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(c) Pester Lloyd / 25 - 2010  BUDAPEST 27.06.2010

 

Hellebarde mit Servicezuschlag

Ein Besuch im einstigen Spitzenlokal „Alabárdos“ überzeugt nur teilweise

Das Restaurant „Albabárdos“ (Zur Hellebarde) liegt im Burgviertel von Budapest, ganz in der Nähe der Matthiaskirche. Das Ambiente ist dem historischen Umfeld angepasst. An den Wänden der Gewölbe hängen Hellebarden und Rüstungsteile, serviert wird auf Geschirr aus der ungarischen Porzellanmanufaktur Herend, einst Hoflieferant der k+k-Monarchie, ab und an zupft ein Barde leise die Laute.

Neben den etwas schwülstig eingerichteten Räumen, verfügt das Restaurant über einen angenehmen und gut besuchten Gastgarten. Gehörte das Alabárdos einst jahrelang zu den Budapester Spitzenrestaurants, englische Prinzen dinnierten hier, Witzigmann machte seine Aufwartung, die lokale Schickeria ohnehin und das Lokal wurde sogar als erster Sterne-Kandidat gehandelt, so kann es derzeit nur noch einen Platz unter den gehobenen Qualitäts-Betrieben behaupten.

Auf der Karte befinden sich nur sieben Hauptspeisen, die hauptsächlich der ungarischen Küchentradition in moderner, leichter Zubereitung verpflichtet sind und den Versuch unternehmen die Hofküche des König Mathias Corvinus in heutige Speisegewohnheiten zu adaptieren, womit man zwangsläufig auf halber Strecke liegenbleibt. Man kann in einer offenen Küche zuschauen, wie die Speisen zubereitet werden. Angetan waren wir vom Lammteller mit Zunge, Leber und zartem Rippenfleisch (4.600 Ft). Das Zander-Tatar (2.900 Ft.) als Vorspeise kam etwas uninspiriert daher. Besser abgeschmeckt dann die Entenleberpastete mit marinierten Pilzen (3.900 Ft.). In der ansonsten schmackhaften Blumenkohlsuppe (1.600 Ft.) mit knusprigen Röschen und Haselnusscreme dominierte der Koriander. Ein Gewürz, das der Koch offenbar besonders liebt, da es auch in anderen Gerichten immer mal weider – auch etwas deplatziert - durchschimmerte.

Mangalica-Filet auf Tarhonya-Risotto

Die als Dessert ausgewählte weiße Schokoladencreme wurde vom Kellner nicht empfohlen, wobei dann das Erdbeersorbet mit Joghurt, Honig, Orangen-Erdbeersalat und Basilikumzucker (1.700 Ft.) mehr versprach als es hielt. Auf unsere Frage nach einem sehr trockenen Weißwein zur Fischvorspeise, wurde uns vom bemühten Sommelier ein Olász-Riesling aus dem Norden Ungarns empfohlen, der aber wegen seiner kräftigen Restsüße nicht unseren Erwartungen entsprach und zudem auch noch zu wenig gekühlt aus der Flasche kam, ein landestypisches Problem. Die Rotweine von ungarischen Spitzenwinzern sind dagegen ausgezeichnet. Auf der gut sortierten Weinkarte sind hervorragende Tropfen aus den besten Regionen und Kellern des Landes zu finden.

Der Service ist aufmerksam und meist dreisprachig. Dafür wird dann allerdings auf der Rechnung jener unsinnige, aber hierzulande wieder erlaubte, Servicezuschlag von 10% erhoben. Eine Angelegenheit, die den ansonsten angenehmen Besuch in diesem Hochpreislokal leider etwas trübt.

gbs

Restaurant Alabárdos (Zur Hellebarde),
Országház utca 2,
1014 Budapest,
Telefon: +36 356 0851,
alabardos@t-online.hu
www.alabardos.hu
 

 

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