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(c) Pester Lloyd / 21 - 2010 SPORT 29.05.2010
Von wegen Testspiel
WM-Test, eine Frage der Ehre und ein Zeichen gegen den Romahass. Ungarn - Deutschland am 29. Mai in Budapest
Am Samstag, 29. Mai, treffen die Fußballnationalmannschaften von Ungarn und Deutschland zu einem Freundschaftsspiel zusammen, das für die Deutschen vor
allem Testcharakter für die WM in Südafrika ab dem 11. Juni hat. Für die Ungarn geht es um eine Standortbestimmung Richtung EM-Quali und immer auch um die
Ehre, das Wunder von Bern ist hierzulande eine Wunde, die nie ganz verheilt. Die Bilanz ist verblüffenderweise ausgeglichen: 11 Siege für jedes Team.
Es ist die vorletzte Möglichkeit für Bundestrainer
Jogi Löw, eine standfeste Aufstellung für das angestrebte afrikanische Sommermärchen zu finden. Immerhin muss er mit dem Torwart René Adler, Simon Rolfes und vor allem Michael
Ballack auf einige wichtige Leistungsträger verzichten, nun schied auch noch die Alternative für das zentrale Mittelfeld, Chrsitan Träsch wegen einer Verletzung in einem Trainingsmatch gegen
Südtirol aus. Danach folgt für die Deutschen noch eine Begegnung mit den enorm starken Kickern aus Bosnien-Herzegowina, Ungarn wird sich am 5. Juni nochmals in
Amsterdam dern Holländern als Testpartner zur Verfügung stellen.
Von wegen Testspiel
Aber von wegen Testspiel. Zwischen Deutschland und Ungarn geht es eigentlich immer
ums Ganze, für die Ungarn vor allem auch um die Ehre, nicht nur wegen der nie heilenden Wunde, die die Deutschen den Ungarn 1954 in Bern geschlagen haben und für
erste zum Wunder wurde. Immerhin steht es zwischen beiden Ländern insgesamt unentschieden. 11mal siegten die Ungarn, 11mal die Deutschen, zehn Partien gingen
unentschieden aus. Wer am 29. gewinnt, gewinnt sozusagen einen hundertjährigen Kampf. Die Statsitik reicht bis zur den Olympischen Spielen 1912 zurück und eben auch
in jene Jahre der Goldenen Elf um Puskás, Hidegkuti, Bozsik, Grosics und Co. in den 50er Jahren als Ungarn praktisch unschlagbar war. In der jüngeren Vergangenheit sieht
die Bilanz, bis auf einen Ausrutscher, eher einseitig schwarz-rot-gold aus. Deutschland steht auf Platz 6 der FIFA-Weltrangliste, Ungarn auf 56, zwischen Tunesien und
Nordirland, immerhin acht Plätze vor Österreich und sogar zwei vor Polen und sechs vor Belgien.
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Hoffnungen und Dämpfer
Für Ungarn ist die Partie eine wichtige Standortbestimmung auf dem Weg zu
EM-Qualifikation für Polen/Ukraine 2012. Zwar verfehlte man die WM-Quali letztlich ziemlich deutlich, hatte mit Portugal, Schweden und Dänemark aber auch ein schweres
Los gezogen. Doch die Hinrunde der Qualifikation, unter Trainer Erwin Koeman und das Abschneiden der U20, die im letzten Oktober immerhin das Halbfinale der U20-WM
erreichte, lässt die Ungarn hoffen, nach 1986 in Mexiko, doch irgendwann wieder an einer WM-Endrunde teilnehmen zu können.
Gegen diese Hoffnung spricht freilich das Gebahren im Vereinsfußball, wo sich der
neuerliche ungarische Meister Debrecen mit Manipulationsvorwürfen für einige Championsleague Spiele der abgelaufenen Saison auseinandersetzen muss, die
Untersuchungen sind im Gange. Der ungarische Kultklub schlechthin, FTC Ferencváros hingegen, macht gerade eine Phase der Umgestaltung unter seinem neuen, britischen
Besitzer durch und dessen Fans sorgen regelmäßig für Ärger, Randale und rassistische Ausfälle.
Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) begleitet das WM-Testspiel in Ungarn mit einer Aktion
gegen Roma-Feindlichkeit. Eine DFB-Delegation wird in Begleitung des Vorsitzenden des Zentalrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, die ungarische Ortschaft Tatarszentgyörgy besuchen.
Dort wurden im Februar des Vorjahrs bei einem rassistisch motivierten Anschlag zwei Roma - ein Mann und sein fünfjähriger Sohn - ermordet. DFB-Vizepräsident Hermann
Korfmacher wird bei der Visite in dem Ort 50 Kilometer südlich von Budapest Fußballtrikots und Bälle für Schulmannschaften übergeben. Der deutsche
Roma-und-Sinti-Zentralrat unterstützt derzeit die Instandsetzung des Wohnhauses der in großer Armut lebenden Angehörigen der Opfer des Mordanschlags.
Tickets für das Spiel im Ferenc Puskás-Stadion in Budapest, 29. Mai, 20 Uhr, gibt es
noch, zu Preisen zwischen 3.000 und 14.000 Forint (ca. 11-50 EUR), u.a. auch bei den IBUSZ-Reisebüros und natürlich am Veranstaltungsort:
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