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(c) Pester Lloyd / 23 - 2010  POLITIK 09.06.2010

 

Ungerecht und symbolhaft

Gemischte Reaktionen auf Fidesz-Wirtschaftsprogrammm für Ungarn

Angesichts der teilweise dramatischen Einschnitte, u.a. im öffentlichen Dienst, fielen die Proteste der Betroffenen und ihrer parteipolitischen Interessensvertreter bisher sehr verhalten aus. Am lautesten meldeten sich die Banken - mit einer unverhohlenen Drohung - zu Wort. Bemängelt wird von Experten das "symbolhafte" vieler Maßnahmen im Orbán-Aktionsplan und dass die Auswirkungen der Steuerreform ab 2011 noch gar nicht berechenbar sind.

Der Chef der größten Oppositionsfraktion, MSZP, Attila Mesterházy, kritisierte in einer ersten Reaktion, dass es sich bei vielen der angekündigten Sparmaßnahmen um Schritte handelt, die bereits die Gyurcsány- bzw. Bajnai-Regierung vornehmen wollte, was die damalige Oppositionspartei Fidesz jedoch verhinderte. Die Flat Tax würde hingegen nur den "reichen" Familien nutzen, genauso wie die 15%ige Einkommenskürzung im öffentlichen dienst, die unteren Gehaltsgruppen viel stärker trifft als die oberen. Mesterházy, der auch als neuer Parteichef gehandelt wird, begrüßte dagegen die Sondersteuer für Banken, mahnte aber, dass man sicherstellen müsse, dass diese nicht an die Kunden weitergegeben werden.

 

Die rechtsextremistische Partei Jobbik begrüßte die Maßnahmen in ihren Grundzügen, bezweifelt aber, dass dahinter ein tiefergehender Plan steckt, vielmehr handelt es sich um eine hektische Reaktion auf das "verantwortungslose Handeln" von Fidesz-Funktionären in den letzten Tagen. Auch der Effekt der Steurreform sei nicht ausreichend durchgerechnet, sagte Parteichef Gábor Vona.

Die grün-bürgerliche Partei LMP nannte die Maßnahmen einen Schwenk in eine "neokonservative Richtung" und eine Politik, die vor allem die Armen treffen wird. Fraktionschef András Schiffer nannte die Steuerkürzungen "populistisch" und die Maßnahmen für einen "schlanken Staat" reine Demagogie. Die obere Mittelklasse werde bevorzugt, die Ärmeren blieben auf der Strecke.

Der Chef der Bankenvereinigung sprach von einer "riesigen Bürde", die seine Branche eigentlich nicht schultern kann, gerade in einer Zeit, in der Kreditportfolios noch bereinigt werden müssten. Hinzu setzte Tamás Erdei, Chef der MKB, reflexartig die übliche Drohung: die Sondersteuer wird einige Institute in die Verlustzone bringen (die Steuer ist auf Gewinne gerichtet, Anm.), was deren finanzielle Ausstattung beschädige und somit die Mittel verringere, die Banken der Realwirtschaft in Form von Krediten zur Verfügung stellen können.

Verschiedene Wirtschafts- und Politikinstitute sprachen von vorerst überwiegend symbolischen Maßnahmen der Orbán-Regierung, da die verspreochenen Steuersenkungen erst ab nächstem Jahr greifen werden. Die Regierung wollte aus der Ecke, in die sie sich selbst gestellt hatte, schnell heraus. Mehreinnahmen und Kosteneinsparungen erreichten jedoch nur rund die Hälfte der notwendigen Mittel für eine umfassende Haushaltskonsolodierung, meinten einige. Alle waren sich einig, dass diese Maßnaahmen langfrsitig nur der Wirtschaft wie dem Staatshaushalt und damit den Bürgern nutzen, wenn sie von tiefgreifenden Strukturreformen im Gesundheitswesen, der Bildung, dem Rentensystem und bei der öffentlichen Verwaltung begleitet werden.

Das Wichtigste aus dem 29-Punkte-Programm der Orbán-Regierung
 

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