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(c) Pester Lloyd / 37 - 2010  BUDAPEST 13.09.2010

 

Jazziges Jedermann

Eckermann ist gegangen, Jedermann kann kommen - neues Café im Goethe-Institut Budapest

Jazz in den Ohren und an den Wänden – im Erdgeschoss des Budapester Goethe-Instituts hat das Café „Jedermann“ eröffnet. Der aus den Niederlanden stammende Gastronom Hans van Vliet tritt die Nachfolge des gescheiterten Café Eckermann an, ohne sich als nur als bessere Kantine des Goethe-Institutes verstehen zu wollen.

Hans van Vliet sieht schon etwas erschöpft aus. Dunkle Ringe unter den Augen lugen unter der roten Hornbrille hervor. Doch wer denkt, dass dem Gastronom sein neues Café „Jedermann“ schlaflose Nächte bereitet, der irrt. „Es ist nicht voll, aber das wäre auch ein Wunder“, sagt der Niederländer eine Woche nach der Eröffnung seines neuen Lokals. Für den Hobby-Jazzmusiker standen in den letzten Tagen vielmehr einige Konzerte und Plattenveröffentlichungen an.

Im „Jedermann“, das in den Räumen des ehemaligen Café Eckermann im Erdgeschoss des Goethe-Instituts in der Raday utca eröffnete, verbindet nun van Vliet seinen Beruf mit seiner Leidenschaft. An den Wänden hängen Jazzposter, und in unregelmäßigen Abständen finden donnerstags Jazzkonzerte im Lokal statt. Freitags sollen sich Musiker zu einer offenen Jam Session treffen können und für sonnabends sind Auftritte junger Künstler der Jazzakademie geplant.

Trotz der Begeisterung van Vliets für die Musik setzt das „Jedermann“ auch andere Akzente. „Es wäre gefährlich, nur einen Jazzclub zu eröffnen“, sagt der Posaunist und Gastronom van Vliet. Dafür gebe es in der Stadt nicht genug Publikum. Stattdessen versucht er, eine Bandbreite von Besuchern anzusprechen. Neben jüngeren Leuten aus der Umgebung sollen sich auch ältere Gäste an den mit schweren Stickdecken bedeckten Tischen wohlfühlen. „'Jedermann' spricht für sich selbst“, sagt Hans van Vliet. Mit dem „Jedermann“ Hugo von Hoffmanthals habe der Name jedoch nichts zu tun. Es sei einfach jeder Gast willkommen – und das zu (fast) jeder Zeit.

Denn morgens öffnet das Café um 8 Uhr; es wird Frühstück angeboten. Zur Mittagszeit bietet das „Jedermann“ wechselnde Gerichte und auch verschiedene Angebote für den Abend stehen auf der Speisekarte. Auch hier – wie am Mittag – nicht jeden Tag dasselbe, „so“, sagt van Vliet, „wird dem Koch nicht langweilig. Und den Gästen auch nicht“. Kleinere Gerichte erleichtern den Geldbeutel auch nur um ungefähr 500 bis 600 Forint, Hauptgerichte sind ab knapp über 1000 Forint zu haben. Auch die Getränke sind bezahlbar (Cappucino 280 Forint, ca. 1 EUR).

Für die deutschsprachigen Besucher, die die Lage im Goethe-Instituts zweifelsohne anziehen wird, liegen zudem jeden Tag deutsche Zeitungen aus. Als das Café der Institution versteht van Vliet sein „Jedermann“ aber dezidiert nicht. „Jeder denkt, es gehört dem Goethe oder es wird vom Goethe betrieben“, sagt van Vliet. „Aber es ist eine unabhängige Bar!“ Gemeinsame Veranstaltungen schließt der Gastronom aber nicht aus. Wenn das Goethe Institut in seinem Café Veranstaltungen abhalten wolle, sei dies möglich. „Aber wenn das Institut Francais kooperieren will, können wir auch kooperieren“, so van Vliet. 20 Jahre habe er nun darauf gewartet, sein erstes eigenes Café zu eröffnen. Nun gestaltet er es nach seinen Vorstellungen – und Jedermann soll teilhaben dürfen.

Christian Franke

„Jedermann“
Raday utca 58, IX. Bezirk
täglich von 08 bis 01 Uhr geöffnet

 

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