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(c) Pester Lloyd / 30 - 2010  BUDAPEST 26.07.2010

 

Entdeckungen am Paprika-Bach

Eine Wanderung zur Elsterburg von Solymár bei Budapest

Dem Lärm und der stickigen Sommerluft in Budapest für eine Weile in die Natur zu entfliehen, bedarf es keiner großen Anstrengung. Dafür sorgt das schöne Umland der ungarischen Hauptstadt mit seinen Bergen und Wäldern. Abseits ausgetretener Touristenpfade empfiehlt sich der etwa 4 km lange Spaziergang entlang des Paprikás-patak zur „Szarkavár“ in Solymár - noch ein Geheimtipp.

In den Budapester Vorort Solymár (früher eine ungarndeutsche Siedlung, Schaumar genannt) gelangt man mit der Straßenbahn 61 vom hektischen Treiben des Moszkva tér in den beschaulichen Stadtteil Hüvösvölgy, welcher Touristen vor allem als Haltestation der beliebten Kindereisenbahn in den Budaer Bergen bekannt sein dürfte. Weiter geht es von da mit dem Bus Nr. 164, etwa 10 min. zur Haltestelle Kökörcsin utca, von wo unsere Wanderung ihren Ausgang nehmen wird.

Ein paar Meter rechts von der Haltestelle führt lediglich ein unscheinbarer Pfad in den Wald, an dessen Rand nach wenigen Metern eine kleine Informationstafel auftaucht. Auf dieser ist zu lesen, dass der folgende Wanderweg Teil eines Umwelt-Projekts ist, welches von der EU und dem ungarischen Staat gefördert wird und sich den Erhalt der Naturschätze entlang des Paprikás-patak (am ehesten mit Paprika-Bach übersetzbar) genannten Flüsschens auf die Fahnen geschrieben hat. Das Schild hätte man selbstverständlich auch gleich direkt an der Straße platzieren können, so dass sich der Wanderweg auch ohne Freund Zufall finden ließe. Vielleicht widerspräche das aber in gewisser Weise dem Schutz- und Erhaltungsgedanken dieser offiziell geförderten Maßnahme. Wie dem auch sei, der Startpunkt der Wanderung zur Burg von Solymár ist gefunden. In den folgenden zwei Stunden führt der Weg stets an dem kleinen Paprika-Flüsschen entlang, welches ein ums andere mal mittels kleiner Brücken überquert werden will. 

Plätschernde Wasser und sandiger Fels

Abstecher entlang der kleinen Trampelpfade am Wildblumen gesäumten Wegesrand sind immer wieder empfehlenswert, um die vielen kleinen Wasserfälle nicht zu verpassen, welche die ganze Route entlang für ein angenehmes Plätschern im Hintergrund sorgen. Nach etwa 200 Metern ist besondere Aufmerksamkeit geboten. Hier führt ein kurzer Pfad auf der linken Seite einige Meter steil nach unten. Diese Strapaze sollten nicht gescheut werden, denn unten gibt es einen wunderschönen kleinen Wasserfall zu entdecken, welcher eine offenbar uralte Mauer durchbricht. Ein alter Staudamm oder die Überreste einer mittelalterlichen Wassermühle? Das urtümliche Ensemble aus Wasser und Steinen regt auf jeden Fall die Fantasie an.

Nur wenige Meter später folgt auch schon der nächste Höhepunkt der Wanderroute. Die imposanten Sandsteinformationen, welche rechter Hand auftauchen, erinnern eher an eine maritime Steilküste als an das typische Dolomitgestein der Budaer Berge und scheinen mit ihrem golden glänzenden Sand so gar nicht in den, ansonsten dicht bewachsenen, Wald zu passen.

Eine Wohltat für die Füße

Bald schon taucht am Wegesrand die steinerne Rózsika Quelle auf, welche offenbar auch schon vor längerer Zeit errichtet wurde, vor 8 Jahren jedoch eine umfassende Renovierung erfahren hat. Eine Hinweistafel erklärt, dass aus der Quelle leider kein trinkbares Wasser sprudelt. Auf einer Wildblumenwiese teilt sich der Weg dann kurze Zeit später. Dem linken Pfad folgend gelangt man an einen kleinen Rastplatz, der besonders von Einheimischen gerne zum Grillen und Lagerfeuer machen genutzt wird. Das Flüsschen ist hier besonders gut zugänglich und das Planschen im Wasser eine Erholung für strapazierte Füße.

Wenige hundert Meter weiter in dieser Richtung endet der eigentliche Wanderweg bereits und aus dem vormals weißen Kiesweg wird eine unbefestigte Straße. Sobald man aus dem Wald heraustritt, ist der Holzturm der Burg jedoch bereits auf einem Hügel zu sehen. (Der Weg nach links über die Brücke weist später den Rückweg zur nächsten Bushaltestelle) Um diesen zu erreichen, gilt es, das umzäunte Gelände rechter Hand zu umrunden und noch wenige Meter bergauf zu meistern. Geschafft! Das Holztor der Burg ist erreicht.

Burg Solymár - Jagdsitz vieler Adliger

Die Elsterburg von Solymár wurde gegen Ende des 14.Jahrhunderts von dem Adligen István Lackfi erbaut und diente ab dem 15.Jahrhundert verschiedenen ungarischen Königen hauptsächlich als Jagdsitz. Während der Türkenherrschaft wurde die Burg im Jahr 1541 dann fast vollständig zerstört.

Die Burganlage gehört von der Größe her zu den überschaubaren Vertretern ihrer Artund besitzt lediglich Reste der einst stolzen Mauern als Zeugnis ihrer ursprünglichen Gestalt. Dafür wurde das Gelände im Jahr 2006 mit EU Geldern liebevoll hergerichtet und beherbergt neben einer kleinen Ausgrabungsstätte auch einige Nachbildungen ursprünglicher Teile der Burg wie Schießscharten und Fensterbögen. Auf einer kleinen hölzernen Bühne finden hier heutzutage dieBurgfestspiele von Solymár statt. Eintritt ist für die Anlage übrigens nicht zu zahlen. Lediglich dreisprachige Hinweisschilder ermahnen die Besucher, bitte alles in ursprünglicher Form zu hinterlassen.

Idyllische Ausblicke

Die Burg verfügt darüber hinaus über einen hölzernen Aussichtsturm, von dem aus ein herrliches Panorama des Budapester Hinterlandes zu sehen ist. Nach genießen der Aussicht und einem kleinen Picknick ist es an der Zeit den Rückweg anzutreten. Die nächste Busstation ist nicht weit. Das Burggelände wird auf gleichem Wege wieder verlassen. Wieder an der umzäunten Wiese angekommen, wird, anstatt den ganzen Weg zurück zu laufen, diesmal die bereits beschriebene Brücke passiert. Ein paar hundert Meter weiter trifft der Weg dann auf die Hauptstraße, wo sich auch eine weitere Haltestelle der Linie 164 (községháza) befindet. Von hier sind es nur ein paar Minuten Busfahrt zurück zur Bahnstation in Hüvösvölgy. Burg Solymár ist von dieser Haltestelle daher selbstverständlich auch ohne die vorherige Wanderung zu erreichen. Vom Zentrum Solymárs ist der Weg zur Burg zudem beschildert und Parkmöglichkeiten für die Anfahrt per Auto sind ebenfalls vorhanden. Alternativ ist Solymár auch per Bahn in etwa einer halben Stunde vom Budapester Nyugati-Bahnhof zu erreichen.

Gregor Schemmel
 

 

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