikalisch werkgerechten Leitung von Ádám Fischer zu erleben.

Hoffen wir also auf ein ähnlich exponiertes Maifest der Oper für das kommende Jahr: Die Staatsoper ist dazu künstlerisch in der Lage, dem Land hilft es bei der internationalen Ausstrahlung und das Publikum wird beides begeistert honorieren.

g.b.s.

www.opera.hu

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