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(c) Pester Lloyd / 24 - 2010 BUDAPEST 17.06.2010
Viel hilft Viel
Flatrate-Essen im Trófea Grill in Budapest
Die „Trófea Grill“ Restaurants in Budapest versprechen zu einem Festpreis unbegrenzten Zugang zum Buffet und Freigetränke im Überfluss. Das verlockend
klingende Angebot bedurfte daher einer näheren Überprüfung. Ein Besuch der Filiale in der Király utca brachte Aufschluss darüber, ob sich ein Besuch der Flatrate-Fress-Tempel wirklich lohnt.
Das Prinzip des Ganzen ist schnell erklärt. Für einen
Festpreis von 2999 Ft., ca. 10,70 EUR (12-17 Uhr) bzw. 4499 Ft., ca. 16 EUR pro Person (17.30-24Uhr) lässt es sich von Montag bis Freitag unbegrenzt
schlemmen. Am Wochenende kostet der Spaß dann schon stolze 4999 Ft. (knapp 18 EUR), in den anderen Filialen können die Preise leicht variieren. Im Preis
enthalten sind laut eigenen Angaben sämtliche Vorspeisen, Suppen, Hauptspeisen und Desserts sowie der unbegrenzte Genuss von Bier, Sekt, Wein, Kaffee
und allerlei Softdrinks. Der Preis gilt bis 17 Uhr für einen zweistündigen Aufenthalt und am Abend für 3 Stunden. Dem knallhart
kalkulierenden Kunden wird jedoch schnell klar, dass er sich für diesen Preis in fast jedem Restaurant in Budapest satt essen kann. Lohnt sich das Ganze dann überhaupt?
Keine Spur von Würstchenbude
Kaum eingetreten, fällt das überraschend edel
designete Interieur des Restaurants auf. Wer Würstchenbudenatmosphäre erwartet hat, wird angesichts der in dezenten Brauntönen gehaltenen Stühle und Tische, eines Besseren belehrt. Das Buffet
steht jederzeit zur freien Verfügung, daneben gibt es einen Grill an dem man sich ausgewählte Stücke direkt vom Koch braten lassen kann. Die Freigetränke werden durch die Kellner gebracht.
Die Befürchtungen von sich versteckenden Kellnern,
wie sie in Budapest stellenweise durchaus zu erleben sind, bewahrheiten sich aber nicht. Ganz im Gegenteil. Das Personal des Trófea Grills
erweist sich als sehr flink und zuvorkommend und rückt fröhlich einen Bierkrug nach dem anderen heraus. Der Wein ist zwar sicher nichts für echte Kenner, kommt dem
Laien jedoch gut über die Lippen. Auch der Kaffee erweist sich als sehr genießbar und kein leeres Trinkgefäß bleibt lange auf dem Tisch. So soll es sein und so kann man es
bei den Grundpreisen auch erwarten.
Wer darüber hinaus auf harte Alkoholika nicht
verzichten möchte, kann diese zu durchschnittlich hohen Preisen gesondert dazu bestellen.
Mehr als nur Gegrilltes
Dennoch empfiehlt es sich bei der umfangreichen
Getränkeauswahl Zurückhaltung zu üben, um noch Platz für das eigentlich Wichtige zu lassen. Denn Umfang des Buffets weiß die, zugegeben schon recht
hohen Erwartungen, noch zu übertreffen. Alle gebotenen Speisen aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. Von Salat, Fisch, Schwein, Huhn, Wild bis hin zu Torte und Obst ist alles in
mannigfaltigen Variationen vertreten. Nach dem ersten Gang (einem recht abenteuerlichen Mix aus Salaten, Sushi, indischem Hühnchen und Hirschragout in
Himbeersoße) wird auch klar, warum so viele Gäste nur still dasitzen und an ihrem Cappuccino nippen. Sie warten, bis sie wieder Hunger bekommen. Das mag daran
liegen, dass neben aller Quantität auch die Qualität nicht zu kurz kommt und es für den Durchschnittsmenschen einige kulinarische Entdeckungen zu machen gibt. Aufgelockert
wird das Ganze durch Kellner, die zwischendurch zu allem Überfluss noch Pizza unter den Gästen verteilen.
Nach weiteren Rundgängen am Buffet, findet der
Nachmittag mit einer bunten Auswahl verschiedenster Törtchen seinen würdigen Abschluss. Mehr ginge auch wirklich nicht.
In der Ruhe liegt die Kraft
Das Problem aller „All You Can Eat“ Konzepte findet
sich auch hier. Man sollte sich ja nicht selbst unter Druck setzten, den Grundpreis durch riesige Portionen im wahrsten Sinne des Wortes wieder rein zu bekommen. Das kann im Nachgang durchaus
unangenehme Folgen für das leibliche Wohl mit sich bringen. Wer jedoch eine gesunde Selbsteinschätzung besitzt und über moralische Bedenken bezüglich maßloser Völlerei
großzügig hinwegsehen kann, wird mit einem Besuch im Trófea Grill nichts falsch machen. Der stolze Grundpreis wird vor allem in der günstigeren Nachmittagszeit
locker wettgemacht. Noch beim Zahlen der Rechnung bietet der Kellner ein weiteres Freigetränk an, welches mangels verfügbaren Platzes jedoch ausgeschlagen werden
muss. Noch leicht benommen geht es an die frische Luft. Jetzt wird erstmal eine Woche lang gefastet.
Gregor Schemmel
www.trofeagrill.eu
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