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(c) Pester Lloyd / 19 - 2010 GESELLSCHAFT 14.05.2010
Wieder Fälle von Sklaverei in Ungarn
Die ungarische Polizei muss sich mit neuen Fällen "moderner Sklaverei" befassen. In Kaposvár und in Ostungarn sind drei Fälle anhängig, in denen Familienbetriebe
regelrechte Sklavenplantagen aufgezogen haben und Menschen zu unbezahlter Arbeit unter grausamsten Bedingungen gezwungen worden sind. Die Fälle werden
auf Hudnerte geschätzt, es ist nicht so leicht die Opfer zu Aussagen zu bewegen.
Teilweise hausten sie in Ställen und
wurden mit Prügel und Nahrungsentzug traktiert. In einer Reportage der als seriös geltenden Tageszeitung Népszabadság kam ein fünzigjähriger Mann von einem Hof
in der Nähe des Ortes Kisvarda zu Wort, der berichtete, dass man ihn zur Arbeit ohne Lohn gezwungen habe. "Ich musste in einem Keller leben und wurde
regelmäßig geschlagen", sagt er aus. "Sie sagten mir, dass sie mich töten, falls ich versuche zu fliehen."
Schon im April stürmte die Polizei ein Anwesen im südwestungarischen Kaposvár. Dort
wurden ein Ehepaar und ein weiterer Helfer verhaftet, die drei Männer im mittleren Alter für Jahre in Sklaverei hielten. Die Männer wurden auch dazu benutzt, um mit
ihren Unterschriften betrügerische Geschäftspraktiken der Sklavenhalter zu ermöglichen.
Ein Psychotherapeut vom Nationalen Kriminologischen Insitut
analysiert diese Vorkommnisse so: "Es ist leicht, Menschen am Rand der Gesellschaft zu terrorisieren, vor allem, wenn sie keinen Ort zum leben
und keine Person haben, an die sich wenden können. Am Ende geben sie auf und fügen sich in ihr Schicksal, wenn sie nur etwas zu essen und eine Unterkunft haben." Diese
Opfer laufen oft nicht einmal davon, wenn sie die Möglichkeit dazu haben. Später ist es schwer, sie zu Aussagen gegen ihre ehemaligen Peiniger zu bewegen. Als befördernd
für diese Auswüchse, gelten neben der Gier der Täter vor allem die starke sozialee Isolation auf Dörfern, vor allem von älteren Menschen, die kaum noch Kontakt mit
jüngeren Familiemitgliedern haben. Hinzu kommt Bildungsarmut und fehlende oder mangelhafte Aufsicht der Behörden.
Für internationales Aufsehen, freilich vor allem beim Boulevard, sorgte ein Fall im
Herbst 2009, als bekannt wurde, dass eine Frau ihren eigenen Vater als Arbeitssklaven verkauft hat. Drei Jahre lang wurde er bei einer anderen Familie schlimmer als ein
Arbeitstier gehalten. Erst als die Tochter die Vormundschaft für ihren damals 69 Jahre alten Vater beantragte, um auch sein Auto verkaufen zu können, flog die Sache auf.
Die Behörden fanden den Mann "von Läusen übersät und unter armseligsten Bedingungen in einem Stall hausend". Er habe nur einmal täglich etwas zu essen
bekommen und ohne jegliche Bezahlung für die Familie arbeiten müssen. Wenn er nicht genug gearbeitet habe, sei der 68-Jährige von seinen "Besitzern" geschlagen worden. In
dem Dorf gab es noch einige ähnlich gelagerte Fälle, man schätzt sie landesweit auf einige Hundert.
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