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(c) Pester Lloyd / 34 - 2010
POLITIK 23.08.2010
Die heilige Rechte
Ungarn feierte seinen wichtigsten Nationalfeiertag
Am Freitag beging Ungarn seinen wichtigsten Nationalfeiertag, den Tag des Heiligen Stephan. Das schon immer große nationale Pathos bei den öffentlichen Auftritten
der staatlichen Würdenträger wurde diesmal in manchen Fällen fast ins Absurde übersteigert. Das Volk nahms wie immer gelassen und feierte an der Donau und auf
Volksfesten, was immer es zu feiern gibt.
Ungarn hat drei offizielle Nationalfeiertage, neben diesem noch den 15. März (bürgerliche Revolution
von 1848, Kampf gegen Habsburg) sowie den 23. Oktober, in Erinnerung an den Volksaufstand 1956. König Stephan I., aus dem Hause der Árpáden, gilt als Staatsgründer Ungarns, der das
Land, zum Teil gegen den Widerstand aus der eigenen Familie um das Jahr 1000 an die römisch-katholische Kirche band und das Volk christianisierte, u.a. mit Hilfe bayerischer
Ordensbrüder und dem Schwerte. Als sein eigener Sohn verunglückte, ließ er die konkurrierenden Thronerben foltern und deportieren. Seine Regierungszeit gilt als der Beginn der Staatlichkeit
Ungarns.
Berittene, historisierende Husareneinheiten defilieren am Präsidenten vorbei, Fotos: Ungarisches Präsidialamt, www.keh.hu
Die offiziellen Feierlichkeiten umfassten, wie jedes Jahr, eine morgendliche militärische
Huldigung vor dem Parlament, an dem sowohl die höchsten Repräsentanten der Republik, Präsident Pál Schmitt, Premier Viktor Orbán und Parlamentspräsident László Kövér
teilnahmen, als auch Botschafter und Kirchenvertreter. Auf dem Heldenplatz wurden Absolventen der Militärakademie als Offiziere vereidigt, wobei der Präsident Schmitt
"Heimattreue, wenn nötig bis in den Tod" einforderte und in mächtigen Worten von der
"Sendung Ungarns", dass "eine Mission in der Welt habe", fabulierte. Das Land sei allein
schon deshalb etwas besonderes, weil es so viele "heilige" Könige hervorgebracht habe. Liebe zur Nation und die seelische Stärkung für die Zukunft seien die Aufgaben der
Stunde, nicht Selbstverleugnung und Vernachlässigung der Traditionen, sagte Schmitt, und dass "etwas Großes" im Gange sei, dass Ungarn in eine glücklichere Zukunft führen
kann, woran sich eine militärische Fliegerschau anschloss.
Gratulationen der NATO-Alliierten auf dem Budapester Heldenplatz
Auf der Donau wurde weiterhin ein Kriegsschiff aus dem ersten Weltkrieg, die Monitor Leitha,
nach langer Restaurierung übergeben und "wieder"-getauft, ein erster Erntedankumzug fand über die Kettenbrücke statt. Um 17 Uhr erfuhr die Zurschaustellung
der bedeutendsten Reliquie der ungarischen katholischen Kirche - die "Heilige Rechte", angebl. die rechte Hand des Hl. Stephans - ihre jährliche Wiederholung im
Rahmen einer Messe und Prozession in der Szent István Basilika und drumherum. Tags darauf versprach der Vizepremier Zsolt Semjén, von der christlich-fundamentalistischen
Fidesz-Anhängselpartei KDNP, dem lateinischen Patriarchen von Jerusalem, die maximale Unterstützung seitens des Staates bei der Förderung von Pilgerreisen ins "Heilige Land".
Die “Heilige Rechte” zur Faust geballt im Schrein
Viele Volksfeste im ganzen Land, darunter die "Gastromeile" am Donauufer, boten Labung und
Vergnügungen für das Volk, das traditionelle Feuerwerk über der beeindruckenden Donaukulisse vor mehr als hunderttausend Zuschauern beendete den Feiertag. Flankiert wurde der Nationalfeiertag
von Auftritten ungarischer Politiker der
Regierungspartei in Rumänien bei den "ersten ungarischen Tagen" in Siebenbürgen sowie einem Ausflug des ehemaligen Präsidenten Sólyom zu einer Stephans-Statue im slowakischen Komárno, der ihm noch vor Jahresfrist verweigert wurde.
-red-
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