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(c) Pester Lloyd / 27 - 2010 BUDAPEST 09.07.2010
Sommerfrische in der Stadt
Ein Streifzug durch die Grünanlagen von Budapest
Der Sommer hat endlich begonnen. Zeit, sich einmal genauer anzusehen, an welchen Orten in Budapest man das gute Wetter zum Spazieren, Wandern,
Faulenzen oder für ein gutes Buch nutzen kann. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint, an Grünflächen mangelt es der ungarischen Hauptstadt
wahrlich nicht und jeder der Parks, Gärten oder Wäldchen hat seine eigenen Qualitäten.
Auf der Óbudaer Insel - Fotos: Christian Pasche (c) Pester Lloyd
Einige Nachteile des
Großstadtlebens fallen gerade in der Sommerhitze besonders negativ ins Gewicht. Bei Lärm, Feinstaub und kleinen, stickigen Wohnungen fällt vielen Stadtbewohnern nicht selten die
Decke auf den Kopf und sie suchen nach luftigeren Zufluchtsorten außerhalb der Metropole. Da aber die Wenigsten die Zeit und das Geld haben, sich längere Zeit zur Sommerfrische aufs Land
zurückzuziehen, ist es umso wichtiger, wenn die Stadt selbst grüne Oasen zu bieten hat. Gerade in diesem Punkt können sich die Budapester nicht beklagen; überall in der
Stadt laden Grünflächen zum Verweilen ein.
Die historisierende Burg Vajdahunyad am Stadtwäldchen
Ungestörte Spaziergänge abseits des Stadtlärms
Wer einfach nur für ein paar
Stunden dem lärmenden Verkehr entkommen und ein wenig Ruhe genießen möchte, dem stehen mehrere Möglichkeiten offen. Da wäre zum einen der in sozialistischer Zeit angelegte
Volkspark (Népliget; M3 Népliget). Dieser erscheint auf den ersten Blick etwas ungepflegt, wirkt dadurch und durch seine Baumfülle
aber interessanterweise eher wie ein Wäldchen denn wie ein künstlich angelegter Park. Ähnliches gilt für den hinter dem Naturhistorischen Museum gelegenen Orczy kert
(zwischen M3 Klinikák und M3 Nagyvárad tér), der neben vielen alten Bäumen auch einen pittoresken kleinen See zu bieten hat. Direkt neben dem Orczy kert befindet sich
zudem der Botanische Garten der Eötvös-Loránd-Universität, der wegen seiner exotischen Pflanzen und „verwunschenen“ Gestaltung auch einen Besuch wert ist (Mehr dazu hier)
Mit einem etwas morbiden Charme präsentiert sich der Kerepeser Friedhof in der Nähe
des Keleti-Bahnhofs (Kerepesi temető; Tram 24 Dologház utca). Der 1847 eröffnete Friedhof ist einer der wichtigsten Orte ungarischer Erinnerungskultur und beherbergt
die wichtigsten Persönlichkeiten aus den letzten 150 Jahren ungarischer Geschichte (Mehr dazu hier) Zudem ist die Grabanlage aber auch ein wunderschöner baumreicher
Park, der zu langen Spaziergängen einlädt.
Ein wenig weiter vom Stadtzentrum entfernt ist die Óbuda-Insel (Hajógyári-sziget; HÉV
Árpád híd oder Filatori gát), auf der auch jedes Jahr im Sommer das große Sziget-Musikfestival stattfindet. Außerhalb der lauten Festivaltage ist gerade der
Nordteil der Insel ein Hort der Ruhe. Man könnte fast meinen, man wäre weit raus aufs Land gefahren, so viele wilde Wiesen und Waldstücke findet man hier. Ein Stück (fast)
unberührter Natur, aber doch ein Teil von Budapest.
Im Károyli Garten
Noch etwas weiter rausfahren muss man, um in den Budaer Bergen wandern zu gehen. Von der
Tramstation „Városmajor“ (Tram 59/61) aus nimmt man hierfür die Zahnradbahn, die ca. alle zwanzig Minuten in die hügelige Landschaft hinaus- bzw. hinauffährt. Oben angekommen erwartet den
Wanderfreund nicht nur ein atemberaubender Ausblick auf Budapest und das Umland, sondern auch viel frische Luft und gepflegte Wanderwege für die Erkundung der Hügelwelt (Mehr dazu hier)
Freizeitgestaltung unweit des Zentrums
Wem das ganze Spazieren und Wandern zu langweilig ist, aber doch frische Luft
schnappen will, der sollte eventuell das Stadtwäldchen in Betracht ziehen (Városliget; M1 Hősök tere). Auf 1,2 km² verteilt finden sich hier nämlich neben riesigen
Grünflächen, einem See und der 1896 bis 1908 nach historischem Vorbild errichteten Burg Vajdahunyad auch diverse andere Freizeitmöglichkeiten. Das Széchenyi-Bad, der Zoologische Garten und der Vidám Freizeitpark bieten Unterhaltung für die ganze Familie.
Ähnliches gilt für die Margareteninsel (Margitsziget; Zugang über Margit híd oder Árpád
híd). Die grüne Oase inmitten der Donau ist bei Joggern, Spaziergängern und Liebespärchen v.a. für ihre Grünanlagen beliebt, kann aber zudem mit einem
Schwimm-, einem Strand- und einem Thermalbad, einer Open-Air-Bühne für sommerliche Konzerte und einem kleinen japanischen Garten aufwarten. Von ihrer
langen Geschichte als Ort des Glaubens zeugen die an mehreren Stellen sichtbaren Klosterruinen aus dem Mittelalter, die man bei einem Streifzug ebenfalls entdecken kann.
Am Honvéd Platz
Wer seine Freizeit am liebsten damit verbringt, mit Freunden „abzuhängen“, kann dies mitten
im Pester Zentrum am besten im Park des Erzsébet tér (M1/2/3 Deák tér) oder des Szabadság tér (M3 Arany János utca) tun.
Klein aber fein – versteckte Stadtgärten
Eher unbekannt, aber wahre
Perlen der Stadt sind die kleinen, mehr oder weniger „versteckten“ Gärten in der Innenstadt. Der wohl schönste unter ihnen ist der Károlyi kert im 5.
Bezirk (Ferenczy István utca), unweit des Nationalmuseums. Umgeben von schmiedeeisernen Zäunen befand sich dieser Garten im 19. Jahrhundert im Besitz einer
reichen Bürgerfamilie, ist aber schon seit langem für die Öffentlichkeit zugänglich. Der Garten mit seinen Blumen und Springbrunnen scheint ein Prestigeobjekt für die
Budapester Stadtverwaltung zu sein, zumindest wird hier sehr viel Arbeit und wahrscheinlich auch Geld in die Pflege der Anlage investiert.
Auch im 5. Bezirk und in der Nähe des Parlamentsgebäudes befindet sich der Honvéd
tér, der ebenfalls durch einen kleinen Garten ausgefüllt wird. Das gepflegte Blumenbeet in der Mitte des Gartens wird zu beiden Seiten von Baumreihen umsäumt, die
wohltuenden Schatten spenden und unter denen es sich vorzüglich schmökern lässt. Außerdem befinden sich in dem Gärtchen ein Kinderspielplatz und ein Basketballplatz.
Zu guter Letzt darf auch der Szent István Park im 13. Bezirk (Pozsonyi út, Trolleybus
75/76 Szent István Park) nicht unerwähnt bleiben. Der Park ist ein wenig größer als die beiden vorher genannten, aber nicht minder schön. Direkt an der Donau gelegen bietet
er schattige Alleen und ein farbenfrohes Blumenbeet mit großem Springbrunnen.
Dies sind nur die einige der vielen Möglichkeiten, um in Budapest ein wenig Natur zu
genießen. Mit ein wenig Entdeckerlust lassen sich noch einige grüne Kleinodien mehr in der Stadt entdecken. Es gibt also überhaupt keinen Grund, sich in der ungarischen
Hauptstadt die Decke auf den Kopf fallen zu lassen.
Christian Pasche
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