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(c) Pester Lloyd / 38 - 2010 WIRTSCHAFT 21.09.2010
GM rüstet auf
Opel investiert 500 Mio EUR in den Standort Ungarn - auf wessen Kosten?
Ungarn als Produktionsstandort für die europäische Autoindustrie hat einen erneuten Auftrieb erhalten. Während die westeuropäischen Opelstandorte noch
immer nicht des Überlebens sicher sein können, hat General Motors angekündigt, in Erweiterungen des Werkes im westungarischen Szentgotthárd 500 Millionen Euro zu
investieren. Eine Entscheidung, die der Regierung gerade recht kommt.
Eine 500 Mio EUR-Investition kommt
dem von der Krise geschundenen Land gerade recht, zumal die neue Regierung teilweise eigenartige Signale in Richtung internationaler Investoren aussandte. Opel investiert nun noch einmal
ebensoviel wie seit Einstieg auf den ungarischen Markt vor genau 20 Jahren. 1.000 weitere Mitarbeiter sollen bis 2012 bei der GM-Tochter Arbeit finden, der Standort Ungarn
wäre von der Produktionskapazität dann der größte von Opel weltweit.
Die Kapazitätsaufstockung betrifft in erster Linie die Motorenproduktion, wobei GM bzw.
Opel drei neue Produktionslinien aufbauen will, die im Vollbetrieb jährlich bis zu 500.000 Einheiten produzieren werden. Was das für andere Werke oder möglicherweise die
Schließung von Standorten in Westeuropa heißt, ist derzeit noch nicht ganz klar, zumindest wird es nichts Gutes heißen. Immerhin, der Standort in Kaiserslautern wurde
auch soeben aufgewertet, das Russisch-Roulette ist aber, trotz vager Zusagen, kaum beendet.
Eine Investitionsentscheidung mit politischen Dimensionen
Die Kundmachung des neuen Projektes in Ungarn erfolgte bei einem gemeinsamen
Auftritt des GM-Vizepräsidenten für Opel/Vauxhall, Reinald Hoben mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, der die Entscheidung sogleich als Bestätigung der
Richtigkeit seiner Wirtschaftspolitik heranzog und damit Kritiker, die ihm Tendenzen einer protektionistischen Wirtschaftspolitik aus nationaler Motivation heraus unterstellen.
Diese Motivation hat er zwar und unterstellte den internationalen Konzernen auch schon einmal eine Raubmentalität zum Nachteil des heimischen Mittelstandes, doch wenn die
Aussicht auf Jobs und Steuereinnahmen sowie Wirtschaftswachstum konkret wird, zeigte sich noch jeder Potentat flexibel. Die Entscheidung der Opelmanager kam Orbán wie
gerufen, die Verkündung zwei Wochen vor der Kommunalwahl konnte nicht besser getimet werden und es ist auch nicht das erste Mal, dass Opel indirekt Politik macht.
Die Aufstockung der Produktionskapazitäten im Werk Szentgotthárd wird schnell zu
weiteren 800 festen Arbeitpslätzen führen, weitere 200 kommen später hinzu, verkündeten beide, wobei man hofft, das weitere 2-3.000 indirekte Arbeitsplätze bei
Zulieferern und Dienstleistern entstehen könnten. Bis Mitte Oktober, so Regierungschef Orbán, werde sein Kabinett über die Höhe der üblichen staatlichen Unterstützung
entscheiden, die so ausfallen wird, dass sie Ungarn in rund vier Jahren durch ökonomische Nutzeffekte zurückerhalten wird. Schneller oder - wie einige Male in der
jüngsten Vergangenheit - voreiliger war da sein Wirtschaftsminister György Matolcsy, der sprach nämlich bereits frei heraus von 7,5 Mrd. Forint Staatsbeihilfen (ca. 26 Mio EUR
also etwas mehr als 5% der Investitionssumme), die man durch Steuereinnahmen und die Kaufkrafteffekte binnen drei Jahren wieder einzubringen gedenkt. "Einmal mehr hat die
Reawirtschaft Ungarn ihr Vertrauen ausgesprochen", die Investition wird mit dabei helfen, dass das BIP-Wachstum im kommenden Jahr 2,5-3% erreichen könne, so der
Wirtschaftsminister in einer Aussendung.
Mittelosteuropa profitiert von und hängt an der Autoindustrie
Die Automobilindustrie ist in Mittelosteuropa einer der wichtigsten Wirtschaftszweige
geworden, neben Ungarn sind vor allem auch die Slowakei, in kleinerem Maße Tschechien und Rumänien von der schwankungsfreudigen aber sehr wertschlöfenden Industrie
abhängig. In Tschechien sind es vor allem VW (Skoda) und Hyundai, die jährlich fast 1 Mio. Fahrzeuge herstellen, in der Slowakei ist es KIA, ebenfalls sowie PSA (Peugeot,
Citroen), in Rumänien Renault (Dacia), in Ungarn u.a. Opel in Szentgotthárd, Suzuki in Esztergom, das gerade in Bau befindliche Mercedes-Werk in Kecskemét für 800 Mio EUR
und rund 2.500 direkten Arbeitsplätzen. Flagschiff aber ist das große Audi-Motorenwerk in Györ, zweitgrößter Exporteur des Landes und direkter Arbeitgeber für 5.500
Menschen, etliche Zuliferer und eine ganze Region. Audi hat auch gerade ein weiteres größeres Grundstück bei Györ zugekauft, ohne dafür eine Verwendung nennen zu wollen.
Audi hat zudem gerade ein neues Besucherzentrum sowie ein großes Service- und Verkaufszentrum eröffnet, das seine Ambitionen in Ungarn verrät. Die Ingolstädter
dürften die Entscheidung von GM auch mit einigem Argwohn betrachten, macht man sich nun um die ohnehin schon raren Fachkräfte im Motorenbau noch mehr Konkurrenz.
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