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(c) Pester Lloyd / 31 - 2010  WIRTSCHAFT 02.08.2010

 

Schwarzarbeit oder Know-how-Transfer?

Die ungarische MOL soll etliche Mitarbeiter “illegal” bei INA in Kroatien beschäftigen. Das Unternehmen spricht von Know-how-Transfer.

Der ungarische Energiekonzern MOL hat - einmal wieder - Ärger bei seiner Beteiligung in Kroatien. Laut eines Berichts des kroatischen Staatsfernsehens und der Wochenzeitung Nacional soll der Konzern bis zu 300 Mitarbeiter illegal, d.h. ohne Aufenthalts- oder Arbeitserlaubnis bei der kroatischen Gesellschaft INA beschäftigen. Untersuchungen laufen im Parlament, Strafen drohen. MOL spielt die Sache runter.

Diese Vorwürfe wurden am Mittwoch auch in einem Untersuchungsausschuss des kroatischen Parlaments laut, der sich mit Unregelmäßigkeiten bei der INA-Privatisierung auseinandersetzt und dabei die zwielichtige Rolle ehemaliger koratischer Amtsträger und Politiker untersucht. MOL hat mit seinen 47% an INA zwar keine absolute Mehrheit, übt alle Managementrechte aber faktisch allein aus, weshalb illegale Einstellpraktiken direkt auf den ungarischen Energiemulti zurückfallen.

Auf Anfrage des Pester Lloyd erklärt die MOL heute, dass “rund 50 Experten, aus Ländern, in denen MOL aktiv ist, hauptsächlich aus Ungarn und der Slowakei, bei INA beschäftigt sind, was rund 0,5% der Gesamtbeschäftigtenzahl ausmacht.” Weiter heißt es, dass “nur deren Wissen und Erfahrung Gewähr dafür bieten, die Geschäftsziele zu erreichen.” Man sollte ihre Anwesenheit “nicht schlecht machen”, im Gegenteil, man sollte dies lieber “als Wissenstransfer für die lokalen Kräfte” begreifen, “die zukünftig deren Position vollständig einnehmen sollen.”, so die INA-Presseabteilung zu dieser Zeitung. Dass mit den arbeitsrechtlichen Anmeldungen alles vollständig rechtens gewesen sei, behauptet MOL indes nicht, sondern umschreibt die Lage so: “Alle MOL-Angestellten, die, unter den relevanten Gesetzen, in Kroatien Steuern zahlen sollen, tun dies.” (was nicht ausschließt, dass sich einige Mitarbeiter gar nicht unter diesen relevanten Gesetzen befinden) und: “zur Regelung deren Status´ sind wir in kooperativem Kontakt mit dem Innenminsiterium”. Zudem verweist MOL darauf, dass sich auch INA-Mitarbeiter an MOL Standorten in Ägypten, Ungarn und Syrien bewegen. Es wird aber nicht erläutert, ob mit kroatischen oder örtlichen Arbeitsverträgen. Zusammengefasst, MOL weist die Schuld systematischer Schwarzarbeit von sich, dementiert aber nicht, dass es in einigen Fällen wohl eine Art Anpassungsbedarf geben könnte.

 

Glaubt man dem Vorsitzenden des parlamentarischen Ausschusses in Zagreb, Goran Maric, so handelt es sich bei den besagten Mitarbeitern keineswegs um bloße Tankstellenwarte ohne Papiere. Vielmehr beschäftige die INA 300 Manager und Fachleute aus dem Ausland unrechtmäßig in Kroatien, deren Gehälter aber in Ungarn ausgezahlt würden, was neben der Unrechtmäßigkeit auch einen zählbaren Steuer- und Abgabenschaden ergäbe. Bedenkt man, dass die MOL ein Quasi-Staatsunternehmen ist, wird auch die politische Dimension einer solchen Verfehlung sichtbar.

Man könne momentan allerdings keine genaueren Angaben zur Sache machen, da die Ermittlungen noch im Gange seien, sagen die kroatischen Untersucher. Sollte sich der Verdacht bestätigen, droht der INA eine Geldstrafe von zumindest einer Million Kuna (ca. 138.000 Euro). Maric meinte zudem, dass er das unprofessionelle Verhalten der INA für einen Schlüsselfaktor der Liquiditätsprobleme der kroatischen Regierung halte.

Die jetzigen Vorwürfe sind nur die Spitze einer bereits länger andauernden Auseinandersetzung der MOL mit dem kroatischen Staat. Erst im Dezember 2009 hatte der kroatische Präsident Stjepan Mesic eine Überprüfung des Verkaufs von INA-Aktien an den ungarischen Konzern gefordert. Siehe unseren Bericht.

Die MOL hat viel Geld und Energie in die Umstrukturierung der kroatischen Beteiligung gesteckt, die, gemessen an der Gesamtgröße von MOL, ein ziemlich großer Brocken ist, für den sich allerdings auch andere interessieren. So versucht der staatlich gelenkte russische Konzern Surgutneftegas mutmaßlich sein 21,2%-MOL-Aktienpaket (was man zuvor von der OMV erworben hatte) als Druckmittel für die INA-Anteile der MOL einzusetzen. Es wäre also durchaus denkbar, dass die jetzigen Vorwürfe auch im Eigeninteresse einer in- oder ausländischen Drittpartei lanciert sein könnten, auch wenn die Sachlage dadurch nicht besser wird. Der MOL ist im Lichte der großen strategischen Auseinandersetzungen nur zu empfehlen, alle Zweifel auszuräumen und sich auch bei solchen Formalien unangreifbar zu machen. Nicht zuletzt hat das größte Unternehmen des Landes eine Vorbildwirkung auf andere, die gerade in Ungarn Not tut.

-cp. / -red.

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