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(c) Pester Lloyd / 31 - 2010 WIRTSCHAFT 02.08.2010
Rückzahlungen aufgefressen
Forintverfall macht Privaten zu schaffen - Forex-Rückfall bei Firmenkunden
Während sich ungarische Firmen wieder mehr in Euro als in Forint verschulden, weil - trotz des Schwankungsrisikos - die Zinsen einfach zu verlockend niedrig
sind, versuchen die privaten Haushalte ihre Fremdwährungskredite loszuwerden und zahlen zurück was nur geht. Durch den Forintverfall der letzten Wochen, an
dem nicht zuletzt die Regierenden eine Teilschuld tragen, steigen ihre Schulden aber immer weiter.
Ungarische Firmen borgen mehr in Euro als in Forint
Zum ersten Male seit März 2009 wurden
in einem Monat zwischen Banken und Unternehmen wieder mehr Fremdwährungskredite als Forintkredite abgeschlossen. Wie die Ungarische Nationalbank in ihrem aktuellen Bericht
mitteilt, haben die in Ungarn tätigen Kreditinstitute im Juni Firmendarlehen in EUR in einem Gegenwert von 251,2
Milliarden Forint (ca. 890 Mio EUR) ausgereicht, in Forint erreichten die Kredite gerade 174,7 Mrd. HUF. Im Mai lagen die EUR-Kredite nur bei 104 Mrd., vor einem Jahr bei 138 Mrd.
Die Durchschnittsverzinsung dafür lag im Juni bei 3,24%, was auch die Motivation
erklärt, warum so viele ungarische Unternehmen das Risiko eines Forex-Darlehens nicht scheuen. Selbst bei einer schwunghaften Abwertung des Forint gegenüber dem Euro
(den es manchmal schon wegen einer Pressekonferenz eines "Wirtschaftsexperten" geben kann), liegen die Zinsen und die Gesamtbelastung für den Kreditnehmer noch
deutlich unter denen bei Forintkrediten, die vor allem durch die Inflation belastet werden. Während auf der einen Seite eine gewisse Anfälligkeit steigt, kann man den
Anstieg an Euro-Krediten auch als Zeichen steigender Investitionstätigkeit sehen, auch die Außenhandelszahlen sprechen dafür.
Auch die Disponutzung von EUR-Rahmen stieg von 174 auf den Gegenwert zu 193 Mrd.
HUF. Die EUR-Rücklagen der Unternehmen sanken um ca. 12%, auch weil die Zinsen für Guthaben bei durchschnittlich 1,58% liegen, was nicht gerade eine attraktive Anlage ausmacht.
Haushalte zahlen Fremdwährungskredite zurück - Schulden werden aber nicht weniger
Bei den Privathaushalten sieht es genau umgekehrt aus. Wie von der Politik gewünscht,
zahlen immer mehr Ungarn ihre Fremdwährungskredite zurück und nehmen neue Kredite nurmehr, bzw. in der Mehrzahl in Forint auf. Im Juni nahmen die ungarischen
Privathaushalte im Saldo 26,3 Mrd. Forint neue Kredite auf (ca. 92 Mio EUR, ohne Hypothekendarlehen), womit sich der Gesamtkreditstand für Konsum auf 2.712 Mrd.
Forint erhöht (ca. 9,6 Mrd. EUR). Im Gegenwert von 31,6 Mrd. HUF (ca. 112 Mio EUR) wurden Forex-Kredite per Saldo verringert, auf nun noch verbleibende 5.936 Milliarden
(21 Mrd. EUR). Allein der Forintverfall im Juni ließ die Fremdwährungsbelastung der privaten Haushalte um rund 500 Mrd. Forint (1,7 Mrd. EUR) ansteigen, was per Saldo
die Rückzahlungen um das Achtfache auffraß. Dafür kann man sich direkt beim Ministerium für “Nationalwirtschaft” bedanken.
Rund 10% aller Kreditnehmer in Ungarn haben Schwierigkeiten ihren Verpflichtungen
pünktlich und in voller Höhe nachzukommen, rund 700.000 private Kredite werden laut einer offiziellen Datenbanken als "säumig" bzw. kritisch eingeschätzt.
-red.
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