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(c) Pester Lloyd / 29 - 2010 WIRTSCHAFT 19.07.2010
Später Durst
Ungarische Brauereien haben wieder ein schwaches Jahr vor sich
Im Krisenjahr 2009 verloren die ungarischen Brauerein 12% Umsatz, doch auch 2010 begann nicht besser, das Frühjahr und der Frühsommer brachten weitere
Verkaufseinbrüche von 7-8% im Vergleich zu den sowieso schon niedrigen Zahlen des Vorjahres. Diesmal war es nicht die Krise, sondern das "für die Jahreszeit
unüblich kühle Wetter", schätzt Ildikó Stefanovits ein, sie ist die Kommunikationsdirektorin der Borsodi Brauerei, einer der größten des Landes.
Im Moment atmen die Brauer des Landes etwas durch, die
Weltmeisterschaft und das Sommerwetter hilft ein wenig, die Umsätze zu stabilisieren, immmerhin muss in den zwei Sommermonaten rund ein Drittel des Jahrsumsatzes
geschafft werden. Doch der große Durst kommt fast zu spät, um die Ergebnisse noch zu retten.
Während der Markt bis Jahresende
möglicherweise einem zweistelligen Einbruch entgegensehen muss, will Borsodi wachsen, durch massives Marketing und "Innovationen", so setzt man auf ein
sogenanntes Bier mit Limonen-Geschmack und weniger Alkohol, das im Verkauf die Erwartungen schon übertroffen haben soll. Auch die PR-Abteilung von Dreher, der
anderen ungarischen Traditionsmarke, die allerdings viel älter und edler ist als Borsodi (in ausländischer Hand sind seit langem beide) sah in der Weltmeisterschaft die
Trendwende, da "die meisten Fußballfans ihren Durst mit Bier löschen". Dreher habe
über "Catering Kanäle" verschiedene "Events" angestoßen, um beim Public bzw. Private Viewing sein Bier an den Mann zu bringen. Im Vergleich zu den Vormonaten haben sich
im Juli die Verkäufe bereits verdoppelt, stellt man zufrieden fest. Dreher, die 1854 gegründete Marke, die über Schwechat und Triest nach Budapest kam ist bereits seit
längerem im Besitz der SAB, der South African Brewery, also sozusagen de jure das Weltmeisterbier...
In guten Jahren verkauften ungarische Brauereien über 7 Millionen Hektoliter Bier,
2009 waren es gerade noch knapp 6,3 Mio, 2010 könnten es schon deutlich unter 6 Millionen sein. Dennoch bedeutet Umsatzrückgang nicht automatisch ein
Gewinneinbruch, wie es Borsodi vormachte. Die konnte 2009 einen Gewinn vor Steuern von 4,3 Milliarden Forint (15,4 Mio EUR) verbuchen und damit wieder in die
Gewinnzone drehen, nach dem man 2008 noch 1 Mrd. HUF (3,6 Mio EUR) Verlust verkraften musste. Bemerkenswert ist das Plus vor allem auch deshalb, weil die
Umsätze, krisenbedingt, um 6% auf 40,6 Milliarden Forint zurückgegangen waren. Der Marktanteil des beliebten Bieres hielt sich bei rund 30%, meldete das Unternehmen.
Die Borsodi Brauerei wurde 1973 gegründet und 1991 von der belgischen Interbrew
übernommen. Nach der Fusion der zwei Riesen Interbrew und Anheuser-Busch verkaufte der neue Konzern fast seine kompletten Aktivitäten in Osteuropa, Borsodi
kam so im letzten Dezember in die Hände des Finanzinvestors CVC Capital Partners, welche die ehemaligen Ostbrauerein der Interbrew jetzt unter der Marke StarBev
führen und für Borsodi der einzige Bieter war.
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