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(c) Pester Lloyd / 24 - 2010  KULTUR 19.06.2010

 

Schönheit der Geschwindigkeit

Futurismus-Ausstellung in der ungarischen Nationalgalerie

Besessen von Bewegung, Geschwindigkeit, Fortschritt – der Futurismus suchte den Bruch mit bisheriger Kunsttradition und wurde zu einer der prägenden Silrichtungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die ungarische Nationalgalerie zeigt nun neben den Werken von Fortunato Depero, einem der wichtigsten Vertreter des italienischen Futurismus, auch einige Beispiele, wie die damals neuartige futuristische Ästhetik Einfluss auf ungarische Künstler ausgeübt hat.

„Wir wollen preisen die angriffslustige Bewegung, die fiebrige Schlaflosigkeit, den Laufschritt, den Salto mortale, die Ohrfeige und den Faustschlag.“ Diese Worte aus dem Futuristischen Manifest des italienischen Dichters Filippo Tommaso Marinetti aus dem Jahre 1909 zeigen sehr deutlich, worum es den Futuristen ging. Für sie war die Welt der Kunst und Literatur geprägt von Anhängern des Vergangenen, von Stillstand, von feiger Unbeweglichkeit; all jenen Eigenschaften also, die so gar nicht in die moderne Welt des vibrierenden Großstadtlebens, der Rennwagen und des Fortschritts passen wollten. Der Futurismus dagegen propagierte die Herrlichkeit der anbrechenden Zukunft, wollte die Schönheit der Geschwindigkeit und der Bewegung bildlich darstellen. Häufige Stilmittel waren dabei v.a. die Darstellung von Bewegungsabläufen und die Zerstörung der Stofflichkeit von Gegenständen durch Bewegung, Licht und Farben.

Ein äußerst vielseitiger Vertreter des italienischen Futurismus war Fortunato Depero (1892-1960). Aufgewachsen in Südtirol, wandte er sich während eines Romaufenthalts 1913/4 dem Futurismus zu und bereicherte ihn um den Anspruch, dass sich seine Ästhetik nicht nur auf die bildende Kunst beschränken, sondern auf alle Lebensbereiche übergreifen sollte. In diesem Sinne eröffnete Depero Kunstwerkstätten in seiner Heimatstadt Rovereto und später in New York, in denen seine Designs auf die verschiedensten Alltagsgegenstände angewendet wurden. Wandteppiche, Möbel, Textilien, ja sogar Bühnenbilder für Ballettaufführungen und Magazincover für die amerikanische Vanity Fair wurden mit futuristischer Bildsprache und Motivik entworfen.

Obwohl Depero nach dem 2. Weltkrieg kaum noch Aufträge in den USA erhielt, da der Futurismus wegen seiner Nähe zur faschistischen Bewegung geächtet wurde, beeinflussen seine Arbeiten das Industriedesign bis heute. Gerade in den letzten 20 Jahren ist der Futurismus als Inspirationsquelle wieder in Mode gekommen. Eine Ausstellung der ungarischen Nationalgalerie widmet sich daher noch bis zum 22. August Deperos Werk. Um dem ganzen eine ungarische Perspektive zu verleihen, werden neben den rund 100 Werken des Italieners fast 60 Werke ungarischer Künstler ausgestellt, die sich vom futuristischen Stil haben beeinflussen lassen.

Christian Pasche

Der Futurist Depero und der Einfluss des Futurismus auf die Avantgarde-Kunst
4. Juni bis 22. August 2010 in der Ungarischen Nationalgalerie
Szent György tér 2, 1014 Budapest;
www.mng.hu
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 – 18 Uhr
Eintritt: 1900 HUF (inkl. Dauerausstellung des Museums)

 

 

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