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(c) Pester Lloyd / 33 - 2010 WIRTSCHAFT 17.08.2010
Alter Ballast, neue Fäule
Auch Erste und FHB kämpfen mit Anstieg notleidender Kredite in Ungarn
Wie die OTP-Bank, Branchenprimus in Ungarn, die für das zweite Quartal einen Gewinneinbruch von 37% meldete, leiden auch die anderen Banken unter den
wieder massiv und sprunghaft steigenden Risikorücklagen für notleidende Kredite, die im wesentlichen nichts weiter sind als Umschreibungen für Abschreibungen.
Nun legten auch die Hypothekenbank FHB und die Erste ihre Zahlen vor, die belegen, dass sich die Situation der privaten Kreditnehmer immer weiter verschlechtert.
Entlarvende Werbesujets der FHB-Bank: Kunden als wandelnde
Kreditrate mit der Familie auf dem Buckel und schwimmend ohne Sauerstoffflasche..., Abb: FHB
Die FHB wies zwar wiederum einen Gewinn aus, von 1,3
Mrd. Forint (ca. 4,6 Mio EUR), dieser ist aber um über 50% geringer als im Vergleichsquartal des Vorjahres, das, wir erinnern uns als das Krisenjahr bezeichnet wird. Der
Anteil notleidender (non-performing) Kredite im gesamten Portfolio der noch überwiegend im Besitz von ungarischen Anlegern
befindlichen FHB stieg von 4,25 auf 5,06% in nur drei Monaten, vor einem Jahr lag er nur bei 2,77%, was verdeutlicht, wie sehr sich allgemein die Situation der privaten Kreditnehmer in Ungarn verschlechtert, ja eigentlich schon von einer neuen
Krise, bzw. einer verschärften Fortsetzung der alten zu sprechen ist. Zwar sind die Privatkreditnehmer Monat
für Monat Nettorückzahlern, d.h. sie zahlen mehr Geld zurück als sie neu aufnehmen, ihre Kreditbelastung wird durch den Forintverfall trotzdem nicht geringer, im
Gegenteil, sie stieg binnen 3 Monaten um über 500 Milliarden Forint.
In einem nicht gerade beruhigenden Apell unterbreitet die FHB auf der Startseite ihrer
Webpräsenz (http://www.fhb.hu/) den Kunden ein Angebot, dass diese möglichst nicht ablehnen sollen: nämlich den schleunigen Umtausch ihrer Franken-Kredite in Forint,
sogar zu verminderten (gestreckten) Raten, Hauptsache raus aus der unberechenbaren Fremdwährung. Insgesamt hat die Bank, die sich selbst als "die Familienbank"
bezeichnet, im zweiten Quartal 1,87 Mrd. Forint an "Risikoprovisionen" weggelegt, nochmals fast 18% mehr als vor einem Jahr.
Die Erste Bank Ungarn, Tochter der Erste Group Österreich, verminderte ihren Gewinn
im ersten Halbjahr um knapp 70% auf noch 12,6 Mio EUR, die Rücklagen für notleidende Kredite stiegen hingegen um 76% auf knapp 114 Mio EUR, wohlgemerkt in
nur einem halben Jahr! Im Gegensatz zur FHB hat die Erste aber die Kosten besser im Griff. Während da die operativen Kosten anstiegen, senkte die Erste das
Kosten-Umsatz-Verhältnis von 48,7 auf 40,5%.
Für die Banken in Ungarn dürfte auch das dritte Quartal nicht erfreulicher werden. Die
Währungsrisiken des Forint bleiben ohnehin bestehen, hinzu kommt noch die erste Rate der Bankensondersteuer, die sich aufgrund der Bilanzsumme errechnet, weshalb auch
Risikorücklagen oder Kapitalreserven diese nicht verringern. Gerade die Erste Gruppe intervenierte mit großer Härte gegen diese Sondersteuer und wandte sich sogar an den IWF, was nicht unwesentlich zum Bruch der Ungarn mit diesem beitrug. Im Unterschied
zu vielen ihrer Kunden, das sei am Rande doch erwähnt, machen die Banken aber noch Gewinne.
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