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(c) Pester Lloyd / 34 - 2010 BUDAPEST 23.08.2010
Kein Stein in der Suppe
Das Restaurant Kőleves: junge, inspirierte Küche im jüdischen Viertel von Budapest
Die Fabel von der Stone Soup, ungarisch „Kőleves“, existiert in unzähligen Variaten. Doch zumeist geht es darum, aus wenig viel zu machen – ein Konzept, das sich auf
das nach dieser Geschichte benannte Restaurant im VII. Bezirk übertragen lässt. Man findet keinen Stein in der Suppe, sondern die Erkenntnis, für relativ wenig
Geld in entspanntem Ambiente gut gegessen zu haben.
Reisende waren, so erzählt es die populärste
Version, mit nichts außer einem Topf in ein Dorf gekommen. Die Bewohner wollten jedoch kein Essen teilen. Deshalb warfen die Reisenden einen Stein in ihren Topf und behaupteten, dass daraus
ein schmackhaftes Mahl würde – die „Stone Soup“. Lediglich einige wenige Zutaten würden fehlen. Die neugierigen Bewohner steuerten schließlich jeder
eine Kleinigkeit bei, sodass die hungrigen Reisenden und die Bewohner satt wurden.
Ins Kőleves muss natürlich niemand etwas zu essen
mitbringen, dafür nimmt der Gast etwas mit – nämlich die Erkenntnis, für relativ wenig Geld in entspanntem Ambiente gut gegessen zu haben. Dabei setzt das Lokal auf einfache, frische Zutaten
und führt diese zu überzeugenden Kombinationen zusammen. Dass sich das „Kőleves“, das sich selbst eine “Restobar” nennt, dabei an ein junges,
internationales Publikum richtet, erkennt man nicht nur an der Lage mitten im Ausgehviertel der Elisabethstadt, sondern auch an der Einrichtung: Weingläser, wie ein
Strauss Blumen um eine Glühbirne gebündelt, sorgen für Beleuchtung von oben. Von der Seite scheint das Licht durch eine umfunktionierte Käsereibe. Auch bei den Gerichten
setzt sich dies fort. Das „Kőleves“ bedient mit seiner Mischung aus traditioneller und junger Küche anscheinend genau die Wünsche der Expat-Klientel in den Zwanzigern.
Dementsprechend gut sind auch die Englischkenntnisse des in der Regel freundlichen, aber besonders ab 20 Uhr auch viel beschäftigten Service.
Bei einem ersten Besuch wurde das traditionell jüdische Sólet probiert, eigentlich nicht
gerade ein klassisches Sommeressen. Wie erwartet, erwiesen sich die baked beans, die mit Gänsebrust (im Original eigentlich mit -keule) und einem gekochten Ei serviert
werden, als mächtig, aber sehr schmackhaft. Das Gericht steht nur freitags und samstags für 1500 Forint (5,35 Euro) auf der Karte. (Jeden Tag und eine Klasse besser ist es im Fülemüle zu bekommen, dafür ist der Preis dort entsprechend höher.)
Beim zweiten Besuch preisten meine
Begleiterinnen die Pappardelle mit frischem Spinat und getrockneten Tomaten (1540 Ft; 5,50 Euro) als sehr empfehlenswert an; besonders die Tomaten hätten für einen
fruchtigen Aha-Effekt gesorgt. Als Begleitung sind verschiedene ungarische Weine der Jackfall-Kelterei zu haben. Ebenfalls zu überzeugen wusste die mit Ziegenkäse überbackene
Hähnchenbrust mit rotem Pesto auf Kartoffelspalten (1980 Ft; 7,10 Euro, unser Foto). Der Beilage fehlte zwar etwas Salz, aber das machte der gute, weil relativ
milde und damit zum Hähnchen passende, Ziegenkäse locker wett. Die Portionen sind ausreichend groß, lassen aber Platz für ein Dessert. Empfehlenswert: Der jüdische
Matze-Kuchen mit Mohn, Walnuss und Apfel oder der Apfelkuchen mit Rhabarber (650 bzw. 750 Forint; 2,30 bzw. 2,70 Euro).
So gestärkt steht einem langem Abend im dynamischen Kneipenviertel des VII. Bezirks
nichts im Weg. Und wer kurze Wege mag, kann direkt neben dem Restaurant ein Kaltgetränk genießen – im Biergarten des „Kőeves“.
Christian Franke
Kőleves Restobar Dob utca 26., Ecke Kazinczy utca, 1075 Budapest
täglich geöffnet, 12 bis 14 Uhr (Biergarten 12 bis 2 Uhr, Freitag und Samstag bis 3 Uhr) www.koleves.com
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