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(c) Pester Lloyd / 35 - 2010  WIRTSCHAFT 01.09.2010

 

Nichts dazugelernt?

Das Leasinggeschäft in Ungarn hat sich pulverisiert

Eine der Branchen, die durch die Finanz- und Wirtschaftskrise am stärksten getroffen wurden, ist die Leasingbranche, weil sie sowohl durch die Verwerfungen auf dem Finanzmarkt als auch unmittelbar durch Investitions- und Konsumeinbruch berührt wurde und wird. Dass sie daran nicht ganz unschuldig ist, sieht man allerdings nicht ein und strebt wieder eifrig nach dem "Vorkrisenniveau".

Die aktuellen Daten der Ungarischen Leasing-Vereinigung vom Montag verwundern angesichts der Unmittelbarkeit der aktuellen Krisen auf Leasingverträge dann auch nicht übermäßig, wiewohl der starke Rückgang im ersten Quasi-Nachkrisenjahr ein zusätzlicher Beleg dafür sein möchte, wie aufgeblasen dieses Geschäftsfeld in Ungarn gewesen sein muss. Nicht weniger als 36% ging der Wert neuer Leasingverträge im ersten Halbjahr 2010 gegenüber 2009 zurück, auf noch 142,7 Mrd. Forint (heute knapp 500 Mio EUR). Der Rückgang im zweiten Quartal betrug dabei 27% (auf 72,4 Mrd. HUF), im ersten noch 44%, die spürbare Verlangsamung des Rückganges ist ein gutes, allerdings auch das einzige gute Zeichen für die Branche.

Anteil der einzelnen Leasingunternehmen an der Finanzierung von Firmenflotten in Ungarn,
Quelle:
www.cegesauto.hu, zum Vergrößern auf die Grafik klicken

Immerhin sollte man sehen, dass bereits im ersten Halbjahr 2009, also zum Höhepunkt der Krise ein Rückgang von 61% auf 468 Mrd. HUF zu verzeichnen war, sich die gesamte Branche binnen eineinhalb Jahren also auf ein Fünftel pulverisiert hat. Rund die Hälfte der Leasingverträge in den ersten sechs Monaten diesen Jahres geht wieder einmal auf Autos zurück, eigentlich das völlig falsche Signal. Zoltán Hordos, Chef der Vereinigung der in Ungarn tätigen Leasinggesellschaften, schätzt, dass man das Vorkrisenniveau erst wieder ab dem Jahr 2013 erreichen könnte, "mit Glück könnten die Neuverträge dann 1.000 Milliarden Forint" überschreiten.

Glück, für wen, fragt man sich da: Offenbar hat die Branche nichts gelernt, denn je höher die Leasing-Penetration von Unternehmen ist, umso größer wird der Rückfall durch Zahlungsausfälle bei jedem kleinen Konjunkturwackler werden. Es sollte den Leasinggesellschaften also nicht um möglichst hohe, sondern möglichst stabile Abschlüsse gehen, eine Größenordnung, die in deren Statisitik jedoch nicht vorgesehen ist. Immerhin naschten die Leasingfirmen vor allem am fremdfinanzierten Konsumboom mit, jede Putzfrauen-Bt. (Spitzname für jene Kleinstunternehmen von Scheinselbständigen, die sich die Ungarn als Notwehr gegen zu hohe Abgabenbelastungen zugelegt haben), hatte vor der Krise ein Auto geleast, dabei war das Geschäftsmodelle eigentlich mehr für die Vergabe von Maschinen, Werkzeuge und Produktionsanlagen gedacht, die Unternehmen mit einer geringen Eigenkapitaldecke und daher einer schlechteren Kreditaussicht auf die Sprünge helfen und sie gleichzeitig up to date mit technologischen Entwicklungen halten, um im rauschhaften Kampf um immer mehr Effizienz wenigstens annähernd mit den Großen mithalten zu können.

Ohne eine Rückkehr zu einem auf Substanz und Wert- bzw. Kapitalzuwachs bedachten Geschäftsprinzip und der Abkehr von der Ersatzbank für die Autofinanzierung, ist der Branche eine Erholung nicht nur kaum möglich, sondern mit Hinblick auf eine gesamtwirtschaftliche Vernunftssteuerung auch kaum zu wünschen. In diesem Jahr und den nächsten beiden leiden die Leasingfirmen zusätzlich noch unter der Finanzmarktsondersteuer, die sie zwar nicht in dem Ausmaß trifft wie Banken und Versicherungen, den Verband aber dennoch dazu veranlasste den "Untergang einer ganzen Branche" zu prognostizieren. Dazu genügt die Maßnahme der Orbán-Regierung allerdings noch nicht, da müssten die Unternehmen selbst auch ein bisschen mithelfen.

-red./m.s.
 

 

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