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(c) Pester Lloyd / 27 - 2010 KULTUR 09.07.2010
Epochales Möbelhaus
Das Jugendstil-Museum in Budapest wird dem Erbe dieser Epoche nicht gerecht
Budapest, das „Paris des Ostens“ - wohl kaum ein Reiseführer kommt ohne diese Plattitüde aus. Dann wird auf Kaffeehäuser verwiesen und deren Architektur und
Einrichtung im Jugendstil. Das „Magyar Szecesszió Háza“ versucht diesen ungarischen Jugendstil im Museum auszustellen und begreifbar zu machen – und scheitert dabei.
Bereits von außen sieht man dem Haus in der Honved utca an, das es sich dem Jugendstil
widmet. Die blassgrüne Fassade, verspielte braune Ornamente daran. Der Besucher betritt die Ausstellung im Prinzip durch das im Jugendstil eingerichtete museumseigene „Café Art
Nouveau“, eine Einstimmung auf das, was ihn in den drei Etagen Ausstellungsfläche erwartet: Möbel, Möbel und noch mehr Möbel, alles im Jugendstil.
Mit der Anweisung des Personals, man möge sich
vom Keller über das Erdgeschoss in die erste Etage vorarbeiten, beginnt der Rundgang. Im Untergeschoss erwarten den Besucher Schränke und Sekretäre, im Stockwerk darüber Betten und
Beistelltische und im Obergeschoss Sofas und Sessel. Das Problem an der Sache: Die Ausstellungsstücke sind durchweg nett anzusehen,
aber mehr auch nicht. Denn das Museum bietet keinerlei Erklärungen dazu, keine Schilder, nichts. So geht der Besucher durch das „Magyar Szecesszió Háza“ wie durch
ein Möbelhaus, in dem nichts zum Verkauf steht.
Dabei hat das Museum durchaus Potential, bietet es doch auch kleine Skurrilitäten wie eine Schnurrbartbürste (auf die
Funktion weist ausnahmsweise ein Schild hin) oder eine Sammlung von 14 kunstvoll gearbeiteten Pfeifen. Doch wer sie herstellte, wem sie gehörten, und ob sie eher Statussymbol oder
Rauchwerkzeug waren – solche Fragen bleiben unbeantwortet.
Experten, die sich mit dem ungarischen Jugendstil auskennen, mögen die kreativen Köpfen hinter den
Ausstellungsstücken kennen, dem Laien bleibt nur der simple Blick auf mehr oder weniger gelungene Möbel. Was aber fast noch schlimmer wiegt: die Ausstellung
bietet keinerlei Hinweise auf die teilweise sehr gelungenen Bauwerke im Jugendstil in Budapest. Der Name Ödön Lechner, Architekt des Kunstgewerbemuseums und der Postsparkasse, fällt
nicht. Auch fehlt ein Verweis zum Beispiel auf das Kaufhaus Paris an der Andrássy út oder die vor der
Renovierung stehende Franz-Liszt-Musikakademie. So wird das „Magyar Szecesszió Háza“ dem Erbe des ungarischen Jugenstils nicht gerecht.
Christian Franke
„Magyar Szecesszió Háza“ 1054 Budapest, Honvéd ut. 3 Dienstag-Sonntag: 10-17 Uhr
Eintritt: 1000 Ft, erm. 600 Ft. www.magyarszecessiohaza.hu
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