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(c) Pester Lloyd / 31 - 2010  TOURISMUS 12.08.2010

 

Eingebettet in Bad Gastein

Europäischer Hof mit Qualität und Gelassenheit auf dem Weg zum fünften Stern

Eine Welt in sich ist es, in die man ins Gasteinertal hinein kommt. Man fährt zunächst in Richtungen Salzburg sehr nahe an die Stadt und kommt sich wie ein rechter Snob vor, wenn man an ihrer Ausfahrt zur Festspielzeit, wo dort Stars und Gäste aus aller Welt sich tummeln, scharf nach Süden abbiegt, um sich Zonen der Ruhe zu suchen. Das aber immer mit dem Wissen, dass man nicht allzuweit vom Parnass entfernt ist und praktisch jederzeit hineinstürzen könnte ins volle Kulturleben.

Etwa 60 km weiter passiert man Dorf Gastein, dann Bad Hofgastein und schließlich Bad Gastein - sozusagen als Höhepunkt. Man taucht ein in ein von hohen bewaldeten Bergen eng umstandenes Tal mit den typischen Häusern mit Holzbalkons und schönen Blumen. Am Talgrund und auf den Höhen stehen represäntative Hotelbauten aus verschiedenen Zeiten. Kurz hinter dem Orteingang Badgastein, ja auch diese Schreibweise wurde gesichtet, steht der Europäische Hof und winkt mit sieben Anspruchs-Sternen am Schilde, obwohl das hinter dem Entrébereich befindliche Hauptgebäude mit Balkons, im Weiß-Braun-Optik eher auf die achtziger Jahre verweisen, wo diese Sterne mehr noch am Himmel standen.

Das sehr gepflegte 4-Stern-Hotel formuliert so seine Ansprüche für die Gäste. Große Foyers, Kaffeehaus inklusive, führen zur Rezeption, wo die Gäste sehr zuvorkommend begrüßt werden und der Kofferservice die Damen Standes gemäß mit „gnädige Frau” anspricht. Und „das passt”, wie die Österreicher sagen, wenn etwas gut ist. Hier verbindet im Hotel wie draußen der Charme, die Langsamkeit der k.u.k.-Zeit mit ihren Sisi-Hotels und Casino-Bürgertum, der immer anwesenden erhabenen Landschaft, alten Kirchen, die, - nicht alle im Barock - mit gotischem Altar die frühe Kultur beweisen. Eine Fülle gepflegter Restaurants und Kaffeehäusern warten auf.

Sogar die Krise ist hier studierbar, wenn auch in besonders perfider, rachsüchtiger Art eines zu reich gewordenen Wieners. Genau dort nämlich, wo es im Zentrum der Stadt weh tut, wo einst Grillparzer, Johann Strauss jun. und der Schubert Franzl wohnten, hat ein Immobilienhai schöne alte Destiantionen aufgekauft und vernagelt, somit wohl seine eigene Visitenkarte angebracht. Davon unbeeindruckt rauscht der Gasteiner Wasserfall quer durch die Stadt wie eh und je und sein Dröhnen schreit den Stadtforderern ins Bewusstsein, wie ein Parkhaus vielleicht angestrichen gehört, damit es die schöne Ansicht weniger stört. Der Eingang zum zentral gelegenen Parkhaus jedenfalls verschwindet diskret im Felsen zwischen den Gebäuden und so dezent sollten die Betondecks auch verkleidet werden.

So großartig ist die Stadtanlage, dass nicht einmal das gerade Beschriebene den guten Eindruck vernichtet. Der entsteht immer wieder durch den liebevolle Umgang der Bewohner mit ihrer Heimat, durch die Menschen, die hier leben und die vielen Stammgäste. Solche Klein-Schätze wie das Dampfhäusel, wo man Bäder und Massagen anbietet, mit Herz restaurierte Holzhäuser, moderne Umbauten mit Geschmack zum Althergebrachten kombiniert, oder auch nur einer zutraulichen Katze, die vor der Bäckerei Streicheleinheiten einsammelt.

Zurück zum Europäischen Hof, wo uns im Foyer eine lebensgroße Statue vom Franz Schubert wartet. In den Jahre 1825 war er in Bad Gastein und hat unter dem gewaltigen Natureindruck zwei Lieder hinterlassen: „Die Allmacht” und „Das Heimweh”. Außerdem hat er hier an seiner C-Dur Sinfonie weiter gearbeitet.

Die erfahrene Hotelchefin, Frau Gabriele Obermair, die wir bereits in im Grandhotel Bad Hofgasteien kennen lernen durften, empfängt uns an ihrem neuen Wirkungskreis. Sie hat Pläne für die Erneuerung der Zimmer, die uns mit ihrem warmen Weichholzmöbeln wohnlich empfangen. Es soll eine Vereinheitlichung der Gestaltung von einzelnen Bereichen erfolgen und der Schwimmhallenzugang vom Durchgängen separiert werden. Sie freut sich über den bereits in der hauseigenen Gasteiner Therme, im umgestalteten Sauna- und Wellnessbereich (auf dem Foto das Dunstbad) in der Unteretage neues Flair erreicht zu haben. Wer aber die Bad Gasteiner Therme in der Stadt besuchen will, dem seien die Radonbehandlungen, nach ärztlicher Vorbesprechung, empfohlen.

Im Hotel hat man den Eindruck sinnvollen Unternehmertums. Das Gewachsenen ist gepflegt, Neuerungen werden überlegt eingepasst. Das Hotel profitiert von der unmittelbaren Nähe zum 18-Loch-Golfplatz. Generell dominiert der Genusssport, zu dem auch Wandern, Reiten und Radfahren gehören. Im Winter können die Besucher zwei Bahnen auf den Stubnkogel zur Skischaukel wählen, wo natürlich die ganze Breite des Wintersports in über 2.000 Metern und Abfahrten aller Schwierigkeitsgrade gehört. Die neueste Sensation dort ist eine 150 Meter lange Hängebrücke über einem Tal, wo Familien ihren Gleichgewichtssinn testen und einen herrlichen Blick in die Landschaft genießen dürfen. Die Größe des Hotels bietet viele Möglichkeiten im technisch modern ausgestatteten Schulungs- und Konferenzbereich, wozu auch Internet auf allen Zimmern gehört. Für Firmen- und Familienfeiern ist es bestens eingerichtet. Frau Obermair freut sich über die vielen langjährigen Mitarbeiter im Haus, was Ausdruck eine guten Betriebsklimas ist. Darunter sind auch einige bestens integrierte ausländische Mitarbeiter.

Der Restaurantservice ist erstklassig. Die Küche ist mit ihrem Gasteiner Chef ambitioniert, ohne durch Masse oder Schwere punkten zu wollen. Ein asiatisches Abendmenü verband eine Reihe von interessanten Vorspeisen und Hauptgerichten. Die traditionelle österreichische Küche wurde elegant  geboten und mit angenehmen Desserts und guten Weinen dargereicht. Selbstverständlich stehen dabei einheimische Produkte im Mittelpunkt. Die Direktorin verwies auch auf den schön gestalteten Kinderclub, was bedeutet, dass Familien mit Kindern willkommen sind, aber das Hotel als ganzes nicht vordergründig mit Kinderbetreuung aufwartet.

Die Preise zeigen eine Differenzierung für die jeweiligen Altersgruppen. Aus dem allgemein auch hier anzutreffenden „Billigkrieg” will sich das Haus heraushalten, um die erreichte Qualität zu sichern und sich den angestrebten Weg zum fünften Stern nicht zu verbauen. Dennoch sollte vielleicht über ein paar Vorzugspakete zu bestimmten Terminen und für bestimmte Gästegruppen – z.B. auch aus Ungarn - nachgedacht werden, um damit die Auslastung auch in den schwächeren Monaten weiter steigern zu können. Aber das muss die engagierte Direktorin Obermair mit ihrem motivierten Team nach ihren Erfahrungen letztlich selbst entscheiden...

E. Figura

Kontakt:
Hotel EUROPäISCHER HOF, A-5640 Bad Gastein, Miesbichlstr. 20
Tel.: ++43 6434 2526 0, Fax: -262,
office@europaeischerhof.at
www.europaeischerhof.at

 

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