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(c) Pester Lloyd / 38 - 2010  WIRTSCHAFT 24.09.2010

 

Automobilgroßmacht

Audi investiert fast eine Milliarde EUR in Ungarn

Zwei Tage nach dem General Motors angekündigt hat, 500 Mio EUR in den Ausbau seines Werkes in Szentgotthárd zu investieren, lüftete am Donnerstag auch Audi das Geheimnis, was man mit den über 200 Hektar Land, die man vor einigen Monaten in der Nähe von Győr für rund 23 Millionen erworben hat, plant: eine Autofabrik für jährlich 1,5 Millionen Fahrzeuge!

Die Produktion soll bereits 2013 auf kleineren Touren laufen und jährlich 125.000 Fahrzeuge vom Band lassen. Von 2015 an sollen dann sagenhafte 1,5 Millionen Autos jährlich vom Band rollen, die Investitionssumme für das Werk beträgt beträchtliche 900 Mio EUR.

Dies verkündete der Audi-Vorstandschef Rupert Stadler (auf dem Foto links, rechts Viktor Orbán, Foto: audi.hu) auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Ministerpräsident Viktor Orbán, der es sich auch diesmal nicht nehmen ließ, etwas vom Glanze des Erfolges auf seine Person und seine Partei abstrahlen zu lassen, schließlich sind am 3. Oktober Kommunalwahlen in Ungarn und es ist schon ein erstaunlicher Zufall, dass beide Großinvestitionen ausgerechnet einige Tage davor an die Öffentlichkeit geraten. Der Regierungschef kann so jeden Kritiker - und derer sind nicht wenige -, der behauptet, sein national-protektionistischer Schlingerkurs in der Wirtschaftspolitik könnte Investoren verschrecken, Lügen strafen. Über die bei solchen Projekten üblichen Staatszuschüsse in Form von Steuerbefreiungen im Wert von 5-10% der Investitionskosten wurde noch nichts bekannt.

Audi hatte sich vor kurzem noch mit Kommentaren zurückgehalten und keine Auskunft zur Verwendung des Grundstückes, das zum Teil in einem Naturschutzgebiet liegt, geben wollen, wohl auch, um in den Stammwerken keine Unruhe unter der Belegschaft zu schüren. Die Beschäftigungsgarantie für die Ingolstädter hatte der Konzern wohlweislich gerade bis Ende 2014 verlängert.

Rupert Stadler, Vorstandsvorsitzender der Audi AG, kommentierte die Investition im Rahmen einer internationalen Pressekonferenz im Budapester Parlament mit den Worten: „Durch die Erweiterung des Standorts Győr bauen wir unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit weiter aus und sorgen damit für die Voraussetzungen, um unsere ehrgeizigen Wachstumsziele zu erreichen“, die in nicht weniger bestehen als zum größten Premiumhersteller der Welt aufzusteigen.

1.800 neue direkte Arbeitsplätze, so ist es in einer Aussendung zu lesen, die man an die Parlamentarier verteilte, wird das neue ungarische Werk schaffen, Audi beschäftigt in seinem Motorenwerk in Győr, bei dem auch Audi TT Roadster und Coupé sowie das A3 Cabrio gefertigt werden, bereits rund 5.700 Menschen direkt (rund 10% des Gesamtpersonalstandes der Audi AG) und ist mit seinen vielen Zulieferern der größte Wirtschaftsfaktor der Region, in ein paar Jahren auch des Landes. Nach verschiedenen Berechnungen hängen an den ungarischen Aktivitäten der Audi AG insgesamt 15.000 Arbeitsplätze.

Das neue Werk wird die komplette Montage der neuen A3-Reihe (mit Stufenheck) übernehmen und wahrscheinlich auch die einer noch nicht öffentlich angekündigten völlig neuen Fahrzeugbaureihe, auch für den chinesischen Markt. Einzelteile dafür kommen dann u.a. aus deutschen Werken per Schiene und werden dann in Györ zusammengebaut, die Motoren hat man ja ohnehin schon vor Ort, hinzu kommen neben Karosseriebau, Lackierei und der Montage auch die Endkontrolle.

Neben Audi, die seit 1993 in Ungarn aktiv sind und Opel, bereits seit 1990 im Lande, ist auch Suzuki mit einer Autofertigung in Ungarn präsent, Mercedes baut gerade ein 800 Mio Werk in Kecskemét. Hankook, weltgrößter Reifenhersteller hat zudem gerade angekündigt, seine Kapazitäten in Ungarn um die Investition von 230 Mio EUR aufzustocken, um hierzulande auch LkW-Reifen zu produzieren. Was die Produktionsmenge pro Kopf der Bevölkerung betrifft, so ist Ungarn heute zu den Automobilgroßmächten aufgestiegen, zumindest ist das Land, neben der Slowakei die führende Montagehalle in Mittelosteuropa.

-red.

Hintergründe:

GM rüstet auf - 21.09.2010
Opel investiert 500 Mio EUR in den Standort Ungarn - auf wessen Kosten?
http://www.pesterlloyd.net/2010_38/38opel/38opel.html

Rätsel um die grüne Wiese - 05.08.2010
Audi Ungarn erwirbt ein naturgeschütztes Grundstück - wofür?
http://www.pesterlloyd.net/2010_31/31audigrundsteuck/31audigrundsteuck.html


 

 

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