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(c) Pester Lloyd / 28 - 2010 BUDAPEST 16.07.2010
Ein Hauch von Freiheit
Der Szabadság tér im Zentrum von Budapest
2006 wurde der weitläufige Platz im Herzen der ungarischen Hauptstadt auch im Ausland bekannt: durch Unruhen, die nach der bekannten „Lügenrede“ von
Ex-Ministerpräsident Ferenc Gyurcsány ausbrachen, wurde der Szabdság, also Freiheitsplatz, zu einem der traurigen Hauptschauplätze der gewalttätigen
Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Randalierern, die mit massiver Gewalt versuchten das staatliche Fersenehen zu stürmen. Vier Jahre später ist der Platz
nicht mehr wieder zu erkennen und attraktiver ein Treffpunkt für Jung und Alt geworden.
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In den letzten Wochen war der Platz täglich gesäumt von Fußball-Begeisterten, die mit
Fahnen, Trikots und geschminkten Gesichtern Gesänge auf ihre Mannschaften anstimmten. Die Stadt bzw. der V. Bezirk von Budapest hatte zum „Belvárosi Foci
Mozi“ (wörtlich übersetzt „Innenstadt Fußball-Kino“, in Deutschland unter dem schrecklich-schönen Begriff des „Public Viewing“ bekannt) auf den Platz im Herzen
Budapests, in Sichtweite des Parlamentsgebäudes, eingeladen. Ganz im Stile einer Weltstadt wurde der Slogan natürlich auch ins Englische übersetzt und so erwartete
man die ausländischen Gäste zum „Downtown Soccer Screening“. Allein beim Halbfinale zwischen Deutschland und Spanien war schon eine Stunde vor Anpfiff fast kein Platz mehr zu finden.
Das „Belvárosi Foci Mozi“ war Teil des städtischen Planes, den Szabadsag tér zu einem
der zentralen Treffpunkte der Budapester Innenstadt zu machen. Bereits am letzten Mai-Wochenende hatte die Stadt dort das „Belvárosi Fesztivál“ veranstaltet, das mit
Live-Konzerten und einem bunten Programm tausende Besucher auf den Platz lockte. Kurz zuvor war, praktischerweise exakt zu den ungarischen Parlamentswahlen
(Bezirksbürgermeister Antal Rogán gehört dem Fidesz an, aber ein Großteil der Finanzierung lief über die links-liberal regierte Hauptstadtkasse),
ein Großteil der Renovierung und Neugestaltung der neuen Fö utca (auf deutsch: Hauptstraße) abgeschlossen worden. In dieser nun verkehrsberuhigten Zone zwischen Kálvin tér,
Ferenciék tere und Szabadság tér sollen sich die drei Plätze nach Plänen des Architekten Zoltán Cselovszki zu neuen Herzstücken der Stadt entwickeln.(Der Pester Lloyd berichtete)
Wasserspiele vor monströsen Fassaden
Während am Kálvin tér noch die Baustelle des ewigen Projektes „Metró 4“ dominiert
und die Umgestaltung des Ferenciék tere wohl erst in naher oder ferner Zukunft angegangen werden wird, präsentiert sich uns der Szabadság tér aber schon in seiner
„Endfassung“. Besucher, die über die Fö utca ankommen, können direkt das neue Highlight des Freiheitsplatzes bewundern. Vor dem monströsen, aber mit einer
modernen Sandsteinfassade halbwegs freundlich gestalteten Gebäude der UniCredit-Bank wurden im Quadrat angeordnete und aus dem Boden schießende
Wasserfontänen errichtet. Tritt man nun auf im Boden befindliche Sensoren direkt vor den Fontänen, verschwinden diese automatisch. Das Wasserspiel wird von den Planern
natürlich als im Prinzip weltweit einmalig angepriesen. Aber unabhängig davon, ob es sich nun um die größte, schönste oder innovativste Konstruktion derart handelt, sie macht wirklich Spaß.
Gerade in der aktuellen Hitzewelle gleicht der Platz mit den Fontänen einem Freibad in Mini-Format, das natürlich vor
allem Kinder aber auch die Erwachsenen begeistert. Wer ausreichend nass und abgekühlt ist, kann es sich danach in der gepflegt wirkenden Parkanlage des Szabadság tér gemütlich
machen. Hier findet man mehrere Kinderspielplätze, zwei große Wiesen, Bänke im Schatten der Bäume und schöne Blumenbeete. Wer Lust auf Kaffee und Kuchen, einen Drink oder Snack hat, den
erwartet das kleine und etwas auf Schick gemachte „Hütte Café“ am Eingang der Tiefgarage zwischen den Wiesen.
Zweifelhafte Pläne für das ehemalige Fernsehgebäude
Eingerahmt wird der Platz, der trotz seiner zentralen Lage vom üblichen Großstadtlärm
relativ verschont bleibt, von Bankgebäuden, der US-amerikanischen Botschaft und dem Börsenpalast, der bis 2009 als Sitz des ungarischen öffentlich-rechtlichen Fernsehens
MTV diente. Der 1898 von Ignác Alpár entworfene Börsenplast wird je nach Geschmack entweder als eines der schönsten oder eines der hässlichsten Gebäude Budapests
bezeichnet und befindet sich inzwischen im Besitz des Investors Tippin Corporation. Eigentümer Michael Tippin, der den Palast für ca. 4,5 Milliarden Forint gekauft hat,
kündigt eine noch 2010 beginnende Sanierung des Innenbereiches an, in die 100 Millionen Euro investiert werden sollen. Die Fassade darf nicht verändert werden. Nach
der für 2011 geplanten Eröffnung soll das Gebäude dann Cafés, Restaurants und Geschäfte sowie im oberen Bereich Büroräume beherbergen. Inwieweit der Umbau und
insbesondere der ebenfalls verkündete Bau eines glaskugelförmigen Aussichtsturms auf dem Dach in Zeiten der Wirtschaftskrise wirklich finanziert und zudem auch zeitnah
realisiert werden kann, bleibt allerdings abzuwarten.
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Opfergedenken hinter Zäunen
Ein im wahrsten Sinne des Wortes großes Problem hat der Szabadság tér in seiner Mitte
mit dem umstrittenen Sowjet-Denkmal. Dabei stört weniger dessen poststalinistische Ästhetik als die ringsherum aufgestellten Absperrgitter, die man nach den
Ausschreitungen 2006 und den immer wieder auftretenden Schändungen anscheinend als einzige Möglichkeit zum Schutz sah. Im Sommer 2010 geben das Denkmal und seine
Gitter aber ein mehr als unpassendes und fast anachronistisches Bild mitten in einem bevölkerten und fröhlichen Park ab. Gerade bei Touristen löst dieser Anblick verwirrte
Blicke und verständnislose Kommentare aus. Unabhängig davon, was man von dem Denkmal für die im Kampf gegen die Nazis Gefallenen an dieser Stelle hält, eine
Bewachung kann auch dezenter organsiert werden.
Was am Szabadság tér im Sommer 2010 definitiv Spaß macht, ist seine entspannte und fröhliche
Atmosphäre. Bei den Ausschreitungen vor vier Jahren standen hier Autos in Flammen und auf den Stufen des Börsenpalastes lieferten sich Polizei und Demonstranten brutale
Auseinandersetzungen. Der Park wurde verwüstet und glich danach einem Schlachtfeld. Heute vergnügen sich hier Kinder, Jugendliche treffen
sich auf den Wiesen, Ältere beobachten das Treiben von den Parkbänken aus, Geschäftsleute kommen zum WM-Gucken oder einfach nur auf ein Feierabend-Bier und
Touristen machen Fotos und Pause im Schatten der Bäume. Die Lockerheit, Freiheit und das internationale Flair, in denen Einheimische und ausländische Besucher hier den
Sommer genießen, sind das, was eine Weltstadt, wie Budapest es sein will, ausmachen sollte.
Und auch Drumherum gibt es noch viel zu entdecken. Ein Tipp ist hier der
„Vásárcsarnok“, eine klassische Markthalle (ähnlich der Großen Markthalle am Fovám tér in Pest nahe der Freiheitsbrücke). Hier geht es weit weniger touristisch zu und man
findet alles an traditionell ungarischen bis internationalen Waren, was das Herz begehrt. Oder man spaziert einfach die neue Fo utca in Richtung Erzsébet tér entlang.
Hier gibt es viele kleine aber feine Restaurants und gegenüber dem Gebäude der CEU(Central European University) sollte man unbedingt einmal in die Buchhandlung
„Bestsellers Books“ reinschauen, in der neben englischsprachiger Literatur auch einige deutsche Zeitschriften und Bücher in den Regalen stehen.
Es gibt also viel zu entdecken am und um den Szabadság tér. Und wenn sich die
Stadtverwaltung noch eine sinnvolle Lösung für den Umgang mit dem Sowjet-Denkmal einfallen lässt, dann könnte der Freiheitsplatz seinem Namen auch wirklich alle Ehre machen.
Mitja Weilemann
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