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(c) Pester Lloyd / 28 - 2010  BUDAPEST 13.07.2010

 

Ende einer Institution

Das Café Eckermann in Budapest hat aufgegeben

Das Ende des beliebten, länderübergreifenden Kulturtreffs im Gebäude des Goethe-Instituts von Budapest kommt für viele überraschend. Unter der Last der anhaltenden Wirtschaftskrise und einer nach eigenen Aussagen zu geringen Kooperation mit dem benachbarten Goethe-Institut, muss das Café Eckermann nach über 10 jährigem Bestehen schließen. Es war zwar nicht "das Kaffeehaus", aber es wird doch fehlen.

Auch wenn der Umzug des Goethe Instituts von der prächtigen Andrássy út an das eher abgelegene Ende der Ráday utca vor dreieinhalb Jahren dem Café sicherlich nicht gerade eine günstigere Ausgangslage einbrachte, hatte man als Außenstehender jedoch nicht das Gefühl, dass sich das Stammpublikum in großem Maße von seinem Lieblingstreff abgewendet hätte. Vor allem deutsche Expats, Studenten und Intellektuelle sorgten zumindest in den Stoßzeiten stets für ein gut gefülltes Haus, auch unsere Redaktion hielt hier des öfteren Besprechungen ab. Freilich, die Menge der Laufkundschaft dürfte am Andrássy Boulevard, nächst der Oper deutlich größer gewesen sein.

Auch im Goethe Institut scheint man von dem plötzlichen Aus des benachbarten Cafés überrascht worden zu sein. Die Beauftragte für das Kulturprogramm, Dr. Márta Nagy betont gegenüber dem Pester Lloyd, dass es seitens des Goethe Instituts stets programmgestalterische Unterstützung in Form von gemeinsamen Veranstaltungen wie Lesungen und Ausstellungen gegeben habe. Darüber hinaus seien auch die im Café ausgelegten aktuellen Tageszeitungen vom Goethe Institut zur Verfügung gestellt worden. Eine Erklärung für den wirtschaftlichen Zusammenbruch des Cafés habe man indes nicht, da beide Institutionen finanziell und wirtschaftlich unabhängig voneinander agieren.

Zuletzt fehlten zugkräftige Veranstaltungen

Die Zusammenarbeit beider Einrichtungen scheint in den letzten dreieinhalb Jahren nach dem Umzug jedoch tatsächlich nicht in dem, seitens des Eckermann erhofftem Umfang verlaufen zu sein. Eine Ursache mag in dem Umstand liegen, dass das Goethe Institut zu dieser Zeit ebenfalls mit finanziellen Einschränkungen zu kämpfen hatte. Das zu etwa zwei Dritteln vom Auswärtigen Amt finanzierte weltweite Netz der Goethe Institute, erhielt im Jahr 2007 nach Jahren des Sparens und sinkender Zuwendungen erstmals wieder mehr öffentliche Gelder.  Diese Finanzspritze war jedoch an eine umfangreiche Reform des gesamten Verwaltungsapparates geknüpft. Zudem sollte eine klare inhaltliche Ausrichtung, sprich eine Konzentration auf die Kernkompetenzen der Goethe Institute durchgesetzt werden, welche seit je her in der Vermittlung der deutschen Sprache und Kultur bestand.

 

Die mit diesem „Konzept zur Zukunftssicherung“ verbundenen Rationalisierungen mögen dazu geführt haben, dass in den letzten Jahren immer weniger zugkräftige Kulturveranstaltungen des Goethe-Instituts im Café Eckermann stattfinden konnten. In diesem Jahr engagierte sich das Goethe Institut zudem in großem Umfang in der diesjährigen Kulturhauptstadt  Pécs. Der rapide geschrumpfte Etat für das Kulturhauptstadt-Jahr sowie ständige Personalwechsel und Misswirtschaft der dortigen Verantwortlichen, verlangtem dem Goethe Institut alles ab um zumindest in Pécs ein vielfältiges Programm auf die Beine zu stellen, wie die Leiterin des Budapester Goethe-Instituts Dr. Gabriele Gauler bereits am 02.04.2010 in einem Interview mit dem Deutschlandfunk bekannt gab.

Ein herber Verlust

Die andauernde Wirtschaftskrise, welche besonders in Ungarn nach wie vor stark zu spüren ist und die daraus resultierende sinkende Konsumbereitschaft der Cafébesucher, werden ihr Übriges getan haben. Dennoch bleibt das plötzliche Ende von Außen betrachtet mit Fragen behaftet.

Schließlich konnte sich das, von dem Germanistikdozenten und Schriftsteller Wilhelm Droste geführte Café, über die Jahre einen guten Ruf erarbeiten und verfügte als Treffpunkt für deutschsprachige Budapester, Studenten und Touristen über ein durchaus attraktives Alleinstellungsmerkmal im hart umkämpften Gastronomiegewerbe. Es war zwar nicht "das Kaffeehaus", aber die Schließung ist ein herber Verlust für alle, denen das Café Eckermann über die Jahre eine liebgewonnene Einrichtung gewesen ist. Einen neuen Mieter für die Räumlichkeiten soll es bereits geben. Ob das Café in ähnlicher Form wieder auferstehen wird, ist jedoch ungewiss. Seitens des Goethe-Instituts wäre man an einer weiteren Kooperation interessiert.

Gregor Schemmel
 

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