|
(c) Pester Lloyd / 25 - 2010 WIRTSCHAFT 27.06.2010
Ungarischer Staatswinzer Tokaj mit Umsatzeinbußen
Die allgemein ungünstige Wirtschaftslage macht der Vorstandschef des Großwinzers und
staatlichen Weinhändlers Tokaj Kereskedöház für den mehr als 10%igen Umsatzrückgang 2009 von 400 Mio auf noch 3,2 Mrd. Forint (heute ca. 11,2 Mio EUR)
verantwortlich. Während man die Exporte um 8% erhöhen konnte, verfiel die Inlandsnachfrage um stattliche 15%, man soll aber noch in den schwarzen Zahlen sein.
Damit werden in Ungarn noch 60% der Tokajer aus dem
Staatshandelshaus verkauft, Exporte sind für 40% der Umsätze verantwortlich, wobei davon wiederum 80% in der Region verbleiben. Als Durchbruch behauptet man
einige Lieferverträge nach China sowie in die USA, wo 250.000 Flaschen der früher legendären Dessertweine bald in Supermärkten und im Getränkehandel verkauft
werden sollen. Tokaj Kereskedöház ist für rund ei Drittel der Gesamtproduktion der Weinregion Tokaj im Norden des Landes zuständig. 2009 kelterte man fast 60.000
Hektoliter. Dabei besitzt das Unternehmen selbst nur rund 70 ha eigene Rebflächen, die rund 600 Tonnen Wein einbrachten, die meisten Trauben kommen von
den rund 2.000 Kooperationspartnern, meist private Weinbauern mit teils kleinen Flächen, bei denen sich der Ausbau nicht lohnt, bzw. durch fehlende Möglichkeiten nicht machbar ist.
Kenner der Szene kritisieren die Marktpolitik des Kereskedöház als Hemmschuh für eine
qualitätvolle Entwicklung und ein Branding der traditionsreichen Weinregion, da das Staatsunternehmen auf Umsatz um jeden Preis setze und somit die Qualität leide.
Massendessertweine sind jedoch ein önologisches Paradoxon, der Ruf der Qualitätswinzer und der Region leidet unter dem Riesen.
DISKUTIEREN SIE ZU DIESEM THEMA IM GÄSTEBUCH
|