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(c) Pester Lloyd / 37 - 2010  WIRTSCHAFT 17.09.2010

 

Gerüchte um Rücktritt von MOL-Chef Hernádi

Zsolt Hernádi (Foto rechts), Vorstandschef des größten ungarischen Unternehmens, MOL (Erdöl- und Erdgasförderung, -verarbeitung und Verkauf, Tankstellen etc.) wird bereits Ende des Monats von seinem Amt zurücktreten und durch István Kocsis (Foto unten, links, mit Ex-Premier F- Gyurcsány) ersetzt. Das berichteten heute morgen ungarische Wirtschaftsmedien, voran die Tageszeitung Világgazdaság, ohne eine offizielle Bestätigung aus der Firmenzentrale. Kocsis ließ auf der BKV-Webseite mittlerweile dementieren, dass er für die Nachfolge von Hernádi im Gespräch sei. Erst gegen Mittag erklärte auch die MOL-Zentrale, dass an den Rücktrittsgerüchten nichts dran sei. Hernádi wurde 2008 für sechs Jahre, also bis 2014 im Amt bestätigt und habe auch vor dies bis dahin auszuüben, so die MOL Kommunikationschefin.

Kocsis ist zur Zeit Chef der strauchelnden Budapester Verkehrsbetriebe BKV ist und zuvor schon bei einer ganzen Reihe von Staatsbetrieben als Sanierer und Manager arbeitete, u.a. der Privatisierungsanstalt ÁPV (bis 1997) sowie drei Jahre dem Atomkraftwerk Paks vorstand. Danach leitete er - bis 2008 - die Ungarischen Elektrizitätswerke MVM, seit dem die BKV, die durch einen Ausplünderungsskandal und eine Verhaftungswelle im Ex-Manaagement Schlagzeilen machte. Kocsis gilt als politisch sehr anpassungsfähig und überlebte bis jetzt noch jeden Politiwechsel unbeschadet.

Die MOL ist durch Sperrminorität und eine Lex MOL quasi unter staatlicher Kontrolle, ein Abgang Hernádis hätte jedoch nichts mit einer etwaigen Nähe zu den vorherigen Regierungen zu tun, denn er machte seine größten Karriereschritte bereits unter der ersten Orbán-Regierung. Fachlich hatte er den umsatzstärksten Konzern des Landes meist gut im Griff. Etwas überraschend kam daher nicht nur die Ankündigung, sondern auch die kurze darin genannte Frist.

In seiner zehnjährigen Amtszeit hat Hernádi die MOL strategisch gut in der Region aufgestellt und ist durch Übernahmen in der Slowakei, der Ukraine, vor allem aber in Kroatien (INA) dick im Geschäft. Das Raffineriegeschäft konnte Hernádi nach Kriseneinbruch konsolidieren, durch Explorationen von Ungarn bis in den Irak sowie clevere Partnerschaften mit Gazprom und Partnern am Kaspischen Meer ist man sowohl an zukünftigen Fördererlösen beteiligt als auch im künftigen Großgeschäft von Pipelines und Lagerungen. Die Vormachtstellung im Tankstellennetz und bei staatlichen Aufträgen hat die MOL behalten, ein Übernahmeversuch durch die OMV, später die russische Surgutneftegas konnte man - durch staatliche Protektion - abwehren. Surgut, ein Staatsbetrieb, besitzt 21,2% der MOL-Aktien, die Ungarn gern zurückkaufen möchte, diese womöglich aber nur durch die Aufgabe anderer Interessensphären auf dem Balkan erhält.
 

 

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