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(c) Pester Lloyd / 23 - 2010  POLITIK 11.06.2010

 

Verbale Aufrüstung

Ungarn will stärkere Armee, damit "Garden" überflüssig werden

Der ungarische Regierungschef Viktor Orbán schloss sich der Einschätzung seines Verteidigungsministers, Csaba Hende, an, dass Ausstattung und Einsatzbereitschaft der ungarischen Armee mehr als unbefriedigend sind. Mit mächtigen Worten beschwor er, dass ein starker Staat ohne eine starke Armee undenkbar ist und warnte die Militärs vor einer Beteiligung bei paramilitärischen Garden.

Die ungarische Armee im Kampf gegen flüssige Eindringlinge.
Anfang Juni im Nordosten des Landes.
Foto: Ung. Verteidigungsministerium

Die Einschätzung einer unerträglichen Schwäche der ungarischen Streitkräfte, traf Premier Viktor Orbán er auf dem jährlich abgehaltenen Treffen der Stäbe im Parlament, bei dem auch der Staatspräsident anwesend war. "Die Landesverteidigung muss wieder zu einer nationalen Angelegenheit gemacht werden", "Wir brauchen eine stärkere Armee", forderte Orbán. Die niedrige Verteidigungs- bzw. Einsatzbereitschaft verstoße sowohl gegen die Buchstaben der ungarischen Verfassung wie gegen die Gründungsdokumente der NATO, erläuterte der Premier.

"Ein starkes Land ist ohne eine machtvolle und effiziente Armee nicht vorstellbar", schwadronierte er weiter und verlinkte die Angelegnheit mit der Drohung der im Parlament vertretenen Neonazipartei Jobbik, eine eigene "Reservearmee" gründen zu wollen. "Wenn Armee und Polizei stark sind, braucht das Land keinerlei privat organisierten Sicherheitsorganisationen oder paramilitärische Garden", um die öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten. (was impliziert, dass es sie im Moment schon bräuchte? Anm.)

 

Nach rechts schielenden Militärangehörigen oder Polizisten drohte er deftig, dass "eine Mitwirkung durch Mitglieder der uniformierten Kräfte in solchen Formationen als Desertion gewertet wird." - Hierzu sei angemerkt, dass vor zwei Jahren eine rund viertausend Mitglieder zählende Polizeigewerkschaft einen "Sicherheitspakt" mit der Partei Jobbik abgeschlossen hat, gerade zu der Zeit, als die "Ungarische Garde", der militante Arm der rechtsextremen Partei durch Dörfer mit hohem Romaanteil marschierte und eine Pogromstimmung anheizte, die Dutzende Brand- und Mordanschläge mit zumindest acht Toten nach sich zog.

Orbán erwähnte die Verbreitung eines allgemeinen Sicherheitsgefühls, aber auch den Einsatz als Katastrophenschützer - wie derzeit an den Dämmen im Nordosten - als die Aufgaben einer Armee in Friedenszeiten. Doch Ungarn brauche auch eine starke Armee, um, in Zusammenarbeit mit seinen Verbündeten, bewaffnete Angriffe gegen das Land abwehren zu können. Von welcher Seite er solche Angriffe eventuell erwartet, behielt Orbán vorerst für sich. Die Verpflichtungen bei Auslandseinsätzen im Rahmen von NATO und UNO werden eingehalten, doch Thema des Tages war vor allem die Landesverteidigung. Woher die Mittel für eine bessere Ausstattung und Formierung der Armee gerade jetzt kommen sollen, wurde nicht (öffentlich) besprochen, daher blieb es vorerst bei dieser verbalen Aufrüstung.

Bereits zuvor hatte der neue Verteidigungsminister Csaba Hende, in der ersten Orbán-Regierung Staatssekretär im Innenministerium, davon gesprochen, in der Armee, vor allem aber auch im Ministerium, endlich wieder für Disziplin sorgen zu wollen. Er prangerte grassierende Korruption "auf den Gängen des Ministeriums" an und sprach von einem hohen Vertrauensverlust der Truppe in ihre Führung. Ausrüstung und Ausbildung der bei Auslandseinsätzen verwandten Kräfte wolle er persönlich verbessern, die Sicherheit der Leute stehe an erster Stelle.
 

Zum Thema:

Jobbiks Sturmabteilung

Rechtsextremisten wollen Privatarmee aufbauen

Die rechtsextremistische Partei Jobbik hält an ihren Plänen zum "Aufbau einer neuen nationalen paramilitärischen Organisation" fest. Als Gründungstag hatte man sich den 4. Juni ausgesucht, der gerade vom Parlament zum "Nationalen Gedenktag" anlässlich des 90. Jahrestags des "Friedensdiktats von Trianon" ausgerufen worden ist.

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