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(c) Pester Lloyd / 30 - 2010  WIRTSCHAFT 28.07.2010

 

Fehlender Wille

Die EU wartet auf die Pläne Ungarns zu Erneuerbaren Energien

Ungarn war nicht in der Lage seinen Aktionsplan zur Erreichung des vorgeschriebenen Anteils von 13% an erneuerbaren Energien am gesamten Primärenergieverbrauch bis 2020 rechtzeitig bei der EU abzugeben. Die ursprüngliche Deadline am 30. Juni 2010 wurde nun bis zum 30. September 2010 verlängert, ob das angestrebte Ziel dadurch aber erreichbar wird, ist sehr fraglich. Es fehlt dem Land, vor allem den Politiker, an einem zielgerichteten Willen.

Hintergrund dieser Vorgaben ist der Fahrplan für erneuerbare Energien der EU aus dem Jahr 2007, welcher bis zum Jahr 2020 einen EU-weit 20 prozentigen Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Energiemix vorschreibt. Ungarns Beitrag zur Erreichung dieses Gesamtziels besteht darin, bis 2020 zumindest 13 % des eigenen Energiebedarfs aus erneuerbaren Energieträgern zu decken. Im Detail beschloss die damalige Regierung beispielsweise bis 2020 eine Erhöhung der Produktion von Ökostrom auf 9,470GW pro Jahr. (Im Jahr 2006 wurden lediglich 1,630GW Strom aus erneuerbaren Quellen erzeugt.)

Details in der Art und Weise der energiepolitischen Vorgehensweise wurden seitdem jedoch immer wieder verändert und angepasst. Bis zum 30. September muss Ungarn nun darlegen, wie es die 13 % Vorgabe zu erreichen gedenkt. Die letzten Zahlen des Ungarischen Ministeriums für Nationale Entwicklung und Wirtschaft machen deutlich, dass das Land hierfür noch einige Anstrengungen unternehmen muss. 2008 betrug der Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Energieverbrauch lediglich 5,9 %. Im letzten Jahr konnte der Anteil dann auf 7,3 % erhöht werden.

Besonders die Stromerzeugung aus Biogas hat in Ungarn in den letzten Jahren Fortschritte gemacht. (siehe unsere Beiträge dazu hier und hier). Bei der Nutzung von Solar- und Windenergie bestehen jedoch weiterhin noch Potentiale, deren Erschließung bislang oft an Bürokratie und fehlendem Willen scheiterte. Auch die Geothermie, bei der Ungarn aufgrund natürlicher Gegebenheiten beste Voraussetzungen hat, steckt noch in den Kinderschuhen, immerhin versucht ein Unternehmen in mehreren Gemeinden dezentrale Geothermiekraftwerke aufzuziehen.

Doch ähnlich wie in der Slowakei oder in Bulgarien werden von den Regierenden ganz andere Prioritäten gesetzt und die Energiepolitik in Richtung Ausbau des einzigen Atomkraftwerks Paks (Foto) für Abermilliarden von Forint vorangetrieben, das schon jetzt mehr als ein Drittel des gesamten Stroms in Ungarn erzeugt. Auch die Errichtung von großen Gas- und Kohlekraftwerken steht auf dem Plan, ansonsten engagiert man sich hauptsächlich bei einer besseren Vernetzung der regionalen Gas- und Ölpipelines und setzt auf South Stream und Nabucco sowie einen Ausbau der Flüssiggaskapazitäten, statt einen nationalen Aktionsplan für die kontrollierte aber konsequente Einführung Erneuerbarer Energien umzusetzen.

Schätzungen gehen davon aus, dass die gesamte Umsetzung der EU-Richtlinie zur Nutzung erneuerbarer Energien in Ungarn bis 2020 lediglich etwa 400 Mrd HUF, also ca. 1,4 Mrd. EUR kosten wird, jedoch auch zahlreiche positive Impulse für den Arbeitsmarkt und für Investitionen zeitigen könnte.

Gregor Schemmel / -red.


 

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