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(c) Pester Lloyd / 30 - 2010  BUDAPEST 28.07.2010

 

Kitsch statt Kunst

Szentendre gibt sich wenig Mühe, seine Künstlerkolonie ins rechte Licht zu rücken

Jedes Jahr strömen tausende Touristens in Ungarns Künstlerstädtchen Szentendre und bestaunen afupolierte Barockfassaden. Besuchern, die sich für zeitgenössische Kunst und nicht für Mitbringsel aus den Souvenirläden interessieren, haben es allerdings schwer, auf ihre Kosten zu kommen.

Die Sonne brennt heiß in diesen Julitagen über den Kopfsteinpflastergässchen von Szentendre. Die Touristen flüchten unter die bunten Markisen der Souvenirläden oder die Sonnenschirme der Cafés. Das ist eine Art, das Städtchen zu erleben, mit Blick auf die restaurierten Fassaden in gelb und rot. Dabei genießt Szentendre eigentlich den Ruf, ein Künstlerstädtchen zu sein, seit sich 1926 die ersten Maler und Bildhauer hier niederließen. Doch der Ort und die Künstler, die hier heute arbeiten, scheinen nicht unbedingt daran interessiert, dieses Bild aufrechtzuerhalten. Jedenfalls fällt es dem kunstinteressierten Besucher schwer, Werke aus der in der Stadt ansässigen Künstlerkolonie zu entdecken.

Selbstverständlich stößt der Besucher an jeder Ecke auf Kunst - oder eher auf das, was man den Touristen als Kunst verkaufen möchte: Bunte Stadtansichten beispielsweise oder Porträts und Karikaturen der Besucher, in 15 Minuten angefertigt. Dass dabei die Grenze zwischen Kunst und Kitsch meist zugunsten des Letztgenannten überschritten wird, überrascht nicht.

Ambitionierte Werke soll es dagegen in der Künstlerkolonie zu sehen geben. Die meisten Besucher, die zumeist auf Deutsch oder Englisch über die Preise für Pálinkaflaschen und getrocknete Paprikaschoten parlieren, wissen von deren Existenz meist nichts. Aber woher auch? Die Schilder im Ort weisen als letzten Höhepunkt auf die momentan wegen Theateraufführungen geschlossene Kunstmühle hin, in der sonst Arbeiten lokaler Künstler gezeigt werden. Der Bogdányi utca weiterhin zu folgen, sich von den Touristenströmen zu entfernen – dazu muss man schon wissen, wo man hin will.

Nach wenigen hundert Metern findet sich schließlich auf der rechten Seite das Ziel, die Ausstellungsräume, untergebracht in einem flachen weißen Gebäude; „Galeria“ steht über dem Eingang. Doch die Türen sind verschlossen. Ein Plakat weist auf die aktuelle Ausstellung („Invenció es Intonáció“) hin. Ein Blick durch die Fenster lässt den Besucher auf einige Ausstellungsstücke schauen. Nebenan sollen eigentlich die Künstler arbeiten, doch das einzige Fenster zu Straße ist mit Folie verklebt, der Garten hinter dem Haus verwildert. Von Künstlern keine Spur, kein Mensch ist auch nur in der Nähe zu sehen. Einen Hinweis über Öffnungszeiten sucht man ebenso vergebens.

So bleibt dem Besucher nichts anderes übrig, als enttäuscht von dannen zu ziehen. Mit etwas Glück kommt man dann an einer kleinen Galerie wie der „Power Botik“ vorbei, die in halbverfallenen Räumen Kunst junger Kreativer zeigt. Das ist vielleicht nicht immer gelungen, aber diese Galerie bietet neben den meist originellen Werken einen weiteren unschätzbaren Vorteil – sie hat geöffnet.

Christian Franke

Galerie der Künstlerkolonie
Bogdányi utca 51
Kunstmühle
Bogdányi utca 32
Power Botik
Dumtsa Jenö utca
 

 

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