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(c) Pester Lloyd / 37 - 2010  WIRTSCHAFT 17.09.2010

 

Goldene Gänse

Der Gänsestopfleber aus Ungarn konnte die Krise nichts anhaben

Für die Einen ist es ein kulinarischer Hochgenuss mit kleinem Beigeschmack, für andere pure Barbarei. Für die Erzeuger der Gänsestopfleber ist es in erster Linie ein sehr lohnendes Geschäft. In der Krise stiegen die Exporterlöse sogar nochmals. Argumenten von Tierfreunden gegenüber stellt man sich weiterhin taub und spricht von einer Tradition, die für die Tiere sogar eine Wohltat ist.

Nach Angaben des Verbandes der Geflügelverarbeiter ging im Jahr 2009 die Produktion von Produkten aus Gänsefleisch in Ungarn deutlich zurück, von 43.000 Tonnen 2008 auf 35.000 Tonnen im letzten Jahr. Wegen der Reszession hatten ungarische Bauern deutlich weniger Gänse gezüchtet, 4,86 Millionen, statt wie vorher 5,5 Millionen, wodurch notwendigerweise auch weniger Lebern zu stopfen, mästen, schlachten und verarbeiten waren, wiewohl der Export keinerlei Krisenmerkmale aufwies. Mit 1.769 Tonnen blieb Ungarn 2009 nach Frankreich immer noch der zweitgrößte Produzent dieser umstrittenen Delikatesse, 2008 hatte man noch über 2.000 Tonnen produziert.

Vorher und nachher: teuer und schmerzlich erkaufter Genuss...

Rund 90% der Foie gras geht nach Frankreich und Belgien, Länder, in denen diese Speise ebenfalls eine lange Tradition auf den Speisezetteln der Restaurants hat. Trotz des geringeren Absatzes erlösten die ungarischen Erzeuger deutlich mehr als im Vorjahr, nämlich fast 7 Milliarden Forint (ca. 24,5 Mio EUR) aus den Exporten, 2008 mit deutlich mehr Ware, waren es nur 5,8 Mrd., was freilich auch mit dem Verfall des Forints gegenüber dem EUR seit 2008 zu tun hat. Für dieses Jahr erhofft man eine Produktion von 1,830 Tonnen, die 7,6 Mrd. HUF erlösen sollen.

Argumenten von Tierschützern und Forderungen nach Einstellung der quälerischen Praxis der Stopfmast gegenüber, zeigt sich der Verband nach wie vor taub. Im Gegenteil, man behauptet sogar öffentlich und ohne rot zu werden, die Stopfmast sei für die Gänse eine reine Wohltat, jeder Bauer, der ja seine Tiere liebe, wisse das, zudem sieht man das auch daran, dass sich die Gänse nach der Zwangsfütterung durch ein langes Rohr, das ihnen bis zum Anschlag in den Schlund getrieben wird, wohlig zur Rast legten, was gequälte Tiere mit ihrem angeborenen Fluchtreflex wohl kaum täten.

Der Lobbyverband der Gänsestopfer beschimpft Tierschützer schon einmal öffentlich als unwissende Ignoranten, die keinen Sinn für diese urungarische Tradition hätten. Zudem seien die meist aus dem Westen gesteuerten Tierschützer (z.B. Vier Pfoten) ohnehin von der Konkurrenz gekauft, versuchte man kürzlich tatsächlich zu belegen. Rund 20.000 Arbeitsplätze stünden mit diesem Kulturgut auf dem Spiel und damit Basta.

Vier Pfoten und andere Tierrechtsaktivisten gelingt es zumindest in Österreich und Deutschland zunehmend, Händler, darunter auch große Handelsketten, vom Verkauf von Stopfleberprodukten oder Tieren aus Stopfmast abzubringen. Immer wieder decken sie Umgehungen der entsprechenden (freiwilligen) Kennzeichnungen durch laute Kampagnen auf, die die Händler im Interesse des Geschäftes dann meist vom Verkauf abrücken lassen.
 

 

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