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(c) Pester Lloyd / 22 - 2010
POLITIK 03.06.2010
Konflikt in Komárno
Slowakische Nationalisten wollen "den Ungarn zeigen, wo die Grenze verläuft"
Die slowakischen Behörden rechnen für Freitag, 4. Juni, mit einigem Ärger in der Grenzstadt Komárno. Hier könnten die Nationalisten beider Länder
aufeinandertreffen, Anhänger der Regierungspartei SNS des Hetzers Jan Slota wollen einen "Trianon-Denkmal" aufstellen und "Gegendemonstranten" der
rechtsextremen Jobbik dem Standbild des Heiligen Stephan auf slowakischer Seite huldigen. Die Polizei ist in Alarmbereitschaft.
Ungarns Präsident muss am 21. August 2009 unverrichteter Dinge auf der Brücke zwischen Ungarn
und der Slowakei umkehren, nicht ohne zuvor ein medials Spekatkel abzuhalten.
Komárno ist jene Grenzstadt zu Ungarn (dort Komárom), die schon oft in der
Vergangenheit als Ort der Konfrontation zwischen den Nachbarn herhalten musste. Der extreme slowakische Nationalist und Ungarnhasser Jan Slota von der Partei SNS, die
sich mit den "Sozialdemokraten" von Smer in einer Koalitionsregierung befindet, will mit seinen Anhängern "ein Trianon-Denkmal an der ungarisch-slowakischen Grenze"
errichten, "um den Ungarn zu zeigen, wo die Trianon-Grenze verläuft und das Komárno eine slowakische Stadt ist." Der 4. Juni wurde in Ungarn zum Nationalen Gedenktag
anl. 90 Jahre "Verträge von Trianon" erhoben.
SNS-Parteichef Jan Slota ist ein übler Populist und Ungarnhasser. Er selbst ist zwar nicht Mitglied
der Regierung, aber seine Partei koaliert mit den “Sozialdemokraten” von Premier Robert Fico.
Im Gegenzug zu den Ankündigungen
der Slota-Partei haben Anhänger der rechtsextremen ungarischen Partei Jobbik angekündigt, sich am Denkmal des Heiligen Stephan in Komárno versammeln zu wollen, was
die slowakische Polizei in höchste Alarmbereitschaft versetzen musste, da sich beide Gruppen dadurch zwangsläufig begegnen werden. Jobbik selbst hat eine solche
Versammlung bisher nicht bestätigt, die slowakische Seite spricht daher auch von inoffiziellen Quellen und
stellt klar, dass sie - was immer geschehe - die öffentliche Sicherheit aufrecht erhalten wird. Die Lokalverwaltung von Komárno erklärte derweil, dass auch SNS bisher, wegen
Formfehlern bei der Beantragung, keine Genehmigung für ihre Veranstaltung erhalten habe.
Am 4. Juni gibt es in Ungarn einen “Nationalen Gedenktag” anl. des “Friedensdiktats von Trianon”,
es wird zum Hochamt für Revanchisten und Nationalisten.
An der Grenzbrücke zwischen Komárno und dem ung. Komárom,
die bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges eine Stadt waren, hielt im Europawahlkampf 2009 der jetzige Ministerpräsident Viktor Orbán eine provokante Rede, in der u.a. von der
"Vertretung aller Ungarn im Karpatenbecken" durch ungarische Europaabgeodnete schwadronierte, was beim Nachbarn verständlicherweise gar nicht gut ankam. Auf dieser Brücke
geschah es auch, dass Staatspräsident László Sólyom im August 2009 die Einreise in die Slowakei verweigert worden ist, weil
angeblich "für seine Sicherheit nicht gesorgt werden" konnte. In Wirklichkeit echauffierte sich die slowakische Regierung
darüber, dass Sólyom im Umfeld des ungarischen Nationalfeiertages eine Statute des Nationalheiligen Stephan im heute slowakischen Komárno einweihen wollte. Sólyom zog
daraufhin unter theatralischen Gesten von der Brücke ab. Die Brücke wird des öfteren Zeuge von Blokaden und lautstarken Auftritten von Jobbik-Anhängern, die hier mit
Spruchbändern regelmäßig die Staatlichkeit der Slowakei verneinen.
Grund für die jüngsten Auseinandersetzungen, die vor allem auf staatlicher und
parteilicher Linie, denn wirklich zwischen den Völkern verlaufen, ist der Streit um die Gewährung der ungarischen Staatsbürgerschaft für Slowaken ungarischen Blutes und die
slowakische Drohung deren Ausbürgerung, wenn sie einen ungarischen Pass beantragen. Um dieses Gesetz herum dreht sich eine Debatte, in der das politische Ungarn seinen
Schutzmachtanspruch für "die Ungarn" im Ausland behauptet, während die Slowakei von Revanchismus und Feindseligkeit spricht.
Am 12. Juni sind auch in der Slowakei Wahlen, viele hoffen, dass sich danach die
bilateralen Beziehungen wieder etwas normalisieren werden.
Zum Thema:
Eiszeit an der Donau
Ungarn beschließt "Trianon-Pass", Slowakei droht mit Ausbürgerung von Antragstellern. http://www.pesterlloyd.net/2010_21/21trianonpass/21trianonpass.html
Nationaler Traumatag
Fidesz macht den Kampf gegen "Trianon" in Ungarn zur Staatsdoktrin - MIT KOMMENTAR http://www.pesterlloyd.net/2010_20/20trianon/20trianon.html
Stellvertreterkrieg
Eskalation zwischen Slowakei und Ungarn wegen doppelter Staatsbürgerschaft http://www.pesterlloyd.net/2010_19/19slowakei/19slowakei.html
"Glaubt nicht an den Unsinn!"
Slowaken wehren sich gegen "Feindbild Ungarn" http://www.pesterlloyd.net/2010_18/18slowakei/18slowakei.html
Nationalismus aus Kalkül
Slowakischer Parteiführer fürchtet mal wieder einen Angriff der Ungarn http://www.pesterlloyd.net/2010_12/12slotaSK/12slotask.html
Passionsspiel auf der Grenzbrücke
Die Slowakei verweigert dem Staatspräsidenten von Ungarn die Einreise http://www.pesterlloyd.net/2009_34/0934solyomSK/0934solyomsk.html
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