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(c) Pester Lloyd / 24 - 2010  KULTUR 17.06.2010

 

„In diesen heil’gen Hallen…”

Eine „Zauberflöte” mit ungarischer Beteiligung im sächsischen Freiberg

Im sächsischen Freiberg gibt es viele schöne, auch erhabene Plätz mit großer Geschichte. Das aufwendig rekonstruierte Mittelsächsische Theater (eine Fusion mit dem Haus in Döbeln) gehört als besonderes Schmuckkästchen dazu. Zum eigentlichen Theater - übrigens dem ältesten Stadttheater der Welt (seit 1789)! - wurden umliegende historische Häuser so angegliedert, dass im stimmigen, farbigen Bauensemble alle Gewerke und notwendigen Räume für Künstler und Öffentlichkeitsarbeit Platz fanden.

Dem nicht genug, wird die gegenüberliegende, zweitürmige Nikolaikirche mit romanischen Unterbauten und ihrem luftigen Barock aus der Zeit von August des Starken kunstsinnigen Sohn in die Spiel- und Konzertierfreude der Feiberger einbezogen. In der Mitte liegt der Theaterplatz als sommerliche Theaterkantine, wo schmackhafte Bratwurst, feines Freiberger- und Radeberger Bier, gespritzte Säfte und Champus genossen werden dürfen. Das Publikum hält mit seinen Künstlern mit, ist doch in Freiberg - ähnlich wie in der „Dresdner Residenz” - über verschiedene Zeiten ein selbstbewusstes Bürgertum erhalten geblieben, dass man andernorts erst wieder aufrichten muss.

An diesem Zauberorte also hatte Anfang Juni Mozarts „Zauberflöte” Premiere, die mit ironischer Leichtigkeit inszeniert (Anette Jahns) und stimmlicher Noblesse besetzt war. Mit besonderem Glanze und eindringlicher Gestaltung strahlte die Pamina der jungen Miriam Sabba. Messerscharf kamen die Kolleraturen der Königin der Nacht, gesungen von Ris Maier, ins theatralische Kirchenschiff. Damit wurde anhörlich Kund, dass, soviel die Männer auch Politik machen, der entscheidende Akzent im Leben von den Frauen beansprucht wird, was Mozart in seiner Musik manifestierte.

Der Prinz Tamino des Jens Winkelmann war ein ansehnliches, aber recht lebensuntüchtiges Wesen, was leider auch vielen der durchaus vorhandenen Töne anzuhören war. Mehr wirkliche Strahlkraft fehlte, trotz akustischer Unterstützung des Kirchenraumes! Der Papageno des sympatischen Guido Kunze riss dann doch wieder alles an die richtige Stelle. Ein jugendliches Mannsbild voll Tatendrang und Respektlosigkeit agierte vor den Priestern und deren schrulliger Rituale. Ein schöner, warmer Bariton richtets doch immer wieder und findet am Schluss seine Hippy-Braut Papagena (Susanne Engelhardt), die sich aus der einer orientalisch im Kopftuch verpackten Putzfrau schälte, die die ganze Sarastro-Truppe, einschließlich des Kirchenraums herrlich mit dem Staubwedel traktierte.

 

Den Sarastro gab der Finnen Juhapekka Sainio in ständig wechselnden Kostümen (Ausstattung: Ulrike Kunze), gleich als Reihe narzistischer Weltenherrscher der Hochkulturen, - mal Leoparden befellt, dann als chinesischer Kaiser, später Araberfürst, am Ende der Sonnenkönig - und konnte so hinter güldenem Vorhang von der Empore aus etwas kaschieren, weil sein etwas hohlstimmlicher Bass allein die Königin der Nacht nicht wirklich in die Knie zwang. Die Handlungs treibenden Akteure waren neben der genialen Komposition, sehr gut gespielt von der Mittelsächsischen Philharmonie und einfühlsam dirigiert von Jan Michael Horstmann, an diesem farbigen Abend die sogenannten „Nebenrollen”.

Die drei Damen (in Chanell und im Korsett) waren Katharina Wingen, die Ungarin Zsuzsanna Kakuk und Clarissa Rarrish vom amerikanischen Studenteprojekt. Alle drei, aber insbesondere die feurige Kakuk, machten im doppelten Sinne eine „gute Figur”. Sie kamen ständig und hüftschwingend, die Handlung kommentierend, die Männer provozierenden einher und sangen noch dazu sehr gut. Mit der Kakuk in Freiberg wurde erneut bestätigt, dass sich an vielen Theatern in Deutschland die Ungarischen Sänger und Dirigenten einen guten Ruf erworben haben, wie wir das bereits in Chemnitz mit dem  1. Kapellmeister Domokos Héja oder in Annaberg-Buchholz mit dem Bass László Varga festellen konnten.

Dann also die drei Knaben, die zwei waren und ein Mädchen, die stimmlich mit dem Kapellmeister um die Töne rangen. Die ersten und zweiter Priester/Geharnischte waren stimmlich und dramatisch prägnant. Allen voran Klaus Kühl mit spielerischem Handlungsreichtum und als 1. Geharnischter mit überraschend strahlend tenoraler Präsenz. Der Chor (Peter Kubisch) rundete mit Kraft und agiler Freude an Bewegung den schönen Abend genauso ab wie das Gewusel der Kinderdarsteller mit Tierköpfen die Zauberwelt belebten.

Ein Bravo mehr für die kleineren Theater, die mit hoher Leistung zum Glanzbild deutscher Stadtkultur beitragen.

E. F.

Weitere Vorstellungstermine
der „Zauberflöte”in der Nikolaikirche: 23./ 24./ 29.6., 19.30 Uhr
Vorstellungen auf der Seebühne Kriebstein: 4.7.: Italienische Nacht mit der Mittelsächsischen Philharmonie, 10./11./13./16./17.7. und im August: Cabaret, Neuinszenierung einer Musical-Legende

www.mittelsaechsischestheaterfreiberg.de
 

 

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