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(c) Pester Lloyd / 31 - 2010 BUDAPEST 02.08.2010
Japaner, Zigeuner und Gulaschsuppe
Der Gasthof „Marmorne Braut“ in Buda: Eine Touristenfalle, aber eine gute
Der Gasthof mit dem unaussprechlichen Namen Márványmenyasszony (zu deutsch „Marmorne Braut“) im 1. Bezirk rühmt sich damit, einer der letzten traditionellen
Kleingasthöfe seiner Art in Budapest zu sein. Die Tradition ist hier zwar in den letzten Jahrzehnten eher der touristisch perfektionierten Pseudo-Folklore
gewichen, davon abgesehen bekommt der Besucher aber schmackhafte ungarische Küche und freundlichen Service zu moderaten Preisen.
Leicht zu finden ist die „Marmorne
Braut“ wahrlich nicht. Ziemlich versteckt in der kleinen Seitenstraße Márvány utca unweit des Südbahnhofs und hinter einer recht unscheinbaren Hausfront wird der Passant höchstens
durch die durch das Eingangstor schallende "Folkloremusik" auf den Gasthof aufmerksam. Umso überraschender jedoch, dass das Márványmenyasszony, wenn schon
nicht jeden Abend voll besetzt, so doch immer gut besucht zu sein scheint. Gute Besucherzahlen hat das Restaurant auch nötig, immerhin müssen die Besitzer bei
der Renovierung 1997 einiges an Geld investiert haben, um die drei Gasträume, den gewölbeartigen Weinkeller und den kastanienbestandenen Innenhof-Biergarten wieder auf Vordermann zu bringen.
„Typisch ungarische“ Touristen-Folklore
Man gibt sich betont traditionsbewusst. Die Geschichte des Gasthofes ginge bis ins Jahr
1793 zurück, sagen die Betreiber. Damals sei man einer der beliebtesten Treffpunkte des Stadtteils Krisztinaváros gewesen. Auch die Speisekarte erzählt (angenehmerweise auch auf
Deutsch und Englisch) zunächst auf der ersten Seite die hübsche Geschichte von der „Marmornen Braut“, der Namensgeberin des Lokals, bevor sie zur Auflistung von
Speis und Trank übergeht. Passend zur ungarischen Hausmannskost, die hier größtenteils offeriert wird, ist auch das
Interieur eher rustikal gehalten. „Typisch ungarisch“ eben, wie es der zumeist touristische Gast gerne hat.
Apropos Touristen: es ist unschwer zu erkennen, dass man sich auf anspruchsvolle
ausländische Kundschaft spezialisiert hat. Neben der polyglotten Speisekarte und den zuvorkommenden Servierkräften bedient man mit der unausweichlichen
“Zigeuner”-Liveband und buchbaren Folklore-Shows auch gern die klischeebehafteten Erwartungen der touristischen Klientel. Der Erfolg bei der Zielgruppe ist offensichtlich:
das Márványmenyasszony scheint sich zu einer Standardadresse für japanische und chinesische Reisegruppen entwickelt zu haben.
Gut gefüllte Teller zu moderaten Preisen
Trotz oder gerade wegen der
touristischen Vereinnahmung ist die „Marmorne Braut“ aber ein empfehlenswertes Lokal. Die Auswahl an Speisen ist umfangreich, von Schwein und Rind über Geflügel und Wild bis
hin zu einzelnen Fischgerichten ist für jeden Geschmack etwas dabei. Natürlich überwiegt Deftig-ungarisches; wer leichte Küche favorisiert sollte sich
also eher anderweitig umsehen. Die Macher haben zudem definitiv weder am fähigen Küchenpersonal noch an den Portionen gespart, den Besucher erwarten prall gefüllte
Teller und schmackhafte Hausmannskost.
Die Getränkekarte bietet gute Tropfen aus diversen ungarischen Weingebieten. Sehr untypisch für
eine Touristenfalle aber sind die Preise, die sind hier nämlich sehr moderat gehalten. Für ein Hauptgericht bezahlt man zwischen 1.300 und 3.000 HUF (ca. 4,50 bis 10,50 Euro), was bei
der erwähnten Portionsgröße mehr als fair ist. Für ein durchschnittliches Abendessen für zwei Personen mit Hauptgericht, Dessert und einer Flasche Wein
darf man mit circa 30 bis 40 Euro rechnen. Die unsägliche Servicepauschale gibt es hier nicht, ein Trinkgeld von etwa 10% sollte einem die Freundlichkeit der Servierkräfte aber
wert sein. Und eben dies macht den Unterschied dieser "guten" zu den "schlechten" Touristenfallen aus. Der Pseudo-Folklore-Show schließt sich dort neben auch noch eine
Küchenleistung an, die bis auf die hohen Preise meist eben nur Show zu bieten hat.
Aufgrund des guten Essens und der fairen Preise gehört das Márványmenyasszony
definitiv zu den empfehlenswerten Restaurants mit ungarischer Küche. Wer zudem dem Touri-Charme und der folkloristischen Musikuntermalung etwas abgewinnen kann,
für den ist der Gasthof sowieso die richtige Adresse. Für alle anderen gilt: Zigeunerfolklore und japanische Touristen möglichst mit Humor nehmen und sich voll
und ganz aufs Kulinarische konzentrieren.
Christian Pasche
Márványmenyasszony Márvány utca 6., 1012 Budapest Öffnungszeiten: Mo-So 12-24 Uhr
Tel.: (1) 487-3090 oder (1) 225-1470 (Tischreservierung im Hauptgastraum empfehlenswert) www.marvanymenyasszony.hu
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