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(c) Pester Lloyd / 35 - 2010  NACHRICHTEN 30.08.2010

 

Goethe-Medaille an Ágnes Heller

Die ungarische Philosophin Ágnes Heller ist am Sonntag in Weimar mit der Goethe-Medaille ausgezeichnet worden. Der undotierte aber offizielle Orden wird seit 1955 jährlich für Verdienste um die Pflege der deutschen Sprache und die Förderung der internationalen kulturellen Zusammenarbeit verliehen. Neben Heller haben der libanesische Lyriker Fuad Rifka und der Amerikaner John Spalek die Auszeichnung in diesem Jahr erhalten. Die Zeremonie fand am 261. Geburtstag Johann Wolfgang v. Goethes an dessen einstiger Wirkungsstätte statt. Preisträgerin Ágnes Heller wurde 1929 im Budapest geboren. Sie studierte bei György Lukács Philosophie, wurde von ihm promoviert und arbeitete als seine Assistentin. 1977 ging sie ins politische Exil nach Australien, 1986 als Nachfolgerin von Hannah Arendt nach New York.

In seiner Laudatio erklärte das Goethe Institut, man ehre „… Ágnes Heller für ihr Lebenswerk, das über 40 Buchtitel umfasst. Darin spiegelt sich ihre persönliche Biografie wider, die stark geprägt ist durch die bewegte Geschichte des 20. Jahrhunderts: die Barbarei des Nationalsozialismus, der ihr Vater zum Opfer fiel und der sie selbst nur knapp entkam, die ungarische Revolution von 1956 sowie die Opposition im Intellektuellenzirkel der "Budapester Schule." In ihren Schriften sucht die Lieblingsschülerin des bedeutenden marxistischen Literaturhistorikers und Philosophen Georg Lukács den Dialog mit den großen philosophischen Vordenkern Kant, Nietzsche, Aristoteles, Shakespeare und Kierkegaard. Die große Zahl ihrer ins Deutsche übersetzten Veröffentlichungen zeigt weit über den philosophischen Bereich hinaus die Bedeutung ihres Werkes für die deutsch-ungarischen Kulturbeziehungen.“

Ungarische Intellektuelle und Künstler können mit schöner Regelmäßigkeit die Goethe-Medaille in Empfang nehmen. 2001 wurde sie an George Tabori verliehen, 2004 ging sie an den damals frisch gekürten Literaturnobelpreisträger Imre Kertész. 2007 schließlich wurde Deszö Tandori mit der Medaille ausgezeichnet.

Torsten Laudien
 

 

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